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Wegen Terrorverdachts in Gewahrsam

Die britische Polizei hat einen zweiten Verdächtigen im Fall des Londoner U-Bahn-Anschlags festgenommen. Das teilte Scotland Yard am Sonntag mit. Der 21-jährige Mann wurde in Hounslow im Westen der britischen Hauptstadt wegen Terrorverdachts in Gewahrsam genommen.

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Bereits am Samstag war in der südenglischen Hafenstadt Dover ein 18-jähriger Mann wegen Terrorverdachts inhaftiert worden, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Die Festnahme sei „bedeutend“, aber die Terrorbedrohung sei weiter „kritisch“, sagte Neil Basu von der Metropolitan Police, der Polizeibehörde von Greater London. Sie sei nach dem Anti-Terror-Gesetz erfolgt. Die Festnahme werde „zu mehr Aktivitäten unserer Beamten führen“.

Die Festnahme des zweiten Verdächtigen weise darauf hin, dass es sich bei dem 18-Jährigen nicht um einen „einsamen Wolf“ handle, sagte die britische Innenministerin Amber Rudd am Sonntag im BBC-Fernsehen. Rudd sagte, noch sei es zu früh für abschließende Aussagen. Zurückhaltend äußerte sich die Innenministerin zu der Frage, ob tatsächlich die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hinter dem Anschlag steckt. Ein entsprechendes Bekennerschreiben kursierte im Internet. Man habe noch keine Hinweise, die das nahelegen, sagte Rudd weiter.

„Jagd auf Verdächtige“

Nach dem Anschlag von Freitagfrüh hatten die Ermittler eine Großfahndung nach Verdächtigen eingeleitet. Es werde „Jagd auf Verdächtige“ gemacht, sagte Scotland Yards Anti-Terror-Chef Mark Rowley noch vor der Festnahme. „Unsere Ermittlungen schreiten mit großer Geschwindigkeit voran.“

Polizisten in London

APA/AP/Frank Augstein

Die U-Bahn-Haltestelle wurde am Samstag wieder geöffnet

Erneut Wohnung durchsucht

Neben der Festnahme eines zweiten Verdächtigen haben die Ermittler am Sonntag auch eine weitere Wohnung durchsucht. Das teilte die Polizei in der Grafschaft Surrey am Sonntag mit. Die Wohnung befinde sich in der Ortschaft Stanwell nahe dem Flughafen Heathrow, westlich von London. Bereits am Samstag kam es in der ebenfalls in Surrey befindlichen Ortschaft Sunbury-on-Thames im Rahmen eines großangelegten Einsatzes zu einer Hausdurchsuchung.

Polizeiangaben zufolge wurden aus Sicherheitsgründen auch umliegende Häuser evakuiert. Laut „Guardian“ mussten rund 200 Bewohner der von der Polizei abgesperrten Cavendish Road ihre Häuser verlassen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot in der rund 40 Minuten von London entfernten Ortschaft angerückt, wie britische Medien mit Verweis auf Augenzeugen zudem berichteten.

Polizisten während einer Untersuchung in Sunbury bei London

APA/AFP/Chris J Ratcliffe

Eine Straße in Sunbury wurde abgeriegelt

Medienberichten zufolge soll in dem durchsuchten Haus ein älteres Ehepaar leben, das immer wieder Kinder und Jugendliche in Pflege genommen hat. Auch der erste der beiden Festgenommenen soll der BBC zufolge dort gewohnt haben.

Terrorwarnstufe gesenkt

Die britischen Behörden gehen indes nicht mehr von einem unmittelbar bevorstehenden weiteren Terroranschlag aus. Die nach dem Anschlag auf die höchste Stufe „kritisch“ angehobene Terrorwarnung wurde am Sonntagnachmittag wieder auf „ernst“ gesenkt. Innenministerin Amber Rudd begründete den Schritt mit den „Fortschritten“ in den Ermittlungen nach dem Anschlag.

