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Republikaner verlieren gewichtige Stimme

John McCain war eine Instanz in der US-Politik. Seit 1987 saß der einstige Präsidentschaftskandidat für die Republikaner im Senat. Der Vietnam-Veteran hatte den Ruf eines „Maverick“ - eines Mannes, der nicht immer der Parteilinie folgt und auch umstrittene Meinungen vertritt. Das bekam zuletzt auch Präsident Donald Trump zu spüren. Nun starb McCain am Samstag im Alter von 81 Jahren.

Bei McCain war im vergangenen Jahr ein aggressiver Gehirntumor diagnostiziert worden. Während der vergangenen Monate war er daher nicht mehr im Senat gewesen, dem er seit mehr als drei Jahrzehnten angehört hatte. Stattdessen blieb er für die Krebstherapie in seinem Haus im US-Staat Arizona. Es war nicht das erste Mal, dass bei McCain eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. In den 1990er und 2000er Jahren wurden bei ihm mehrere Melanome entfernt - eine bösartige Form von Hautkrebs.

US-Senator John McCain und seine Tochter Meghan

AP/Haraz N. Ghanbari

McCain mit seiner Tochter Meghan bei einer Wahlkampfveranstaltung im Jahr 2008

McCains Familie hatte erst am Freitag mitgeteilt, dass der schwer krebskranke Senator seine Behandlung eingestellt habe. „Der Fortschritt der Krankheit und die Unerbittlichkeit des Alterns haben ihr Urteil gefällt“, erklärte die Familie. „Mit seiner üblichen Willensstärke“ habe der 81-Jährige entschieden, mit der Chemotherapie aufzuhören.

60 Jahre lang „treu gedient“

Am Samstagnachmittag um 16.28 Uhr (Ortszeit) starb McCain dann, wie sein Büro erklärte. Er habe den Vereinigten Staaten 60 Jahre lang „treu gedient“. Der Politiker hinterlässt seine Frau Cindy und sieben Kinder. Seine Frau und weitere Familienmitglieder seien bei ihm gewesen, hieß es.

Der am 29. August 1936 in der Kanalzone in Panama geborene John Sidney McCain stammt aus einer von militärischer Tradition geprägten Familie. Schon mit 17 Jahren ging er an die Akademie der US-Kriegsmarine, wo er wegen schlechter Führung mehrfach kurz vor dem Hinauswurf stand. Zum Admiral wie sein Vater und sein Großvater brachte er es nie.

Kriegsfoto des verwundeten John McCain in Vietnam

APA/AP

Im Oktober 1967 wurde McCain über Hanoi abgeschossen und schwer verletzt

1967 wurde er mit seinem Flugzeug über Nordvietnam abgeschossen. Heldenhaft war seine Weigerung, vor seinen Kameraden aus der Gefangenschaft des Vietcong nach Hause zurückzukehren: McCain verzichtete zugunsten eines anderen Soldaten, der schon länger gefangen war.

Lebenslang von Folter gezeichnet

1973 wurde er in den USA landesweit bekannt, als im Fernsehen ausgestrahlt wurde, wie der damalige Präsident Richard Nixon dem auf Krücken gestützten Soldaten einen Orden anheftete. Zeitlebens war McCain von den Folgen der Verletzungen gezeichnet, die er in Kriegsgefangenschaft erlitt. Weil dabei seine Arme schwer verletzt wurden, konnte er sich nicht einmal mehr selbst die Haare kämmen.

John McCain und Richard Nixon

AP

Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wurde McCain 1973 von Präsident Nixon geehrt

Doch trotz zweier Jahre Isolationshaft und wiederholter Folter während seiner fünfeinhalbjährigen Gefangenschaft, in der er nach eigenen Aussagen einen Suizidversuch unternahm, kam McCain nicht als gebrochener Mann zurück: Schon bald startete er seine politische Karriere.

