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Von Böhmen nach Hollywood

Oscar-Preisträger Milos Forman ist tot. Formans Ehefrau Martina sagte der tschechischen Nachrichtenagentur CTK am Samstag, der Regisseur sei am Freitag im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Er wurde 1932 in Mittelböhmen als jüngster Sohn eines Lehrers geboren.

Forman war acht Jahre alt, als seine Eltern von der Gestapo verhaftet wurden, beide kamen in Konzentrationslagern ums Leben. An der Prager Filmakademie lernte Forman sein Handwerk. Mit Filmsatiren wie „Die Liebe einer Blondine“ (1965) und „Der Feuerwehrball“ (1967) zählte er zu den Vorreitern der experimentierfreudigen Neuen Welle des tschechoslowakischen Films.

Milos Forman, F. Murray Abraham und Saul Zäntz im März 1985 mit den Oscars für den Film “Amadeus”

AP

Milos Forman, F. Murray Abraham und Produzent Saul Zaentz mit ihren Oscars für „Amadeus“

Lange Durststrecke bis zum US-Erfolg

Nachdem sowjetische Panzer 1968 den Prager Frühling niederwalzten, emigrierte Forman in die USA. Sein Psychodrama „Einer flog über das Kuckucksnest“ gewann 1976 fünf Oscars, darunter für Regie, Hauptdarsteller Jack Nicholson und als bester Film. Forman setzte sich dabei gegen Starregisseure wie Robert Altman, Federico Fellini und Stanley Kubrick durch.

Filmszene mit Jack Nicholson in "Einer flog über das Kuckucksnest"

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Jack Nicholson in „Einer flog über das Kuckucksnest“

Zuvor hatte es aber eine lange Durststrecke gegeben. Sein erstes Hollywood-Projekt, die Generationensatire „Taking Off“ (1971), holte zwar beim Cannes-Festival einen Jurypreis, floppte aber an den amerikanischen Kinokassen. Forman verlor auch seinen Arbeitsvertrag und musste sich um die Aufenthaltserlaubnis sorgen. „Ich wartete auf das Angebot, das mein Leben ändern sollte, und in der Zwischenzeit akzeptierte ich alles, was ich kriegen konnte, bis hin zum Gratismittagessen“, blickte er in seiner Biografie zurück.

Acht Oscars für „Amadeus“

1979 verfilmte Forman das Hippie-Musical „Hair“. Nach dem Triumph mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ besiegelte er mit der Mozart-Biografie „Amadeus“ (1984) seinen Erfolg in Hollywood. Der Film, der das Musikgenie in einem neuen, nicht nur freundlichen Licht zeigt, erhielt acht Oscars, auch für die beste Regie. Als bester Nebendarsteller wurde für die Rolle des Kontrahenten von Wolfgang Amadeus Mozart F. Murray Abraham als Antonio Salieri ausgezeichnet.

Filmszene aus "Amadeus" (USA 1984) mit Tom Hulce als Wolgang Amadeus Mozart

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Tom Hulce als Musikgenie Mozart in „Amadeus“

Mit seinen Filmen regte Forman auch Debatten an. Bei „Amadeus“ war das der Konflikt zwischen Salieri und Mozart. Mit „Kuckucksnest“ entfachte er eine Debatte über den Umgang mit psychisch kranken Menschen. „Larry Flint - Die nackte Wahrheit“, die Geschichte des erfolgreichen US-Verlegers des Pornoblattes „Hustler“, löste eine heftige Diskussion über dessen Rolle als Vorkämpfer der Meinungsfreiheit aus. Bei der Berlinale 1997 gab es dafür den Goldenen Bären.

Abschied im Familienkreis

Forman lebte zuletzt mit seiner dritten Ehefrau und den 1998 geborenen Zwillingssöhnen im US-Staat Connecticut. „Sein Weggang war ruhig, und er war die ganze Zeit von seiner Familie und seinen Nächsten umgeben“, sagte sie telefonisch aus den USA. Der letzte Abschied werde im engen Familienkreis stattfinden.

Trauer in Tschechien

Der tschechische Regierungschef Andrej Babis würdigte Forman als „markanteste wie auch erfolgreichste Persönlichkeit“ des Films seines Landes. Die Nachricht vom Tod des 86-Jährigen habe ihn sehr betroffen gemacht, teilte der liberal-populistische Politiker am Samstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. „Wie wohl jeder“, so Babis, schätze er Filme wie „Amadeus“ und „Der Feuerwehrball“.

Der tschechische Filmregisseur Jan Hrebejk („Wir müssen zusammenhalten“) beschrieb Forman in einer Reaktion als „größten Filmemacher, den dieses Land je hatte, und einen der größten, den die Welt je hatte“. Kulturminister Ilja Smid sagte der Nachrichtenagentur CTK, Forman habe die Absurditäten, die Farbigkeit und die Schönheit des menschlichen Zusammenlebens meisterhaft eingefangen.

Der damalige tschechische Präsident Vaclav Havel (1936 - 2011) hatte Forman 1995 mit der Verdienstmedaille des Landes ausgezeichnet. Das Filmfestival in Karlovy Vary ehrte ihn zwei Jahre später für seine außerordentlichen Verdienste um das Weltkino mit dem Kristallglobus. „Das Einzige, was niemals alt wird, ist der Humor“, sagte Forman bei seinem letzten Besuch in Tschechien im Jahr 2009.

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