Mehrere Ziele attackiert
Nach dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien haben die USA ihre Drohungen wahr gemacht und gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien mehrere Ziele des Landes angegriffen. US-Präsident Donald Trump sagte in einer Rede an die Nation, die USA, Frankreich und Großbritannien hätten in der Nacht mit Militärschlägen gegen Syrien begonnen. Das Pentagon meldete wenige Stunden danach, die Angriffe seien beendet.
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Die Angriffe seien eine Vergeltung für den Einsatz chemischer Waffen durch die syrische Regierung unter Baschar al-Assad gegen das eigene Volk. „Dies sind nicht die Taten eines Menschen“, sagte Trump. „Es sind die Verbrechen eines Monsters.“

AP/Susan Walsh
Trump bei seiner Rede
Explosionen in Damaskus
Aus Damaskus meldeten Medien Explosionen. Rauch sei im Osten der syrischen Hauptstadt aufgestiegen, sagten Augenzeugen. Nach offiziellen syrischen Angaben sind mindestens drei Zivilisten verletzt worden. Die Opfer habe es bei der Bombardierung in der Region Homs gegeben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SANA am Samstag.
Unter anderem sei eine Forschungseinrichtung nahe Damaskus angegriffen, sagte der Generalstabschef des US-Militärs, Joseph Dunford, im Pentagon. Als weiteres Ziel sei eine Lagerstätte nahe Homs angegriffen worden, erklärte er. Dort sei Sarin gelagert worden. Laut französischen Angaben ist das Chemiewaffenarsenal in Syrien zum größten Teil zerstört worden, wie es am Samstag hieß.
Russland: Mehr als hundert Raketen
Nach russischen Angaben wurde ein Großteil der Geschoße abgefangen. Die syrische Luftabwehr habe 71 der 103 Marschflugkörper abgeschossen, teilte Generaloberst Sergej Rudskoj vom russischen Verteidigungsministerium am Samstag in Moskau mit. Russland erwägt die Lieferung von S-300-Raketenabwehrsystemen an Syrien und andere Staaten. Ein Vertreter des russischen Generalstabs begründet das mit den Luftangriffen. Die Lage in Damaskus und anderen Städten sei derzeit ruhig. Russland hat bereits S-300-Systeme in Syrien stationiert und ist mit Assad verbündet.

AP/Hassan Ammar
Raketen über der Hauptstadt Damaskus
Aus syrischen Armeekreisen hieß es, es seien Dutzende Abwehrraketen abgefeuert worden, unter anderem vom Militärflughafen al-Schairat. Nach Angaben der syrischen Armee waren rund 110 Raketen auf Ziele in Syrien abgefeuert worden.
Assad veröffentlicht Video
Das syrische Präsidentenbüro verbreitete am Samstagmorgen über die Sozialen Netzwerke ein acht Sekunden langes Video, das zeigt, wie Assad den Eingang zum Präsidentenpalast betritt. In der Hand hält der mit Anzug und Krawatte bekleidete Machthaber eine Aktentasche.
Zu dem Video schrieb das Präsidentenbüro: „(Guten) Morgen der Standhaftigkeit“. Andere Personen sind nicht zu sehen. Assad gibt auch keinen Kommentar ab. Wann das Video gefilmt wurde, ist unklar.
Pentagon: Begrenzte Aktion
Die Militärschläge gegen Syrien richteten sich nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums gegen drei Ziele. Es habe sich um eine begrenzte Aktion gehandelt und es seien „derzeit“ kein weiteren Angriffe geplant, sagte US-Verteidigungsminister James Mattis in der Nacht im Pentagon. Sollte Assad erneut Chemiewaffen einsetzen, seien weitere Angriffe möglich.

AP/Hassan Ammar
Die Flugbahnen der Raketen sind deutlich zu erkennen
Es habe sich um einen Schlag gegen die Infrastruktur der chemischen Waffenproduktion des Landes gehandelt. Der Einsatz von Chemiewaffen könne unter keinen Umständen geduldet werden, sagte Mattis. Der Schlag gegen Syrien sei härter gewesen als der im Vorjahr.
TV-Hinweis
Die ZIB berichtet um 13.00 Uhr auf ORF2 ausführlich über den US-Angriff auf Syrien.
May: Auch Zusammenhang mit Skripal
Die Regierungen in London und Paris bestätigten ihre Beteiligung an den Angriffen: Die britische Regierung brachte den Militärschlag auch in Zusammenhang mit dem Attentat auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal. „Wir können nicht erlauben, dass der Gebrauch chemischer Waffen normal wird: innerhalb Syriens, auf den Straßen Großbritanniens oder irgendwo sonst in unserer Welt“, teilte Premierministerin Theresa May in London mit. „Wir hätten einen anderen Weg bevorzugt, aber bei diesem Anlass gibt es keinen.“ Vier britische Kampfflugzeuge beschossen dabei eine Armeeeinrichtung nahe der Stadt Homs mit Marschflugkörpern. Es soll sich um ein Lager für Chemiewaffen handeln.

