Themenüberblick

Kollektivvertragsverhandlung ausgesetzt

Bei Niki, dem österreichischen Ableger der Etihad/Air-Berlin-Gruppe, ist eine für den heutigen Mittwoch anberaumte Kollektivvertragsverhandlung für das Bordpersonal abgesagt worden. Die Runde ist „ausgesetzt“, heißt es. Zurzeit stehen bei Niki andere Probleme im Vordergrund: Die Pleite des Mutterkonzerns Air Berlin stellt alles in den Schatten.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Der Wiener Belegschaft steht bei den Tarifverhandlungen damit kein handlungsfähiger Partner zur Verfügung. Belegschaft und Management wollen alle Kräfte auf den Weiterbestand der Firma legen.

Mitarbeiter werden informiert

Die Niki-Geschäftsführung informiert am Mittwoch die Belegschaft über den Fortbestand des Unternehmens, heißt es zur APA. Die Botschaft: Niki ist vom Insolvenzantrag von Air Berlin jetzt nicht betroffen. Die Flugpläne seien aufrecht, alle Flüge weiterhin buchbar. Die deutsche Regierung schützt Air Berlin gerade mit Staatshilfe davor, am Boden bleiben zu müssen.

In diesen Stunden trommelt die Niki-Geschäftsführung in Wien-Schwechat immer wieder Mitarbeiter zu Informationsrunden zusammen, um die Lage zu erklären. Bodenmitarbeiter und Crews sollen verunsicherten Passagieren Rede und Antwort stehen können, was den aktuellen Informationsstand betrifft. Diese Informationsveranstaltungen werden so ablaufen, dass der Flugbetrieb nicht betroffen ist.

Verkauf an Etihad unwahrscheinlich

Unklar ist nun auch, ob der Deal, wonach die arabische Airline Etihad, bisher als größter Eigentümer von Air-Berlin maßgeblich an deren Finanzierung beteiligt, wie geplant Niki selber übernimmt. „Es sieht so aus, dass Etihad Niki nicht kauft“, sagte Niki-Bord-Betriebsrat Stefan Tankovits. Im Juni noch habe Etihad „diese Beruhigungspille gegeben und gesagt, wir kaufen Niki schon, egal was mit dem Joint Venture passiert. Das ist jetzt nicht der Fall, was sehr enttäuschend ist.“ Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass die Übernahme von Niki nicht stattfindet - daran hing aber die Arbeitsplatzgarantie. „Da lässt man uns jetzt im Regen stehen“, so Tankovits.

Gespräche mit Eurowings?

„Neu“ ist Tankovits auch der Gedanke, Niki könnte mit der Lufthansa-Tochter Eurowings zusammengehen. Der österreichische Luftfahrtexperte Kurt Hoffmann sprach im Ö1-Morgenjornal ein solches Szenario an. Die jüngste Umstellung des Niki-Geschäfts auf Ferienflieger würde nicht zum Geschäftsmodell von Eurowings passen, so Tankovits. Aber es könne ja auch einen abermaligen Bruch in der Unternehmensausrichtung geben. Jedenfalls wünscht sich Tankovits, dass er schnell Klarheit bekommt. Und der Betriebsrat „will nicht nur an der Seitenlinie stehen und zuschauen. Wir wollen eingebunden werden.“

Niki bereits in Stellung gebracht

Niki hat beim bisher letzten Umbau der Air Berlin die Ferienflugstrecken im Konzern übernommen. Dazu gehörte, dass Niki direkt unter die Flügel des arabischen Air-Berlin-Hauptaktionärs Etihad kommt. Schon zum heurigen Jahreswechsel hat Etihad für die Niki-Anteilsübernahme 300 Mio. Euro an Air Berlin überwiesen.

Der Deal ist behördlich noch nicht genehmigt, die 300-Millionen-Geldspritze von den Berlinern aber längst verbraten. Fakten hat Etihad aber schon geschaffen, auch nach außen: Die letzten Presseaussendungen über Niki-Winterflugpläne etc. trugen nur noch die Briefköpfe von Etihad und Niki.

Wichtigste Routen übernommen

Seit Niki die Ferienflüge von Air Berlin übernommen hat - darunter den berühmte „Mallorca-Shuttle“ von deutschen Städten -, ist Niki als Airline für Reisen zu europäischen Ferienzielen ein wichtiger Player geworden: Neben zurzeit 67 wöchentlichen Abflügen ab Österreich wickelt Niki jede Woche 75 Abflüge von Schweizer Airports und 481 Abflüge von deutschen Flughäfen aus ab.

Dass der Flughafen Genf von Air Berlin für Start- und Landegebühren nun Vorauszahlung von Air Berlin verlangt, trifft Niki nicht, so Niki-Sprecherin Milene Platzer zur APA. Das sei für Niki nicht relevant, da man von Genf keine Abflüge habe.

Links: