Bermuda rudert bei der Ehe für alle zurück

Als wohl erste Region der Welt rudert das britische Überseegebiet Bermuda bei der Ehe für alle wieder zurück. Gouverneur John Rankin unterzeichnete ein Gesetz, das die Ehe für alle durch eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft ersetzt. Im Mai vergangenen Jahres hatte der Oberste Gerichtshof den Weg für die gleichgeschlechtliche Ehe auf der Inselgruppe im Atlantik freigemacht.

In der konservativen Region war die Ehe für alle stets umstritten. Bei einer Volksabstimmung im Juni 2016 sprachen sich mehr als zwei Drittel gegen die gleichgeschlechtliche Ehe aus. Allerdings nahm noch nicht einmal die Hälfte der Wähler an dem Referendum teil.

„Ausgleich zwischen zwei unversöhnlichen Gruppen schaffen“

„Mit dem neuen Gesetz wollen wir einen fairen Ausgleich zwischen zwei unversöhnlichen Gruppen in Bermuda schaffen. Wir stellen fest, dass die Ehe nur zwischen Mann und Frau geschlossen werden kann, und schützen gleichzeitig die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare“, sagte Bermudas Innenminister Walton Brown.

Künftig dürfen gleichgeschlechtliche Partner beispielsweise im Todesfall erben, sie haben ein Recht auf die Pensionsansprüche und können medizinische Entscheidungen für den Partner treffen. Die bereits geschlossenen gleichgeschlechtlichen Ehen behalten Gültigkeit.

Menschenrechtler: „Schande“

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Campaign (HRC) kritisierte das neue Gesetz. „Es ist eine Schande, dass Gouverneur Rankin und das Parlament Bermuda zum ersten Territorium der Welt machen, das die Ehe für alle wieder zurücknimmt“, sagte HRC-Direktor Ty Cobb. „Die Entscheidung nimmt liebenden gleichgeschlechtlichen Paaren das Recht zu heiraten und setzt Bermudas internationale Reputation aufs Spiel.“