Zurückhaltend äußerte sich Innenministerin Rudd zu der Frage, ob tatsächlich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hinter dem London-Anschlag steckt. Angesprochen auf ein entsprechendes, im Internet kursierendes Bekennerschreiben sagte die britische Innenministerin, dass es unvermeidbar sei, dass sich der IS „zu Wort meldet und versucht, die Verantwortung zu übernehmen. Wir haben noch keine Hinweise, die das nahelegen“.

„Improvisierter Sprengsatz“

Bei der Explosion einer Bombe in einer voll besetzten U-Bahn nahe der oberirdischen Haltestelle Parsons Green waren am Freitag 29 Menschen verletzt worden. Die Haltestelle wurde Samstagfrüh wieder für den Betrieb freigegeben. Die meisten Opfer erlitten nach Polizeiangaben Verbrennungen, andere wurden in der allgemeinen Panik niedergetrampelt. Keiner der Verletzten schwebte in Lebensgefahr, am Samstag befanden sich nur noch drei der Betroffenen im Krankenhaus.

Die Bombe war am Freitag gegen 8.20 Uhr mitten im morgendlichen Berufsverkehr detoniert. Die Station Parsons Green liegt im westlichen Zentrum der Millionenmetropole, nahe dem Stadion des Fußballclubs FC Chelsea. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und einer „Feuerwand“ beziehungsweise einem „Feuerball“ in der Bahn. Die Explosion und das Feuer in dem Waggon seien durch einen improvisierten Sprengsatz verursacht worden, sagte Rowley.

Druckkochtopf verwendet?

Dass es bei dem Anschlag keine Toten und Schwerverletzten gab, ist laut Experten einzig dem Umstand zu verdanken, dass die Bombe nicht vollständig in die Luft flog. Ein früherer hochrangiger Anti-Terror-Ermittler des britischen Verteidigungsministeriums ging gegenüber dem TV-Sender Sky News davon aus, dass es sich bei dem Sprengsatz um eine Vorrichtung mit einem Druckkochtopf gehandelt habe.

Ermittler neben der betroffenen U-Bahn

APA/AFP/Adrian Dennis

Spuren am Tatort wurden gesichert

Die Bombe habe Ähnlichkeiten mit jener, die 2013 während des Boston-Marathons in den USA detoniert war, sagte General Chip Chapman dem Sender. Einem Bericht der BBC zufolge war die Bombe mit einem Zeitzünder versehen, was bisher aber nicht offiziell bestätigt wurde.

Trump sorgt für Verstimmung

Die britische Innenministerin Rudd kritisierte indes US-Präsident Donald Trump wegen seiner Twitter-Äußerungen zum Anschlag scharf. Trump hatte am Freitag angedeutet, die Täter seien Scotland Yard bereits bekannt gewesen. Das hatte Mutmaßungen ausgelöst, der US-Präsident habe möglicherweise geheime Informationen aus Großbritannien preisgegeben. Dem widersprach Rudd am Sonntag. Es habe sich um „pure Spekulation“ gehandelt. „Es ist nie hilfreich, Spekulationen über laufende Ermittlungen anzustellen. Ich würde den Präsidenten der Vereinigten Staaten damit einschließen“, sagte Rudd in der BBC-Talkshow Andrew Marr.

Bereits im Mai war es zu diplomatischen Verstimmungen zwischen den USA und Großbritannien gekommen, nachdem der Name des Attentäters von Manchester an US-Medien gelangt war.

Fünfter Anschlag in diesem Jahr

Großbritannien ist bereits zum fünften Mal in diesem Jahr Ziel eines Anschlags geworden. Bei den vier früheren Anschlägen in London und Manchester waren insgesamt 36 Menschen ums Leben gekommen, drei der Attacken gingen auf das Konto von Islamisten. Die höchste Terrorwarnstufe war zuletzt im Mai nach einem Bombenattentat auf die Besucher eines Konzerts in Manchester ausgerufen worden. Dort waren 22 Menschen getötet worden.

Im März war ein Attentäter auf der Londoner Westminster-Brücke mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast, bevor er einen Polizisten auf dem Gelände des Parlaments niederstach. Fünf Menschen starben. Acht Menschen kamen bei einem Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London-Bridge ums Leben. Ein Mann starb bei einem Angriff auf Moscheebesucher Ende Juni in London.

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