AP/Petros Karadjias
Ein britischer Kampfjet steigt von einer Basis in Zypern auf
Der Ex-Spion Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im englischen Salisbury entdeckt worden. Die beiden wurden mit dem Chemiekampfstoff Nowitschok vergiftet. Das extrem gefährliche Nervengift wurde einst in der Sowjetunion hergestellt. London bezichtigt Moskau als Drahtzieher des Anschlags, der Kreml weist das vehement zurück. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Beide Opfer überlebten den Anschlag, äußerten sich aber nicht öffentlich. Sie müssen weiter behandelt werden und mit Spätfolgen rechnen.
Frankreich: Von Fregatten und Stützpunkten aus
Auch der französische Präsident Emmanuel Macron bestätigte die Teilnahme Frankreichs an der Militäraktion. Die Angriffe beschränkten sich auf Chemiewaffenziele, so Macron. Man könne den Gebrauch chemischer Waffen nicht tolerieren, sagte Macron in der Nacht auf Samstag. Sie stellten eine Gefahr für das syrische Volk und „unsere gemeinsame Sicherheit“ dar. Er habe deshalb der Armee den Befehl zum Eingreifen gegeben. Der Angriff sei auch ein Mittel gegen die Banalisierung des Einsatzes von Giftgas.
Die französischen Streitkräfte mobilisierten laut einen Angaben für ihren Militäreinsatz Fregatten und Kampfflugzeuge. Verteidigungsministerin Florence Parly erklärte am Samstagmorgen in Paris, die Fregatten seien im Mittelmeer zusammengezogen worden. Zur gleichen Zeit sei von mehreren Luftwaffenstützpunkten in Frankreich in der Nacht der Angriff gestartet worden.

AP/Hassan Ammar
Damaskus in den frühen Morgenstunden
Frankreich fordert einen „Krisenausstiegsplan“ für Syrien. „Wir sind bereit, ab sofort mit allen Ländern daran zu arbeiten, die dazu beitragen möchten“, sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian am Samstag in Paris. Frankreich sei bereit, „sehr schnell“ wieder politische Initiativen zu ergreifen, sagte Le Drian. Er erneuerte auch die Forderung nach einer Waffenruhe im ganzen Land und einem humanitären Zugang, um Hilfe für die Zivilbevölkerung zu ermöglichen.
Israel: Durchsetzung der roten Linie
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg unterstützte den Angriff. Die NATO habe wiederholt Syriens Einsatz von Chemiewaffen als klaren Bruch internationaler Regeln verurteilt, sagte er. Israel betrachtet die Angriffe als Durchsetzung einer roten Linie für Assad. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte am Samstag, Trump habe Assad zuvor deutlich gemacht, dass dieser mit dem Gebrauch von Chemiewaffen die rote Linie überschreite. Die Angriffe seien ein „wichtiges Signal“ an den Iran, Syrien und die Hisbollah, so der Regierungsvertreter. Das türkische Außenministerium begrüßt die US-geführten Angriffe als „angemessene Antwort“.
Damaskus: Verstoß gegen internationales Recht
Syrien kritisierte den Angriff als Verstoß gegen internationales Recht. „Einmal mehr bestätigen die USA und die Achse zur Unterstützung des Terrors, dass sie gegen internationales Recht verstoßen, über das sie bei den Vereinten Nationen prahlerisch reden“, meldete SANA am Samstag.
„Die Aggression der drei scheiterte, und es gelang ihr nicht, ihre Terrorwerkzeuge zu retten.“ Die internationale Gemeinschaft müsse die Aggression verurteilen. Dank einer Warnung Russlands seien die von den USA angegriffenen syrischen Militärbasen bereits vor Tagen evakuiert worden, sagte ein hochrangiger Vertrauter von Assad am Samstag.
ORF-Korrespondentin Carola Schneider aus Moskau
Wie bewertet Russland den Luftschlag gegen Syrien und welche Konsequenzen zieht der Kreml daraus? Carola Schneider berichtet über die Entwicklungen in Russland.
Russland droht mit „Konsequenzen“
Russland beruft eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates ein, wie Moskau am Samstag bekanntgab. Russland hatte zuvor nach den westlichen Angriffen mit „Konsequenzen“ gedroht. Die Verantwortung dafür liege bei Washington, London und Paris, teilte der russische Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit.
Die westlichen Angriffe in Syrien trafen nach Angaben aus Moskau keine Ziele in der Nähe der russischen Stützpunkte. Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti verbreitete am Samstag eine Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums, wonach keine Raketen der USA und ihrer Verbündeten in den „Verantwortungsbereich“ der russischen Luftabwehr an den Stützpunkten Tartus und Hmeimim eingedrungen seien. Die russischen Streitkräfte unterhalten in Tartus einen Marine- und in Hmeimim einen Luftwaffenstützpunkt. Laut den USA war der Angriff nicht mit Russland koordiniert.
Russland warf den USA, Frankreich und Großbritannien auch vor, mit ihrem Angriff den Friedensprozess zu gefährden. Der Angriff sei genau jetzt geschehen, als Syrien endlich eine echte Chance auf Frieden bekommen habe, schrieb die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Samstag auf Facebook. Der Iran, Verbündeter von Assad, warnte vor „regionalen Konsequenzen“ der Angriffe in Syrien. Dem Iran fehlen auch die Beweise für einen C-Waffen-Einsatz von syrische Seite. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres rief die UNO-Mitgliedsstaaten zur Zurückhaltung auf.
Eskalation nach mutmaßlichem Giftgasangriff
Begonnen hatte die Eskalation mit einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die letzte damals noch von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in der Region Ostghuta am 7. April. Dabei sollen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 42 und 85 Menschen getötet worden sein. Russland hatte den Vorfall zuletzt als inszenierte Provokation Großbritanniens eingestuft. Die britische UNO-Botschafterin Karen Pierce bezeichnete den russischen Vorwurf als „grotesk“, „bizarr“ und „offenkundige Lüge“.
Es ist nicht das erste Mal, dass die USA und Präsident Trump die Assad-Regierung direkt angreifen. Das US-Militär hatte vor einem Jahr die syrische Luftwaffenbasis al-Schairat beschossen - als Reaktion auf den Giftgasangriff mit Dutzenden Toten auf die Stadt Chan Scheichun, für den UNO-Experten die Regierung von Assad verantwortlich machten. Das Eingreifen der USA galt aber weitgehend als symbolisch.
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