Sierra Leone: Wahlsieg für Oppositionellen

Im westafrikanischen Sierra Leone hat der Oppositionskandidat Julius Maada Bio nach Angaben der Wahlkommission die Präsidentschaftswahl gewonnen. Bio habe 51,8 Prozent der Stimmen erhalten, teilte die Wahlkommission mit. Der Kandidat der Regierungspartei, Samura Kamara, kam laut den Angaben auf 48,2 Prozent. Kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses wurde der neue Präsident angelobt.

Julius Maada Bio

Reuters/Olivia Acland

Das offizielle Ergebnis der Wahl vom 31. März hatte sich wegen eines Streits über die Methode der Stimmauszählung verzögert. Bereits vor Verkündung des Wahlergebnisses hatten Kamara-Anhänger in der Hauptstadt Freetown demonstriert, Plakate von Bio abgerissen und den Vorwurf einer „ausländischen Einmischung“ in die Wahl erhoben, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Sicherheitskräfte riegelten die Zentrale von Bios Partei SLPP ab, wo sich Hunderte Anhänger des Oppositionskandidaten versammelt hatten. Sie feierten bereits vor Verkündung des offiziellen Ergebnisses den Wahlsieg des Ex-Juntachefs Bio. Dieser hatte bereits die erste Wahlrunde knapp gewonnen.

Wahl als Test für demokratische Konsolidierung

Bio hatte im Jänner 1996 mit einem Putsch den damaligen Militärmachthaber Valentine Strasser gestürzt und bis zur ersten freien Wahl in Sierra Leone wenige Monate später vorübergehend die Regierungsgeschäfte übernommen. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 war er Amtsinhaber Ernest Koroma unterlegen. Dieser durfte nun nach zwei Mandaten nicht mehr antreten. Der bisherige Außenminister Kamara galt seit Jahrzehnten als politischer Drahtzieher hinter den Kulissen.

Die Wahl galt als Test für die demokratische Konsolidierung Sierra Leones, wo in den Jahren 1991 bis 2002 ein verheerender Bürgerkrieg tobte, dem 120.000 Menschen zum Opfer fielen. Zwischen 2014 und 2016 litt das Land unter der Ebola-Epidemie. Der westafrikanische Staat zählt trotz seiner Bodenschätze zu den ärmsten Ländern der Welt.