C-Waffen: Militärische Karte gegen Syrien auf dem Tisch
Nach dem mutmaßlichen Einsatz von chemischen Kampfstoffen in Syrien wird eine internationale Militäraktion wahrscheinlicher. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete gestern Angriffe auf „chemische Kapazitäten“ als möglich.
Paris tausche sich mit Partnern aus, vor allem mit den USA und mit Großbritannien: „Wir werden unsere Entscheidung in den kommenden Tagen mitteilen“, sagte Macron. Großbritanniens Premierministerin Theresa May nannte den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz nach einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump „absolut schändlich“.
Trump sagt Lateinamerika-Reise ab
Trump hatte zuvor eine geplante Reise zum Lateinamerika-Gipfel Ende der Woche in Peru abgesagt. Präsidialamtssprecherin Sarah Sanders teilte mit, anstelle Trumps werde Vizepräsident Mike Pence nach Lima reisen. Der Präsident werde im Lande bleiben, „um die amerikanische Antwort auf Syrien zu überwachen und die Entwicklungen rund um den Globus im Auge zu behalten“.
Auch Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman brachte eine Beteiligung seines Landes an einer etwaigen Militäraktion ins Spiel. Das könnte geschehen, wenn die Umstände es erforderten, sagte Salman während eines Besuchs in Paris.
Russland droht USA mit Vergeltung
Der russische Botschafter im Libanon drohte den USA mit Vergeltungsschlägen gegen ihre Streitkräfte, sollten sie Syrien mit Raketen angreifen. „Wenn es einen Angriff der Amerikaner geben sollte, dann ... würden die Raketen abgeschossen“, sagte Botschafter Alexander Sasypkin gestern dem Hisbollah-Fernsehsender al-Manar.
Es würden aber auch die Abschussvorrichtungen angegriffen, von denen aus die Raketen abgefeuert würden, sagte er unter Berufung auf eine Erklärung des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des russischen Armeechefs.
Noch am Vortag hatte Vizeaußenminister Michail Bogdanow die Gefahr einer militärischen Konfrontation als gering bezeichnet und gesagt, es gebe auf Arbeitsebene Kontakte zwischen Vertretern beider Mächte wegen Syrien. Er glaube, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzen werde.
UNO-Resolutionen gescheitert
Bei dem mutmaßlichen C-Waffen-Angriff am Samstag sollen in einem Rebellengebiet 60 Menschen getötet worden sein, nach Angaben des US-Außenministeriums möglicherweise 85. Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) wird in Kürze Experten in die syrische Stadt Duma schicken, um nach Spuren von C-Waffen zu suchen.
Eine US-Resolution im UNO-Sicherheitsrat auf Einsetzung einer Untersuchungskommission scheiterte am Veto Russlands. Moskau brachte seinerseits einen Entwurf für eine Untersuchung ein, dieser wurde ebenfalls abgelehnt.
Flugaufsicht rät Airlines zu Vorsicht im Ostmittelmeer
Die Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt (Eurocontrol) mahnt Fluggesellschaften wegen möglicher Luftangriffe in Syrien zu besonderer Vorsicht im östlichen Mittelmeer. Innerhalb der nächsten 72 Stunden könnten Luft-Boden-Raketen und Marschflugkörper eingesetzt werden, und es könne zur Störung von Navigationsgeräten kommen, teilte Eurocontrol gestern im Internet mit.
Zuvor hatten bereits die Flugaufsichtsbehörden verschiedener Länder vor Flügen in den syrischen Luftraum gewarnt. Doch die Mitteilung von Eurocontrol umfasst mit einem Bezug zu der Gegend um Zypern ein größeres Gebiet. Eurocontrol bezog sich auf eine Mitteilung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA).