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Kippen des Verbots wäre „fataler Fehler“

Die Gerüchte, dass die an den Regierungsverhandlungen beteiligten Parteien ÖVP und FPÖ womöglich das für 1. Mai 2018 geplante Rauchverbot in der Gastronomie kippen, haben die heimischen Ärzte auf den Plan gerufen.

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„Die erwartbaren positiven Effekte eines generellen Rauchverbotes in der Gastronomie sind für die Gesundheit der Menschen so bedeutend und so vielfältig, dass ein Kippen des für 2018 geplanten Rauchverbots nicht infrage kommen darf“, sagte Peter Schenk, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). Und weiter: „Irland und Italien zeigen, dass es durch eine solche Maßnahme bei Aktiv- und bei Passivrauchern zu einer raschen Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen kommt - bis hin zum Herzinfarkt.“

„Langfristige positive Effekte“

Die ÖGP verwies dazu auf eine „Vielzahl langfristiger positiver Effekte auf die Gesundheit der Menschen“ und nannte als Beispiel „weniger Lungenkrebs- und COPD-Neuerkrankungen“. Die ÖGP weiter: „Es werden auch weniger Kinder geboren werden, deren Körpergröße aufgrund des - aktiven oder passiven - Rauchens der Mutter während der Schwangerschaft zu gering ist.“

Dazu verschwinden die Tabakwaren auch aus dem alltäglichen Leben. „Ausgehen und gemütliches Beisammensein in einem Lokal wird nicht mehr automatisch mit Zigarettenrauch assoziiert, was Jugendliche weniger selbstverständlich zur Zigarette greifen lässt“, sagte ÖGP-Generalsekretär Bernd Lamprecht.

Verbot als Motivation, Rauchen zu beenden

Internationale Erfahrungen würden außerdem zeigen, dass das Rauchverbot in der Gastronomie auch auf die Tabakkonsumgewohnheiten zu Hause positive Effekte hat: Es werde weniger geraucht. Und: „Wenn die Eltern nicht rauchen, wirkt sich das auch positiv auf das spätere Rauchverhalten der Kinder aus.“

Die ÖGP verwies auf Umfragen, wonach sogar die Mehrheit der Raucherinnen und Raucher Tabakverbote in der Gastronomie begrüßt. Für manche Raucher sei das Verbot eine Motivation zum Rauchstopp. ÖGP-Präsident Schenk: „All dies sollte den Menschen in Österreich nicht vorenthalten werden. Ein Kippen des generellen Rauchverbotes in der Gastronomie wäre aus Sicht der Lungenfachärzte ein fataler Fehler mit weitreichenden Konsequenzen.“

Krebshilfe: „Völlig unverständlich“

Auch die Österreichische Krebshilfe und die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) riefen die Regierungsverhandler zur Besinnung auf. Ein Kippen des Verbots wäre „völlig unverständlich und medizinisch unverantwortlich“, sagte Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda. „Die 2015 beschlossene Novelle des Tabakgesetzes war ein Meilenstein in der österreichischen Gesundheitspolitik“, hieß es in einer Aussendung der beiden Organisationen. Der einzige Wermutstropfen sei die lange Wartezeit auf das Inkrafttreten des Gesetzes 2018 gewesen.

Sevelda machte darauf aufmerksam, dass Rauchen für ein Drittel aller Krebserkrankungen verantwortlich sei – „das sind in absoluten Zahlen jährlich 13.000 Neuerkrankungen in Österreich“. Gut ein Drittel davon entfalle auf Lungenkrebs. „Das Nichtrauchergesetz muss bleiben“, so der Krebshilfe-Präsident.

Verweis auf gestiegene Akzeptanz in Bayern

Auch OeGHO-Präsident Andreas Petzer bezeichnete eine Aufhebung der Gesetzesregelung als „gesundheitspolitischen Rückschritt“. Der Mediziner: „Das generelle Rauchverbot in der Gastronomie zählt in Europa mittlerweile zum Standard, der in Österreich bis dato zwar beschlossen, aber noch nicht umgesetzt ist.“

Dass das generelle Rauchverbot auch in Österreich positiv aufgenommen wird, lasse eine GfK-Studie aus Bayern erwarten, so die Organisationen. Demnach hat sich in Bayern die Akzeptanz des Rauchverbots fünf Jahre nach dessen Einführung drastisch erhöht. Beim Volksentscheid vom 4. Juli 2010 sprachen sich 61 Prozent der Befragten für ein generelles Rauchverbot im Gastgewerbe aus, nun liege die Zustimmung bei 80 Prozent. Bemerkenswert sei, dass sogar die Mehrheit der Raucher dafür votiere.

„Wo soll da der Sinn sein?“

Der Sozialmediziner Michael Kunze von der MedUni Wien sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass „etwas entgegen dem internationalen Trend beschlossen wird“. Der Sozialmediziner fragte: „Wo soll da der Sinn sein?“ Aber bisher seien es lediglich Gerüchte. „Ich bin selbstverständlich nicht dafür“, sagte Kunze für den Fall, dass das wirklich kommen sollte.

„Aus gesundheitspolitischen Gründen“ sprach sich auch der Hauptverband der Sozialversicherungsträger dagegen aus, das ab Mai 2018 beschlossene Rauchverbot in der Gastronomie wieder aufzuheben. Ein Sprecher des Hauptverbandes verwies darauf, dass Rauchen gesundheitsgefährdend und für viele Todesfälle verantwortlich sei.

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