Als sich die Niederlande in ihrer Blütezeit befunden haben, hat die Tulpe zwischen 1634 und 1637 die Wirtschaft des Landes überrumpelt. Sie wurde vom Statussymbol zum Sammler- und Handelsobjekt für alle Gesellschaftsschichten. In „Tulpenfieber“ umrahmen die historischen Ereignisse eine Liebesgeschichte mit wenigen Überraschungen.
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Das 17. Jahrhundert war für die Niederlande eine Zeit der kulturellen und wirtschaftlichen Blüte. Als die Tulpe eingeführt wurde, änderte sich das schlagartig. In den 1630er Jahren löste die Blume einen Hype aus. Jeder wollte sie haben und damit schnelles Geld machen. Die Beliebtheit der Tulpe führte letztendlich zu einer Spekulationsblase, die als erster Börsencrash in die Wirtschaftsgeschichte einging und als Tulpenmanie bezeichnet wird.
„Eine kostbare Blume, die Leben veränderte“
Die Erzählerin führt zu Beginn des Filmes in genau diese Ära ein. Sie ist eine einfache Magd, heißt Maria (Holliday Grainger) und spricht vom „Bann einer wunderschönen kostbaren Blume, die vor langer Zeit alle Menschen verrückt machte und Leben veränderte“.
Die Tulpe veränderte sowohl das Leben der Magd als auch das der Hauptfigur Sophia (Alicia Vikander). Sophia ist eine Waise, die das Kloster, in dem sie aufgewachsen ist, verlässt, um den wohlhabenden Gewürzhändler Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) zu heiraten und ihm einen Nachkommen zu schenken. Jahre vergehen, aber Sophia ist immer noch nicht schwanger.
Gefährliches Geschäft mit der Tulpe
Sandvoort hat seinen Kinderwunsch fast schon aufgegeben, er möchte aber etwas für die Ewigkeit: ein Porträt von sich und seiner Frau. Den Auftrag übernimmt der junge, gut aussehende Maler Jan von Loos (Dane DeHaan).
Thimfilm
Vikander in der Rolle der Sophia Sandvoort
Es dauert nicht lange, bis es zwischen Sophia und Jan zu knistern beginnt. Das Aufeinandertreffen mündet in einer von Regisseur Justin Chadwick recht explizit inszenierten Affäre. Auch Maria hat eine geheime Liebesbeziehung. Um sich ein gemeinsames Leben mit ihren Liebhabern aufzubauen, schmieden die beiden einen riskanten Plan, der ihnen helfen soll, sich aus ihren festgefahrenen Rollenmustern zu befreien. Und hier kommt die Tulpe ins Spiel.
Wie in der gleichnamigen Romanvorlage von Deborah Moggach wird die Tulpe zum Zeichen der menschlichen Gier. Aus der relativ gut dokumentierten Tulpenhysterie geht hervor, dass damals zunächst nur sozial gehobene Schichten des gebildeten Bürgertums, Gelehrte und Aristokraten die Tulpe in ihren privaten Gärten kultivierten. Je nach Farbe und Seltenheit stieg der Wert der Tulpe und sie avancierte rasch vom Sammler- zum Handelsobjekt für jedermann.
Zum Preis eines Grachtenhauses
Innerhalb kurzer Zeit brach in den Niederlanden ein Hype um die zarte Pflanze aus, die Preise für besonders seltene Sorten wie „Viceroy“ und „Admirael van Enchhysen“ kletterten in absurde Höhen. Am Peak der Tulpenmanie wurden rare Zwiebeln sogar gegen Grachtenhäuser in Amsterdams bester Lage getauscht. Und dann brach der Markt 1637 abrupt ein.
Thimfilm
Ob Aristokraten oder Prostituierte (Cara Delevingne, r.) - jeder will im Besitz einer der begehrten Tulpenzwiebeln sein
Zweiter Historienfilm von Chadwick
Die Tulpenmanie ist gut in die Handlung eingesponnen: Im Kloster der Äbtissin (Judi Dench) werden die Pflanzen angepflanzt und verkauft, in dunklen Spelunken feilschen sogar Prostituierte (Cara Delevingne) eifrig um Tulpenzwiebeln.
Chadwick wagte sich mit „Tulpenfieber“ an seine zweite historische Romanverfilmung heran. Mit „Die Schwester der Königin“ (2008) war ihm trotz prominenter Besetzung (Natalie Portman, Scarlett Johansson und Eric Bana) kein herausragendes Epos gelungen. Kritiker verorteten „Die Schwester der Königin“ näher an der Seifenoper als am Historienfilm. Der aktuelle Film hält zwar ein paar Aha-Momente bereit, um „Tulpenfieber“ steht es jedoch ähnlich wie um „Die Schwester der Königin“.
Gute Besetzung kein Garant für erfolgreichen Film
Der Versuch, mit Figuren wie der des dubiosen Arztes Dr. Sorgh, der ein selbst ernannter Experte in Sachen weiblicher Mysterien ist, witzige Momente zu erwirken, fügt sich schwer in die sonst tragischen Ereignisse und Wendungen. Die Oscar-Preisträger Judi Dench und Christoph Waltz erfüllen zwar die Erwartungen, konnten das Ruder aber nicht herumreißen. Waltz, der oft in der Rolle des Antagonisten brilliert, mimt auch den naiven, gutmütigen und etwas schrägen Sandvoort überzeugend.
Die Schwedin Vikander (Oscar für „The Danish Girl“) präsentiert in der Rolle der Sophia weniger Facettenreichtum als Waltz. Hartnäckig hält Vikander an ihrem traurigen Gesichtsausdruck mit feuchten Kulleraugen fest, der dem Regisseur immer wieder eine Nahaufnahme wert ist.
Farbenfrohe Kostümierung, passable Story
In Erinnerung bleibt außerdem Sophias azurblaues Kleid mit dem spitzenbesetzten Dekolletee. Der Einsatz von Farben, die Garderobe und Ausstattung sind in „Tulpenfieber“ durchaus lobenswert. Der Zuschauer fühlt sich in die Zeit zurückversetzt, die Kulisse wirkt nicht überspitzt. Der eingegraute Look des Films lenkt den Blick auf die beachtenswerten und farbintensiven Kostüme. Dass die Gewänder hervorstechen, ist wenig überraschend, denn für das Kostümdesign zeigte sich Oscar-Preisträger Michael O’Connor („Die Herzogin“, 2008) verantwortlich.
„Tulpenfieber“ ist mit guter Kostümierung, ansehnlicher Kulisse und hervorragenden Schauspielern ausgestattet, die Umsetzung des Bestsellers durch Drehbuchautor Tom Stoppard („Shakespeare in Love“) reißt aber nicht vom Hocker. Obwohl durch die komischen Aspekte etwas irritierend, erzählt Stoppard eine ganz passable Story, die es zum Schluss dann doch noch schafft, den Zuschauer wieder etwas aufmerksamer zu machen.