„Viele Fragen“
Nach dem Einsturz eines Festzeltes in der oberösterreichischen Gemeinde St. Johann im Walde, bei dem zwei Menschen getötet und 140 verletzt wurden, ist die Staatsanwaltschaft nun auf der Suche nach den genauen Hintergründen. Am Samstagnachmittag hat sich ein vom Staatsanwalt entsandter Sachverständiger an Ort und Stelle ein erstes Bild verschafft. Ermittelt wird in mehrere Richtungen.
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Der im Ortsteil Frauschereck liegende Unglücksort wurde gesperrt, „damit nichts mehr verändert werden kann“, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Alois Ebner gegenüber dem Landesstudio Oberösterreich sagte. In Laufe der nächsten Tage gebe es nun einiges zu klären. Ebner zufolge drängen sich „viele Fragen“ auf, die etwa „in Richtung Verantwortlichkeit einzelner Personen gehen“.

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Die Zeltkonstruktion stürzte komplett in sich zusammen
Bei den laufenden Ermittlungen gehe es unter anderem um die Frage, ob sämtliche Sicherheitsauflagen eingehalten wurden. Zu klären sei aber auch, ob Wetterwarnungen zu wenig oder falsch eingeschätzt wurden. Es gelte aber auch mögliche Konsequenzen für künftige Veranstaltungen abzuklären - mehr dazu in ooe.ORF.at.
20 Schwerverletzte
Bei dem orkanartigen Sturm wurde das mit rund 700 Gästen gefüllte Festzelt vollständig zerstört. Durch herabfallende Gerüstteile wurden ein 28-Jähriger und eine 19-Jährige getötet. 20 Personen wurden schwer verletzt, zwei von ihnen schweben noch in Lebensgefahr, wie am Samstagnachmittag weiter mitgeteilt wurde. Die Verletzungen reichten von Blessuren durch herabstürzende Zeltteile bis hin zu Verbrennungen durch umgekippte Fritteusen.
Infohotline für Angehörige
Für Angehörige von Betroffenen wurde eine Informationshotline unter der Telefonnummer 0732/7644644 eingerichtet.
Anfangs war noch von 44 Verletzten die Rede gewesen. Da hatte man nach Angaben der Rettungskräfte aber bereits befürchtet, dass die Zahl noch steigen könnte. Viele Besucher der Feier wurden auch privat von Angehörigen ins Krankenhaus gebracht. Zuerst lagen nur die offiziellen Daten der vom Roten Kreuz Versorgten vor. Zu Mittag wurde die Zahl der Verletzten zunächst auf 120, am Nachmittag dann auf 140 revidiert.

FMT Pictures
Augenzeugen sprachen von Bildern wie auf einem „Schlachtfeld“
Die Verletzten wurden auf die umliegenden Krankenhäuser aufgeteilt. Die Rettung war mit rund 150 Mitarbeitern im Einsatz. Aufgrund des Ausmaßes des Unglücks löste das Rote Kreuz Katastrophenalarm aus.
Sturm mit fast 130 km/h
Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) registrierte zum Unglückszeitpunkt an der Messstelle Reichersberg in der Nähe eine Windgeschwindigkeit von 126 Kilometern pro Stunde. Der Sturm führte auch zu großflächigen Unterbrechungen der Energieversorgung. Bis zu 150.000 Haushalte waren in Oberösterreich vorübergehend ohne Strom.

APA/Manfred Fesl
Schwere Sturmschäden gab es auch im Wald rund um St. Johann
Im nur 30 Kilometer von St. Johann im Walde entfernten Gilgenberg stürzte eine rund 20 Meter hohe Fichte auf eine private Feiergemeinde. Vier Personen wurden nach Angaben der Polizei verletzt - sie konnten das Krankenhaus aber bereits wieder verlassen.
In Bad Ischl (Bezirk Gmunden) wurde ein Zirkuszelt davongerissen, die darunter untergebrachten Tiere flüchteten und irrten im Ort umher. Im gesamten Salzkammergut wurden etliche Bäume vom Sturm geknickt. Im Weißenbachtal fuhr ein mit fünf Insassen besetzter Pkw gegen einen umgefallenen Baum. Die Beteiligten kamen laut Feuerwehr mit dem Schrecken davon.
Großeinsatz auch in Salzburg
Zu Sturmschäden kam es in der Nacht auf Samstag auch in Salzburg, Tirol und Vorarlberg. In der Stadt Salzburg wurden insgesamt drei Menschen verletzt. In der Altstadt lösten sich Gerüstteile, zwei Frauen wurden von Trümmern getroffen. Zwischen Salzburg-Nord und dem Grenzübergang Walserberg wurden etliche Bäume entwurzelt.
Auch im Flachgau und Tennengau mussten umgestürzte Bäume von Straßen, Häusern und Autos entfernt und zahlreiche Dächer provisorisch abgedichtet werden. Nicht weniger als 364 Einsätze verzeichnete das Landesfeuerwehrkommando - mehr dazu in salzburg.ORF.at.
Zugsverbindungen zeitweise unterbrochen
Die Unwetterschäden sorgten für gröbere Verkehrsbehinderungen. Besonders betroffen war der Zugsverkehr. Die Korridorstrecke zwischen Salzburg und Kufstein war wegen umgestürzter Bäume unterbrochen.

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Sturmschäden behinderten am Samstag auch den Zugsverkehr
Vorübergehend eingestellt wurde auch der Zugsverkehr auf der Verbindung Schärding - Passau in Oberösterreich sowie die Strecke Ehrwald - Griesen auf der Außerfernerbahn in Tirol. Bereits am Freitagabend war im Tiroler Unterland eine Garnitur eines Regionalzugs evakuiert worden, nachdem eine Sturmböe diese bei Münster beschädigt hatte. In Kramsach krachte ein geknickter Baum auf die Stromleitung und einen darunter abgestellten leeren Linienbus - mehr dazu in tirol.ORF.at.
Nach Angaben der ÖBB konnten am Samstagnachmittag alle Strecken im Fernverkehr wieder in Betrieb genommen werden. Während der Betrieb der Strecke von Salzburg nach München bereits ab Mittag wieder eingleisig aufgenommen werden konnte, wurden die Strecken von Salzburg nach Innsbruck (Korridorverkehr) und Schärding nach Passau gegen 17.00 Uhr für den Verkehr freigegeben.
„Carmen“ ins Festspielhaus verlegt
In Vorarlberg war laut Polizei vor allem der Großraum Bludenz vom Unwetter betroffen. Ein Baugerüst musste noch während des tobenden Gewitters abgebaut werden, da es auf die Straße zu stürzen drohte. In Bürs verlegten zahlreiche Bäume die Brandnerstraße, die für Aufräumarbeiten vorübergehend unpassierbar war.
Die Wetterkapriolen führten auch zu einer Programmänderung bei den Bregenzer Festspielen: Die Vorstellung von „Carmen“ fand am Freitagabend nicht auf der Seebühne, sondern unter Dach im Festspielhaus statt - mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.
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