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Auch EU-Kommissarin ergreift Wort

Inmitten der aktuellen Debatte über sexuelle Gewalt gegen Frauen melden sich immer mehr Opfer zu Wort. Nach einem Aufruf der Schauspielerin Alyssa Milano meldeten sich Tausende Frauen unter dem Hashtag „#metoo“ bezüglich ihrer Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Missbrauch - Vorwürfe prominenter Frauen kommen nun auch aus Politik und Sport.

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So äußerte die schwedische Außenministerin Margot Wallström unter dem Hashtag „#metoo“ ohne weitere Angaben Vorwürfe der sexuellen Belästigung. Sie sprach gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT von sexueller Gewalt auf „höchster politischer Ebene“. Bereits 2014 hatte sie von einem Abendessen mit europäischen Staats- und Regierungschefs berichtet, bei dem sie von ihrem Tischnachbarn betatscht worden sei. Sie nannte dabei keine Namen.

Auf politischer Ebene äußerte sich auch die EU-Kommissarin für Geschlechtergerechtigkeit, Vera Jourova. Sie bezeichnete sich als Opfer sexueller Gewalt und forderte Frauen dazu auf, sich der „#metoo“-Bewegung anzuschließen. Bezüglich der Causa Harvey Weinstein äußerte sie die Befürchtung, dass die bisher vorgebrachten Vorwürfe nur „die Spitze des Eisbergs“ seien.

US-Olympionikin mit schweren Vorwürfen

Auch die olympische US-Kunstturnerin und Goldmedaillengewinnerin McKayla Maroney trat am Mittwoch an die Öffentlichkeit. Sie sei seit dem Alter von 13 Jahren von ihrem Teamarzt missbraucht worden. Dieser habe ihr eingeredet, er würde „notwendige medizinische Behandlungen“ an ihr vornehmen, die er „seit über 30 Jahren an Patienten durchführe“.

Maroney schildert in der Stellungnahme, dass sie in der „fürchterlichsten Nacht meines Lebens“ mit 15 Jahren nach einem Flug nach Tokio allein im Hotelzimmer ihres Arztes aufgewacht sei, nachdem dieser ihr eine Schlaftablette verabreicht hatte. Dort habe der Arzt „medizinische Behandlungen“ an ihr durchgeführt. „Ich dachte, ich sterbe in dieser Nacht“, so die heute 21-Jährige auf Twitter.

Der Arzt wurde in 125 weiteren Fällen vom US-Gymnastikteam geklagt. Er bekannte sich zudem in drei Fällen des Besitzes der Kinderpornografie schuldig. Ihm drohen zwischen 22 und 27 Jahre Haft, wie der Sender NPR berichtete. Er arbeitete fast zehn Jahre als Teamarzt und wurde erst im vergangenen Dezember entlassen.

Lawrence und Headey berichten von Erniedrigung

Maroney unterstrich in ihrem Statement, dass Missbrauch nicht nur in Hollywood stattfinde. Aber auch von dort kamen bis zuletzt neue Vorwürfe. Neben Jennifer Lawrence berichtete auch „Game of Thrones“-Star Lena Headey von erniedrigenden Erfahrungen mit Weinstein. Reese Witherspoon sagte, sie sei mit 16 von einem Regisseur sexuell belästigt worden. Es sei das erste, aber „nicht das letzte Mal“ gewesen.

Lena Heady

APA/Getty Images

Auch Lena Headey berichtete von Belästigung durch Weinstein

„Eine Produzentin ließ mich mit etwa fünf anderen, sehr viel dünneren Frauen in einer Reihe nackt aufstellen. Wir standen nebeneinander, nur unsere Geschlechtsteile mit Klebeband bedeckt“, sagte Lawrence. Ihr sei geraten worden, schnell möglichst viele Kilos abzunehmen. Headey berichtete unter anderem, sie habe keine Rollen bei dem Filmstudio Miramax mehr bekommen, nachdem sie Weinstein zurückgewiesen hatte.

Die „New York Times“ und das Magazin „New Yorker“ hatten Anfang Oktober enthüllt, dass Weinstein über Jahrzehnte Frauen sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt haben soll. Seither meldeten sich mehr als 40 Schauspielerinnen und Models mit entsprechenden Vorwürfen zu Wort, darunter Stars wie Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow.

Tom Jones: „Wird auch bei Männern versucht“

Auch zahlreiche Männer meldeten sich seit Beginn der Debatte mit Missbrauchsvorwürfen zu Wort, etwa unter dem Hashtag „#mentoo“. Auch Prominente traten an die Öffentlichkeit. Der Sänger Tom Jones sagte am Donnerstag, dass auch er in den frühen Jahren seiner Karriere „eine schreckliche Erfahrung“ habe machen müssen. „Was bei Frauen versucht wird, wird auch bei Männern versucht“, sagte er in dem Interview mit der BBC.

Auch der ehemalige Football-Spieler und Schaupieler Terry Crews berichtete auf Twitter, dass ihm auf einer Party von einer „Hollywood-Größe“ in den Schritt gefasst wurde. Crews habe darauf nicht reagiert und nach einer Entschuldigung keine Maßnahmen ergriffen. Er verstehe, warum viele Frauen derlei Übergriffe nicht melden. Auch er habe Bedenken gehabt, wer ihm glauben würde.

Auch Amazon-Manager trat zurück

Indes trat der Chef der Amazon Studios, Roy Price, zurück. Ihm wird vorgeworfen, eine Mitarbeiterin mit sexuellen Bemerkungen bloßgestellt zu haben. Die ausführende Produzentin einer Amazon-Serie hatte Price im Magazin „Hollywood Reporter“ vorgeworfen, ihr 2015 in einem Taxi gesagt zu haben, sie werde seinen Penis lieben. Vor Kollegen auf einer Party habe er außerdem laut „Analsex“ in ihr Ohr gesagt. Vergangene Woche wurde der 50-Jährige suspendiert.

Das zum Onlineriesen Amazon gehörende Filmstudio arbeitete eng mit Hollywood-Mogul Weinstein zusammen. Die US-Schauspielerin Rose McGowan hatte auch Amazon-Chef Jeff Bezos öffentlich angegriffen: Sie habe Price „wieder und wieder“ gesagt, dass „HW“ sie vergewaltigt habe, ohne dass dieser reagiert habe.

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