Frust an den Zapfsäulen
Wegen Lieferengpässen von Treibstoff herrscht seit Tagen Verkehrschaos in Nigeria. Vor den Tankstellen bildeten sich über Weihnachten landesweit riesige Staus. Einige Autofahrer warteten mehr als 24 Stunden, um ihren Tank zu füllen. Der Grund für die Lieferprobleme war unklar.
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„Ich wollte Weihnachten mit meiner Familie verbringen, aber ich musste absagen“, sagte ein Autofahrer an einer Tankstelle in der Wirtschaftsmetropole Lagos am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Ein anderer sagte der Zeitung „Daily Nation“ zufolge, er habe stundenlang unter der sengenden Sonne auf Benzin gewartet: „Ich habe noch nie so eine Hölle gesehen.“ Viele mussten erfolglos wieder von den Tankstellen abziehen.
Suche nach Schuldigen
Während sich landesweit riesige Staus bildeten, wurde in afrikanischen Medien nach Schuldigen gesucht: Die Lieferanten warfen der nigerianischen Ölgesellschaft NNPC vor, keine ausreichende Menge bereitgestellt zu haben, um den Treibstoffbedarf der Menschen in dem 190-Millionen-Einwohner-Land zu decken, berichtete etwa der südafrikanische TV-Sender ENCA.

APA/AFP/Pius Utomi Ekpei
Eine Frau wartet an einer Tankstelle vor einer Reihe leerer Benzinkanister
NNPC-Chef Maikanti Baru wiederum machte die Verkäufer auf dem Schwarzmarkt verantwortlich: Diese legten die Tankstellen lahm, um die Schwarzmarktpreise in die Höhe zu treiben. Die meisten Tankstellen sollen über genügend Treibstoff verfügen, sich jedoch weigern, den Sprit zum staatlich regulierten Preis zu verkaufen. Der Leiter der Abteilung des nigerianischen Ministeriums für Erdölressourcen (DPR), Mohammed Saidu, sagte, dass eine Reihe von Tankstellenbetreibern mit Geldstrafen belegt worden seien.
Regierung unter Verdacht
Die Konsumenten verdächtigten die Regierung, für Chaos an den Zapfsäulen zu sorgen, um eine Erhöhung der Diesel- und Benzinkosten im kommenden Jahr zu rechtfertigen. Baru zufolge hatte die Regierung bereits am Montag zusätzliche Lieferungen angeordnet, um die Krise zu beenden. Erdölminister Ibe Kachikwu versicherte den Nigerianern, dass sich die Situation bald ändern werde. Das Land verfüge über genügend Vorräte.

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Autofahrer fürchten, dass die Spritknappheit andauert, und horten die Ware
Ein Problem ist, dass in entlegenen Gegenden Pipelines öfters von kriminellen Banden angezapft werden. Amtlichen Schätzungen zufolge stehlen sie bis zu 15 Prozent des Öls. Es wird für den Schwarzmarkt verschifft oder gleich im Busch raffiniert und am Straßenrand als Treibstoff verkauft. Das Motiv der Diebe ist die bittere Armut.
Nicht nur Autofahrer betroffen
Viele Tankstellen gaben aber immer noch nicht genügend Sprit ab, und die wenigen, die Treibstoff verkauften, wurden mit Tausenden von Fahrzeugen überschwemmt. Dabei traf die Benzinknappheit nicht nur die Autofahrer: Auch an Bushaltestellen des westafrikanischen Landes bildeten sich lange Warteschlagen, weil Busse nicht mehr fahren konnten. Die Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel reagierten und erhöhten die Tarife prompt um 50 bis 70 Prozent.
Zudem nutzen viele Nigerianer wegen der häufigen Stromausfälle in ihren Häusern benzinbetriebene Generatoren zur Stromerzeugung. Die derzeitige Verknappung ist die erste Kraftstoffkrise seit dem historischen Machtwechsel 2015 durch die Partei der Fortschrittlichen (APC) von Muhammadu Buhari. Nigeria ist der größte Ölproduzent in Afrika südlich der Sahara und zählt zu den größten Ölexporteuren weltweit.
Erdöl macht nach Angaben des Internationalen Währungsfonds mindestens 80 Prozent aller Exporteinnahmen des westafrikanischen Landes aus. Nigerias Wirtschaft und Staatsfinanzen leiden unter dem niedrigen Ölpreis, während die islamistische Terrorgruppe Boko Haram im Nordosten weiter tödliche Anschläge verübt. Dort brauchen Millionen Menschen Nahrungsmittelhilfe.
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