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Moody’s hebt Prognose an

Die Wirtschaftsstimmung im Euro-Raum hat sich im August überraschend weiter aufgehellt und den besten Wert seit zehn Jahren erreicht. Der Economic Sentiment Indicator (ESI), der die Stimmung in Unternehmen und privaten Haushalten misst, stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Punkte auf 111,9 Zähler, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit. Das ist der höchste Stand seit Juli 2007.

Dienstleister und Industrie zeigten sich optimistischer, während sich die Zuversicht im Einzelhandel und am Bau verringerte. Die Stimmung der Verbraucher blieb weitgehend stabil.

Auch das von der EU-Kommission erhobene Geschäftsklima (BCI), das nur die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe misst, legte im August zu. Hier stieg der entsprechende Indikator um 0,05 Punkte auf 1,09 Punkte. Volkswirte hatten 1,05 Zähler erwartet, beim ESI waren 111,3 Punkte prognostiziert worden. Die Daten untermauern, dass sich die Konjunktur in den 19 Euro-Ländern weiter erholt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im zweiten Quartal um 0,6 Prozent zu und hielt damit mit dem Wachstumstempo in den USA Schritt.

Auch Ausblick laut Moody’s besser

Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody’s läuft es insbesondere in den großen Mitgliedsländern besser. Die Agentur hob jedenfalls am Mittwoch ihre Prognose für das Wachstum in der Euro-Zone im laufenden und im kommenden Jahr um je 0,3 Punkte auf 2,1 und 1,9 Prozent an. Zum Vergleich: Die heimischen Institute WIFO und IHS erwarten für Österreich für heuer 2,4 bzw. 2,2 Prozent Plus, im nächsten Jahr 2,0 bzw. 1,7 Prozent. Beide hatten, ähnlich wie Moody’s, ihre Prognose zuletzt deutlich nach oben geschraubt.

Liniengrafik über die Entwicklung des Economic Sentiment Indicator seit 1990

Grafik: ORF.at; Quelle: Eurostat

Italien verlässt Stimmungstief

Besonders wichtig aber sind - nicht zuletzt für Österreichs Exportindustrie - die guten Nachrichten aus dem von der Finanzkrise besonders schwer getroffenen Nachbarland Italien. Dort hellt sich die Stimmung von Industriemanagern sowie Verbrauchern auf und schürt damit Konjunkturoptimismus. Im verarbeitenden Gewerbe stieg das entsprechende Barometer im August um 0,3 Zähler auf 108,1 Punkte, wie das Statistikamt Istat zu Wochenbeginn mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Ende 2007. Der Index für das Konsumklima kletterte auf den höchsten Stand seit Dezember 2016.

Das Barometer, das die Stimmung von Industrie, Einzelhandel, Bau und Dienstleistern zusammenfasst, legte ebenfalls zu - auf das höchste Niveau seit Juni 2007.

Italiens Wirtschaft hatte ihr moderates Wachstumstempo im Frühjahr gehalten: Das BIP stieg um 0,4 Prozent. Industrie und Dienstleister trugen zum Wachstum bei, während sich die Landwirtschaft als Bremsklotz erwies. Die Regierung von Ministerpräsident Paolo Gentiloni strebt dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent an. Die Daten aus dem ersten Halbjahr lassen allerdings darauf schließen, dass dieses Ziel übertroffen wird.

Ifo-Umfrage noch optimistischer

Bestätigt wird die Umfrage im Auftrag der EU-Kommission durch eine ähnliche Umfrage, die das Münchner Ifo-Institut bereits Anfang des Monats vorstellte. Ifo war sogar zu einem noch optimistischeren Bild der Lage gekommen: Der Umfrage zufolge ist die Stimmung in der Euro-Zone so gut wie seit 17 Jahren nicht mehr. Das Barometer stieg um 8,8 auf 35,2 Punkte des Ifo-Klimaindex. Das entspricht dem höchsten Wert seit Herbst 2000. Und das Ifo erwartet, dass das starke Wachstum sich auch im Rest des Jahres fortsetzt.

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