Tour de Force durch Deutschland
Mit einer einmonatigen Wahlkampftour durch Dutzende Städte in Deutschland hofft SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, die politische Stimmung zu seinen Gunsten zu drehen. Schulz will bis zur Bundestagswahl am 24. September mehr als 20.000 Kilometer durch alle 16 Bundesländer zurücklegen. Kanzlerin Angela Merkel hingegen, in den Umfragen weit vorn, geht den Wahlkampf entspannter an.
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Merkel ist noch bis nächste Woche auf Urlaub in Südtirol. Die Wahlplakate der CDU werden ohne sie enthüllt - am Montag will CDU-Generalsekretär Peter Tauber die Großplakate präsentieren.
Kritik an Merkel
Währenddessen laufen die Vorbereitungen zur „Schulz Live Tour“ auf Hochtouren, der Auftakt soll am 21. August sein. Auch mit Plakaten zu den fünf Themen Lohngerechtigkeit, Bildung, Pension, Familie und Investitionen hoffen die Sozialdemokraten auf neuen Schwung im Bundestagswahlkampf.
Die Stoßrichtung von Schulz ist klar: Er will Merkel Verfehlungen ankreiden. „Eine Kanzlerin, die den Wählern nicht sagt, was sie vorhat, vernachlässigt ihre Pflicht“, sagte Schulz in einem Interview mit dem „Spiegel“ (Onlineausgabe) diese Woche. Merkel sei ein „Profi im Vertagen von Problemen“.
Flüchtlinge als Wahlkampfthema
„Marode Schulen, Flüchtlingselend, Steuerflucht, Finanz- und Bankenkrise, Reform der EU-Institutionen, Angriffe auf die Demokratie in Ungarn und Polen - kein Wort dazu von der Kanzlerin“, kritisierte Schulz, dessen Partei gemeinsam mit der Union Deutschland regiert. „Sie hat sogar die Chuzpe zu sagen, sie werde erst nach der Wahl erklären, was sie mit Europa vorhat. Das ist wirklich verwegen.“
Thematisch setzt Schulz seit Kurzem besonders auf die Flüchtlingskrise und sparte auch dabei nicht mit Kritik an Merkel. Kommentatoren wie auch die politische Konkurrenz wiesen jedoch darauf hin, dass die SPD als Koalitionspartner die Flüchtlingspolitik Merkels mitgetragen und befürwortet hatte. Die Sozialdemokraten hätten damals wie heute den Außenminister gestellt. Und auch bei Integrationsmaßnahmen hätte man als Regierungspartei durchaus tätig werden können.
Die Erfolgsaussichten von Schulz’ Kampagne werden in den deutschen Medien wenig rosig gesehen. Die SPD und ihr Kandidat stürzten nach einem kurzen Umfragehoch bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur schnell ab - schon seit Monaten kommen die Sozialdemokraten kaum über die 25 Prozent in Umfragen hinaus. Bei einer Direktwahl würde Schulz laut jüngster „Stern“-Umfrage nur 21 Prozent erhalten.
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