Sprechende Kühlschränke und Brillen
Sensoren, Mikrofone und Lautsprecher in jedem Gerät, in dem man es sich vorstellen kann - oder auch nicht. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas rittern die großen IT-Konzerne mit einer Leistungsschau ihrer „smarten“ Assistenten um die Gunst der Kunden. Diesmal ist auch Google an Ort und Stelle und könnte Amazons Alexa unter Druck setzen.
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Bisher dominiert Amazon mit seinem digitalen Sprachassistenten Alexa, der unter anderem in seinen intelligenten Echo-Lautsprechern integriert ist, das Feld der digitalen Sprachassistenten. Doch nun geht der Konzern noch einen Schritt weiter und betritt die Welt der „Augmented Reality“. Vom US-Hersteller Vuzix soll Alexa erstmals in eine Brille integriert werden, berichtete Bloomberg mit Verweis auf Vuzix und Amazon.
Alexa-„Smart Glass“ geplant
Die „Augmented Reality“-Brille – sinngemäß „Smart Glass“ genannt – soll auf Zuruf Informationen auf das Brillenglas projizieren, die der Träger dann sehen kann. Die intelligente Brille soll im zweiten Quartal 2018 auf den Markt kommen, zum stolzen Preis von etwa 1.000 US-Dollar. Doch auch Amazon selbst soll an einer eigenen Alexa-Brille arbeiten. Diese soll jedoch ganz ohne Kamera und Display auskommen.

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Amazons Echo-Lautsprecher mit Sprachassistent Alexa
Doch das ist nur der Anfang: Kurz vor der Technologiemesse kündigte Amazon neue Entwicklerwerkzeuge an, mit dem Anbieter ihre Smart-Devices wie Smartwatches, Kopfhörer und Fitnessgeräte aufwerten können. Das „Alexa Mobile Accessory Kit“ ermöglicht die Schnittstelle zwischen Geräten über Bluetooth. Um Alexa-fähige Wearables auf den Markt zu bringen, sind nach Amazon-Angaben Hersteller wie Beyerdynamic, Bose, Bowers & Wilkins, iHome und Jabra im Gespräch.
Eine smarte Brille hat auch Google entwickelt, der Erfolg hielt sich allerdings in Grenzen. Den Markt für Sprachsteuerung will der IT-Konzern allerdings nicht gänzlich Amazon überlassen. Während der Tech-Gigant in den letzten Jahren mit Abwesenheit glänzte, zog Google in diesem Jahr schon im Vorfeld der Messe mit Werbebannern die Aufmerksamkeit auf sich.
Google könnte Amazon Druck machen
Marktbeobachtern zufolge wird Google im Zuge der CES seinen Fokus auf seinen smarten Sprachassistenten legen und damit den Konkurrenzkampf mit Amazons Alexa anheizen. Neue Hardware wird keine erwartet, sondern mehr neue Partnerschaften, etwa für das Google Home System. Laut Angaben von Google funktioniert der Google Assistant, mit dem alle Home-Lautsprecher laufen, mittlerweile mit mehr als 1.500 Geräten von 225 Herstellern. Nach Einschätzung des Marktforschers Canalys sichert sich Amazon mit seinem Echo rund zwei Drittel der weltweiten Verkäufe smarter Lautsprecher. Der Rest geht zu einem großen Teil an Googles Home.
Einer, der beim Rennen der Tech-Giganten schon vor dem Start ausgeschieden ist, ist Apple. Der US-Technologieriese hat den angekündigten Siri-Lautsprecher HomePod zum Weihnachtsgeschäft nicht auf den Markt geschafft und ist auch in Las Vegas nicht vertreten, wie mehrere IT-Medien berichten.
Samsung lässt Kühlschränke sprechen
Auch Samsung will bei den Sprachassistenten mit seinem Bixby kräftig mitmischen, schreibt die IT-Website Cnet. Bixby soll nicht nur in Smartphones, sondern auch in der großen Palette von Samsungs Haushaltsgeräten integriert werden. Auch Bixby soll lernfähig sein und etwa im Fernseher integriert die Vorlieben seines Nutzers lernen und ihm automatisch passendes Programm abspielen, wenn er eingeschaltet wird.
Die Integration sei „im vollen Gange“, stellte Yoon Boo Keun, Präsident und Chef von Samsungs Unterhaltungselektronikgeschäft, im September vergangenen Jahres gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ in Aussicht.
Küche als zentraler Ort
Im Kühlschrank integriert soll Bixby etwa Rezepte auf Basis dessen, was man zu Hause hat, vorschlagen, kündigte Yoon an. „Die Küche ist der Ort, wo Amerikaner 60 Prozent ihrer Zeit verbringen, wenn sie zu Hause sind und nicht schlafen“, sagte Yoon im Oktober und begründete damit, warum vermehrt auf intelligente Küchengeräte gesetzt werden sollte.
Ob Bixby mit den Tech-Schwergewichten mithalten kann, bleibt abzuwarten. Experten zufolge sind Apples Siri, Amazons Alexa, Microsofts Cortana und der Google Assistant bereits die zukünftige Methode, wie mit Geräten kommuniziert wird. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostizierte, dass digitale Assistenzen bis 2019 die primäre Schnittstelle zum intelligenten Zuhause sein werden.

APA/AFP/Mandel Ngan
Ein-, Ausschalten und Temperaturwechsel: Die sprachgesteuerte Dusche von Moen folgt mit Alexa simplen Anweisungen
Auch Amazon lässt auf der CES Haushaltsgeräte sprechen, wie etwa Backöfen und Mikrowellengeräte. Der Sprachassistent dringt auch in das smarte Badezimmer vor und steuert dort Lichtschalter, Badespiegel und Dusche. Unter dem US-Duschhersteller Moen kann Alexa dort simplen Anweisungen folgen: die Dusche ein- und ausschalten und die Temperatur regeln. Und auch in Autos findet Alexa Einzug, wie dem auf der CES präsentierten Modell des chinesischen Start-ups Byton, das sich durch Gesten und Berührungen steuern lässt.
„Warum ist smart so kompliziert?“
Doch nicht jeder teilt die Euphorie über die sich immer weiter entwickelnden Technologien. „Warum machen all diese klugen Assistenten die Dinge komplizierter?“, kritisierte Nilay Patel, Journalist beim Onlinemagazin The Verge. Denn während die Industrie laufend neue Technologien auf den Markt bringt, würden viele Nutzer schon an der Technik, die sie jetzt besitzen, verzweifeln. Fragen wie etwa „Wie richte ich das System ein?“, „Warum arbeiten die Geräte nicht zusammen?“ und „Warum brauche ich so viele Passwörter?“ blieben schon jetzt unbeantwortet, resümierte Patel.
Doch obwohl immer mehr Geräte gesprächsbereit werden, scheint es ihr Nutzer noch nicht zu sein. Die Hemmschwelle, mit einem Gerät zu kommunizieren, ist groß, heißt es in Berichten von einschlägigen Fachmagazinen immer wieder. Zudem gebe es oft sprachliche Missverständnisse, so Computerlinguisten. Und das, obwohl sich die Sprachsysteme in den vergangenen Jahren deutlich verbessert haben.
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