NEOS ortet „Marketingschmäh“
Die SPÖ sieht auch nach den von ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann angekündigten Änderungen bei den Deutschförderklassen viele offene Fragen bei der Umsetzung. Das sei eine Horuckaktion auf dem Rücken der Lehrenden, der Direktoren, der Bundesländer und Gemeinden als Schulerhalter und nicht zuletzt zulasten der betroffenen Kinder, so SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid.
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Faßmanns Amtsvorgängerin forderte erneut ein Expertenhearing im Bildungsausschuss des Nationalrats zu der Frage. Faßmann solle die Warnungen und Sorgen der Länder ernst nehmen, die für kommenden Herbst ein Chaos befürchten. „Es gibt noch immer keine Lehrpläne für diese Klassen, es fehlen Klassenräume und Personal.“ Unverständlich sei auch, warum der Minister nicht die gesetzliche vorgesehene Evaluierung der bisherigen Sprachfördermaßnahmen abgewartet habe.
Himmer: „Erstmals ausgestreckte Hand“
Der Wiener Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer (SPÖ) zeigte sich konzilianter: „Ich sehe jedenfalls erstmals eine ausgestreckte Hand des Ministers“, so Himmer. „Man ist offenbar bereit, über die konkrete wienspezifische Umsetzung nachzudenken. Und man erkennt an, dass Wien andere Herausforderungen hat als andere Bundesländer.“ Man müsse nun sicherstellen, „dass wir nicht noch eine neue Schulart bekommen, in die wir alle Kinder abschieben, die uns nicht geeignet erscheinen - und das mit einem Test, den es noch nicht einmal gibt.“
Nach wie vor hake es bei Faßmanns Konzept aber an ganz konkreten Fragen: So seien in den Deutschklassen nach wie vor Schülerzahlen bis 25 möglich, bemängelte Himmer. „Es gibt auch wenig schulautonomen Spielraum, ob eine Deutschklasse eingerichtet oder integrativ gefördert wird. Die Stundenanzahl ist auch sehr starr vorgegeben, und es ist keine Mischung möglich - also zwischen einer Förderung in der Kleingruppe außerhalb der Klasse und dann wieder mit den anderen Kindern im Rahmen der Klasse.“
Als Folge hätten die Kinder nach Absolvierung der Deutschförderung auch nicht das fachliche Wissen, um voll in den Unterricht einzusteigen, und müssten daher die Klasse wiederholen, kritisierte Himmer.
Erleichterung und Enttäuschung zugleich
Der Wiener Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) wiederum zeigte sich in einer Aussendung erleichtert, dass „derzeit bestehende Klassen offenbar doch nicht auseinandergerissen werden. Enttäuschend ist, dass dennoch ein von ExpertInnen und PädagogInnen zu Recht abgelehntes Deutschklassenmodell durchgedrückt werden soll.“ Insgesamt frage er sich, warum Faßmann die Direktoren nicht entscheiden lasse, wie die Sprachförderung organisiert werden solle.
Strolz sieht „Komplettumfaller“
Verärgert zeigte sich NEOS-Klubobmann Matthias Strolz über den „Marketingschmäh“ der Regierung. „Nachbesserungen in Ehren, aber das ist leider ein Komplettumfaller“, so Strolz. „Ein Konzept, das so nicht umgesetzt werden kann, wird künstlich am Leben erhalten. Bezahlen müssen das die Schülerinnen und Schüler, die bereits im Schulsystem sind und über nicht ausreichend Deutschkenntnisse verfügen.“ Auch Strolz verlangt ein Expertenhearing im Parlament.
Stephanie Cox, Bildungssprecherin der Liste Pilz, hält die Änderungen, die Faßmann am Dienstag präsentierte, für nicht ausreichend. Sie äußerte grundsätzliche Bedenken: Die Diskussion müsse gemeinsam mit Fachleuten und Betroffenen gehalten werden. Durch Separation werde das Entstehen von Parallelgesellschaften gefördert. Sprachförderung müsse vielmehr integrativ im Klassenverband stattfinden. Cox spricht sich für „zusätzliche Deutschförderkurse, am besten außerhalb der regulären Unterrichtszeit“, aus.
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