Vatikan-Ermittler trifft chilenisches Missbrauchsopfer

In der Affäre um den chilenischen Bischof Juan Barros hat sich ein Papst-Gesandter mit einem der Missbrauchsopfer getroffen. „Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass sie uns zuhören“, sagte der Chilene Juan Carlos Cruz gestern nach dem Gespräch mit dem maltesischen Erzbischof Charles Scicluna in New York.

Untersuchung zu Vertuschung von Missbrauchsfällen

Der frühere Vatikan-Strafverfolger geht dem Verdacht nach, dass Barros Kinderschänder in den Reihen der katholischen Kirche gedeckt hat. Dabei geht es um den früheren Priesterausbilder Fernando Karadima, der 2010 von der Vatikanjustiz wegen sexuellen Missbrauchs Minderjährger schuldig gesprochen wurde.

Auch Cruz beschuldigt Karadima, sich an ihm vergangen zu haben. Papst Franziskus hatte Barros 2015 trotz der Vorwürfe zum Bischof von Osorno ernannt. Bei seinem Besuch in Chile nahm er den Bischof im Jänner öffentlich in Schutz.

„Langes und emotional schwieriges Treffen“

„Es war ein langes und emotional schwieriges Treffen“, sagte Cruz über seine Begegnung mit Scicluna. Er sei aber „sehr froh“ über das Gespräch. Er überreichte dem Erzbischof Dokumente, die seine Vorwürfe gegen Barros untermauern sollen. Scicluna will am Montag nach Chile reisen.

Wie in zahlreichen anderen Ländern sieht sich die katholische Kirche auch in Chile mit Skandalen über sexuellen Missbrauch konfrontiert. Nach Angaben der US-Organisation Bishop Accountability wurden seit dem Jahr 2000 Vorwürfe gegen rund 80 chilenische Geistliche erhoben.