Gewichtige Rolle in Katalonien
Das bevorstehende Referendum zur Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien am Sonntag wird auch von zahlreichen Mitgliedern des FC Barcelona unterstützt. Der Traditionsverein setzte sich in der Vergangenheit öfters für Interessen der Region ein. Der Konflikt rund um die Abstimmung spitzt sich unterdessen weiter zu.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
„Mes que un club“, katalanisch für „Mehr als ein Club“, ist das Motto des Fußballvereins FC Barcelona und ziert so etwa die Sitze des Camp-Nou-Stadions, des größten Stadion Europas. Dass der FC Barcelona nicht nur sportlich, sondern auch politisch aktiv ist, zeigt sich nicht zuletzt an der Vereinsgeschichte, die eng mit den katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen verbunden ist.
Die „unbewaffnete Armee Kataloniens“
Bereits im Jahr 1919 setzte sich der FC Barcelona erstmals für die Autonomie Kataloniens ein: Unter Vereinspräsident Richard Graells nahm der Club an den Feierlichkeiten zum katalanischen Nationalfeiertag, La Diada, am 11. September teil. Die blau-roten Vereinsfarben wurden auf Fahnen im Protest gegen den Diktator Primo de Rivera geschwungen. In der Zeit der Franco-Diktatur war „El Clasico“, das Duell zwischen Real Madrid und FC Barcelona, auch politisch geladen - bis heute geht die Rivalität über sportliche Aspekte hinaus.

GEPA/Pro Shots
„Mehr als ein Club“ ist das Motto des FC Barcelona
In einem „Financial Times“-Artikel wird Barcelona gar als wesentlichstes Symbol des Katalanismus bezeichnet, jener Strömung, die Katalonien eine eigene Identität, unabhängig jener von Spanien, zuspricht. Dort wird auch der Autor und Barcelona-Fan Manuel Vazquez Montalban zitiert, der den FC Barcelona einst als die „unbewaffnete Armee Kataloniens“ bezeichnete.
Camp Nou als politischer Schauplatz
In den letzten Wochen vor dem Referendum wurde das Camp Nou erneut vermehrt zum politischen Schauplatz: Die Fans auf den Rängen sangen etwa „Lasst uns wählen“, auf Bannern wurde auf das Votum am Sonntag aufmerksam gemacht. Neben den Anhängern spricht sich aber auch der Verein klar für das Referendum aus.
So schaltete sich der Club vor zwei Wochen in das politische Geschehen ein, nachdem eine Razzia zu Festnahmen in der Regionalregierung geführt hatte. „Der Wille der Mehrheit des katalanischen Volkes“ müsse Beachtung finden, erklärte die Barca-Führung. „Nach den Ereignissen der vergangenen Tage, insbesondere des heutigen“ stelle sich der Verein auf die Seite „der Demokratie, der Meinungs- und Entscheidungsfreiheit“.
Wählerbeteiligung als Schlüsselelement
Auch die Stars sprachen sich für das Referendum aus: „Wir werden abstimmen“, schrieb etwa Gerard Pique auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Er mahnte die Unabhängigkeitsbefürworter zu einem friedlichen Vorgehen: „Wir wollen denen keinen Vorwand geben, das ist es doch, was die wollen“, schrieb er mit Blick auf die spanische Zentralregierung. Ex-Barca-Trainer Josep Guardiola sagte erst kürzlich: „Es geht nicht um Unabhängigkeit, es geht um Demokratie.“

APA/AFP/Lluis Gene
Guardiola setzte sich immer wieder für das Referendum ein
Tatsächlich dürfte der Aufruf zur Wahl ein wesentliches Anliegen der katalanischen Politik sein. Eine höhere Wahlbeteiligung könnte dazu beitragen, dass das Ergebnis in Madrid und außerhalb Spaniens eher ernst genommen wird. Doch vor allem viele Unabhängigkeitsgegner werden dem Referendum wahrscheinlich fernbleiben.
Auch FC Barcelonas Zukunft ungewiss
Sollte das Referendum tatsächlich zu einer Abspaltung Kataloniens von Spanien führen, hätte das natürlich auch auf den FC Barcelona Auswirkungen. Während Kataloniens Sportminister Gerard Figueras davon überzeugt ist, dass sich die drei katalanischen Mannschaften aus der höchsten spanischen Fußballliga - Barcelona, Girona und Espanyol - aussuchen könnten, ob sie in „La Liga“ verbleiben, teilte deren Vorsitzender Javier Tebas mit, dass Barcelona nicht bleiben könne.
Links: