Schrittweise Einführung
ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann hat am Dienstag seine Pläne zur Einrichtung von Deutschförderklassen präzisiert und sich zu den insgesamt 60 eingegangenen - meist kritischen - Stellungnahmen geäußert. „Wir werden diese Klassen einführen“, so es grünes Licht vom Parlament gebe, sagte Faßmann. Allerdings komme es zu einigen Änderungen gegenüber dem bisherigen Entwurf.
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„Die Resultate der bisherigen Modelle sind alles andere als berauschend“, sagte der Minister bei einer Pressekonferenz. „Es hat wenig Sinn, Schülerinnen und Schüler ohne Vorbereitung ins Sprachbad der Mehrheitsgesellschaft eintauchen zu lassen.“ Mit den nun geplanten Deutschförderklassen werden die bisherigen Sprachfördermaßnahmen (maximal elf Wochenstunden) ausgeweitet.

APA/Hans Punz
„Es geht nicht um die korrekte Anwendung von Dativ und Akkusativ, es geht um das Folgen des Unterrichts“, so Faßmann
Schülerinnen und Schüler, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, um dem Unterricht folgen zu können, müssen ab kommendem Schuljahr verpflichtend 15 (Volksschule) bzw. 20 (Neue Mittelschule/AHS-Unterstufe) Wochenstunden eine Deutschförderklasse besuchen.
Acht statt sechs Kinder
Diese „außerordentlichen“ Schüler werden in diesen Stunden nach eigenem Lehrplan in Deutsch unterrichtet, für Gegenstände wie Zeichnen, Musik und Turnen werden sie altersgemäß anderen Klassen zugeteilt. Eingerichtet werden Deutschförderklassen nunmehr nicht mehr ab sechs „außerordentlichen“ Schülern pro Schulstandort wie ursprünglich geplant, sondern erst ab acht - das die erste Änderung, die Faßmann am Dienstag präsentierte. Ein Wechsel in die regulären Klassen ist bei entsprechenden Sprachkenntnissen möglich.
Rund 40 Mio. Euro Budget
Für die Umsetzung der geplanten Deutschförderklassen gibt es 440 neue Lehrerplanposten und rund 40 Mio. Euro Budget.
„Mehr Gestaltungsraum für Schulen“
Die zweite Änderung besagt, dass nur Neueinsteiger in eine Schule – die also entweder frisch in die erste Klasse Volksschule kommen oder die später neu nach Österreich ziehen – bei ungenügenden Sprachkenntnissen zwingend in eine Deutschförderklasse überstellt werden sollen und nicht mehr alle außerordentlichen Schüler. Es gebe insgesamt „mehr Gestaltungsspielraum für Schulen“, so Faßmann. Kinder, die bereits im System sind, können laut dem Bildungsminister wie bisher auch im Deutschförderkurs geschult werden.
Der Unterricht in den Deutschförderklassen soll klassen-, schularten- und schulstufenübergreifend möglich sein. So ist etwa die Einrichtung einer Art Mehrstufenklasse zur Deutschförderung möglich. Daraus ergeben sich weniger Deutschklassen als zunächst geplant. Statt rund 230 zusätzlicher Klassen gegenüber den bisherigen Sprachstartgruppen soll es künftig nur rund 80 Klassen mehr geben.
Ausnahme Wien
Die meisten Länder sollten mit diesen Änderungen einen Spielraum bekommen. Als Ausnahme wird Wien genannt. Hier reichten die Ressourcen nicht aus, man müsse darüber noch gesondert verhandeln, so Martin Netzer vom Bildungsministerium bei der Pressekonferenz. Ressourcen würden jedenfalls nirgendwo abgezogen, die Änderungen seien bis auf Wien kostenneutral umsetzbar, so Netzer.

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Für die Deutschförderklassen gilt die reguläre Klassenschülerhöchstzahl von 25 Kindern
„Eine Art Crashkurs“
Faßmann stellte die Treffsicherheit der Zuweisung in den „ao-Status“ wie bisher in seinen Ausführungen indirekt infrage. Derzeit blieben die meisten Kinder zwei Jahre in diesem Status, so Faßmann. Man müsse „mehr Systematik in diesen Bereich“ bekommen. Der Übertritt in eine Regelklasse solle mit den geplanten Deutschförderklassen beschleunigt werden. Es sei „eine Art Crashkurs“, vergleichbar einem Vorstudienlehrgang an den Universitäten, so der ehemalige Universitätsprofessor Faßmann. Es sei ja keine dauerhafte Segregation, wie Kritiker vielfach beanstanden.
Einheitlicher Test nach jedem Semester
Nach jedem Semester soll nach einem österreichweit einheitlichen Test überprüft werden, ob die Kinder dem Regelunterricht mittlerweile ausreichend folgen können - im Gegensatz zur bisherigen Regelung, wo außerordentliche Schülerinnen und Schüler maximal zwei Jahre lang in diesem Status verblieben, ohne dazwischen je getestet zu werden. Bestehen sie nun den Test, können sie unmittelbar in die Regelklassen wechseln. Ansonsten bleiben sie maximal vier Semester in der Deutschförderklasse.
Eckpunkte der Deutschförderklassen bleiben bestehen
ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann hat seine Pläne präzisiert und gegen Kritik verteidigt. Er bleibt dabei, dass Kinder, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, in eigenen Klassen unterrichtet werden.
Nach dem Wechsel in die Regelklasse erhalten sie außerdem noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschkurs. Für die Deutschförderklassen gilt die reguläre Klassenschülerhöchstzahl von 25 Kindern. Diese könne vor allem bei schulstufenübergreifender Einrichtung „im Extremfall“ durchaus erreicht werden, räumte Netzer ein. Dann würden aber zunächst im ersten Semester zwei Pädagoginnen und Pädagogen dort arbeiten, nach einem Semester würden dann ohnehin die ersten Wechsel in die Regelklassen erfolgen.
Straffer Zeitplan
Der Zeitplan ist straff - am Mittwoch kommt der Entwurf in den Ministerrat. Am 30. Mai sollte im Bundesratsplenum der Schlussstrich gezogen werden. Bis Sommer sollte der Lehrplan fertig sein. Organisatorisch starten die Deutschklassen daher bereits im Herbst - vorerst allerdings noch ohne standardisierte Tests bei der Schuleinschreibung, die für 2018/19 schon vorbei ist. Diese Tests sollen dann ab Jänner 2019 verfügbar sein.
Einer zuletzt etwa von der Pflichtschullehrergewerkschaft geforderten Verschiebung der Maßnahme um ein Jahr erteilte Faßmann eine Absage: „Verschoben haben wir diese Problematik schon sehr lange.“ Viele der sich ergebenden Probleme bei der konkreten Umsetzung könnten geklärt werden. „Wir werden bei der Implementierung lernen und auch flexibel sein.“
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