Kneissl: „Gedankenaustausch“ zu Südtiroler Doppelpass
FPÖ-Außenministerin Karin Kneissl hat sich gestern zufrieden mit einem Treffen gezeigt, das zwischen Regierungsabgeordneten und Südtiroler Landtagsabgeordneten zum Thema doppelte Staatsbürgerschaft in Wien stattfand. Das Gespräch sei erfolgreich gewesen, sagte Kneissl nach dem Treffen im Außenministerium. „Es ging heute ums Zuhören, es ging um den Gedankenaustausch. Es sind so viele unterschiedliche Positionen da. Die Gesprächsebene soll möglichst offen verlaufen, damit jeder seine Positionen einbringen kann“, sagte Kneissl.
Strache erfreut
Kneissl sagte, dass es in Bezug auf doppelte Staatsbürgerschaft drei Adressatenkreise gebe: Südtiroler, österreichische Staatsbürger, die künftig womöglich vom „Brexit“ betroffen seien (das seien etwa 25.000 Personen), und Nachkommen von Holocaust-Überlebenden. „Wir stehen als Gesprächspartner für Rom und Bozen zur Verfügung“, sagte Kneissl. „Natürlich werden auch die italienische Botschaft und die italienischen Behörden zu weiteren Gesprächen sehr willkommen sein.“
Vizekanzler und Heinz-Christian Strache begrüßte das Treffen in einer Aussendung. Der FPÖ-Chef zeigte sich erfreut, „dass mit dieser Initiative dem Wunsch nach einer österreichischen Staatsbürgerschaft für die österreichische Minderheit in Südtirol im Sinne des europäischen Geistes nun entsprochen werden soll“.
Scharfe Kritik von „Südtirol im Herzen“
Der Südtiroler Landtagsabgeordnete Alessandro Urzi hatte sich zuvor bei einer Pressekonferenz am Vormittag scharf gegen die doppelte Staatsbürgerschaft ausgesprochen: „Es ist ein Schritt gegen Italien, aber auch gegen Südtirol - ein autonomiefeindlicher Schritt.“ Urzi, der als einziger italienischsprachiger Besucher an der heutigen Arbeitsgruppe im Außenministerium teilgenommen hätte, sei die Simultanübersetzung ins Italienische verweigert worden. Er fragte sich, warum er bei einem institutionellen Treffen keine Möglichkeit auf eigene Sprache bekommen konnte.
Urzi sei nicht der einzige, der die umstrittenen Maßnahmen nicht begrüße. „Alle Parteien, seien sie links, rechts oder Mitte - im Landtag, aber auch auf nationaler Ebene - haben sich gegen diese Initiative geäußert“, sagte der Gründer und Chef der rechten Partei „Südtirol im Herzen“.