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Hoffen auf sanften Tourismus

In Chile wird künftig fast die Hälfte der Küste und der Küstengewässer unter Naturschutz stehen. Die am Sonntag abtretende Präsidentin, Michelle Bachelet, hat als eine ihrer letzten Amtshandlungen vor wenigen Tagen ein Dekret unterzeichnet, das neun Marinereservate an Chiles 6.400 Kilometer langer Küste schafft.

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Durch den Schutzstatus wird industrielle Fischerei in diesen Gewässern verboten. Große Fangflotten, insbesondere aus China, waren rund um die Osterinseln und die Juan-Fernandez-Inseln aktiv. Sie fingen vor allem Hummer, der nach China exportiert wurden.

Bachelet sagte, das Land müsse die Basis dafür schaffen, um seine Meeresgebiet für die Zukunft zu erhalten. „Wer wir sind und künftig sein können, ist untrennbar mit unserer 6.400 Kilometer langen Küste verbunden. Daher ist es so wichtig, zu verstehen, dass das Meer überlebenswichtig ist für die Entwicklung unseres ganzen Landes“, betonte Bachelet bei der feierlichen Unterzeichnung vor wenigen Tagen.

Seelöwen vor einem Berg

Getty Images/Grafissimo

Seelöwen mit Blick auf verschneite Berge

42,4 Prozent künftig unter Schutz

Das Gesetz schützt künftig 42,4 Prozent der chilenischen Küstengewässer und damit die Meereslebewesen in den rund 1,4 Millionen Quadratkilometer umfassenden Gebieten. Bisher standen 4,3 Prozent der Küstengewässer unter Naturschutz. Eines der neuen Marinereservate entsteht rund um die Diego-Ramirez-Inseln, wo Seelöwen und Wale leben und es ausgedehnte Seetangwälder gibt. Auch die Gewässer rund um die Juan-Fernandez-Inseln sind künftig geschützt.

Im Herbst öffnete Chile ein riesiges Marinereservat rund um die Osterinseln. Allein dieses Gebiet umfasst etwa 720.000 Quadratkilometer - und damit fast die Fläche von ganz Chile (756.000 Quadratkilometer). Es ist Lebensraum für mindestens 142 Tierarten, die nur dort zu finden sind. 27 davon sind laut „Santiago Times“ vom Aussterben bedroht.

Die neuen, künftig unter Schutz stehenden Meeresgebiete, werden gemeinsam mit der indigenen Bevölkerung verwaltet. Diese kann dort weiter fischen. Auch sanfter Tourismus wird erlaubt sein.

Große Naturparks in Patagonien

Ebenfalls heuer schuf das südamerikanische Land ein großes Netzwerk an Naturparks in Patagonien - auch dank der größten Landschenkungen in der Geschichte des Landes. Es handelt sich dabei auch um Parks und Schutzgebiete, die einst dem 2015 verstorbenen US-Millionär und Umweltschützer Douglas Tompkins und seiner Frau Kristine McDivitt gehörten.

Chile müsse diesen entscheidenden Schritt machen, „um unsere biologische Vielfalt, unsere einzigartigen Landschaften, die Lebensräume gefährdeter heimischer Arten zu schützen und zu bewahren“, betonte Bachelet im Herbst. Das Land erhofft sich dadurch auch zusätzlichen Schwung für den Tourismus. In den vergangenen vier Jahren besuchten rund zehn Millionen Menschen allein die Wildnis der Region Patagonien.

4.000 Quadratkilometer als Schenkung

McDivitt hatte dem chilenischen Staat im vergangenen Jahr mehr als 4.000 Quadratkilometer Land geschenkt. Ihr verstorbener Ehemann hatte 1964 die Sportbekleidungsmarke The North Face und einige Jahre später gemeinsam mit seiner Frau die Marke Esprit mitgegründet. Vor 25 Jahren ließ sich das Ehepaar im chilenischen Teil Patagoniens nieder.

Die beiden Naturenthusiasten engagierten sich für den Schutz der Natur in Argentinien und Chile und kauften dafür weitläufige Ländereien auf, die sie in Naturparks und Schutzgebiete verwandelten. Von den Einheimischen wurde der Kauf nicht immer positiv aufgenommen, mit den Schenkungen wurden die Gebiete jedoch für die Öffentlichkeit zugänglich. Tompkins starb im Dezember 2015 bei einem Kajak-Unglück in Patagonien.

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