Vom Militärdienst in die Politik

1981 nahm er Abschied von den Streitkräften. Damals zerbrach auch seine Ehe mit dem Model Carol Shepp. Einen Monat nach der Scheidung heiratete er Cindy Hensley, die Tochter eines vermögenden Brauunternehmers in Phoenix. McCain hat aus beiden Ehen vier leibliche Kinder, ein Adoptivkind und zwei Stiefsöhne.

Ein Jahr später wurde er für den südwestlichen Bundesstaat Arizona zunächst als Abgeordneter in den Kongress und vier Jahre später in den Senat gewählt. Diese Funktion hatte er 31 Jahre lang bis zu seinem Tod inne. Als Senator machte McCain sich vor allem in der Außen- und Verteidigungspolitik einen Namen, er galt als Falke im Bereich der nationalen Sicherheit und war immer wieder auf Missionen des Kongresses an den Krisenherden der Welt unterwegs, ob in Syrien, Afghanistan oder der Ukraine.

John McCain und Sarah Palin

Reuters/Mike Blake

Die Wahl Sarah Palins als „Running Mate“ erwies sich für McCain als Bumerang

Zwei gescheiterte Präsidentschaftskandidaturen

Im Jahr 2000 bemühte sich McCain um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, musste sich in den Vorwahlen aber George W. Bush geschlagen geben, der dann zwei Amtsperioden lange diente. 2008 trat McCain als Präsidentschaftskandidat gegen Barack Obama an und wählte die unerfahrene Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, als Vizekandidatin. Die damals 44-Jährige galt zunächst als „Game Changer“, jemand der das Blatt wenden, die Stimmung für die Republikaner drehen könnte.

John McCain und Barack Obama

Reuters/Jim Bourg

Ein Bild, das um die Welt ging: McCain schlägt nach einer Präsidentschaftsdebatte mit Obama fast den falschen Weg ein

Doch die politische Unwissenheit Palins wurde zum Stolperstein für McCain. So verteidigte Palin ihre außenpolitische Erfahrung etwa damit, dass sie von ihrem Haus in Alaska aus Russland sehen könne. Afrika hielt sie Wahlkampfmanager zufolge für ein Land, keinen Kontinent. Ihr Auftreten schreckte viele Wähler ab und schürte Zweifel an McCains Urteilsvermögen. Zum 44. Präsidenten der USA wurde schließlich Barack Obama gewählt.

Scharfer Kritiker Trumps

Zu Obamas Nachfolger im Amt, Donald Trump, hatte McCain ein angespanntes Verhältnis - er hatte sich bereits im Wahlkampf von ihm distanziert, nachdem sexistische Äußerungen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten öffentlich geworden waren. Bereits zuvor hatte Trump selbst für ein vergiftetes Klima gesorgt, als er den Status des Senators als Kriegsheld in Zweifel zog. „Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?“, sagte Trump und löste einen Sturm der Entrüstung aus.

Im Alter von 81 Jahren gestorben

US-Senator John McCain starb im Alter von 81 Jahren an einem aggressiven Gehirntumor. McCain galt als einer der schärfsten innerparteilichen Kritiker von US-Präsident Donald Trump.

Auch nach Amtsantritt Trumps als Präsident im Jänner 2017 erwies sich McCain als einer dessen schärfsten innerparteilicher Kritiker. Der Senator stellte sich unter anderem gegen Trumps Vorhaben, die Reformen im Gesundheitswesen rückgängig zu machen. Er wandte sich auch gegen Trumps Einreiseverbot gegen Bürger mehrerer muslimischer Länder. Mehrfach kritisierte McCain Trumps Umgang mit der Presse. Nachdem Trump diese als „Volksfeinde“ bezeichnet hatte, sagte McCain: „So fangen Diktatoren an.“

Anfang Mai sprach er sich gegen Gina Haspel, die Trump als CIA-Direktorin vorgeschlagen hatte, aus, weil sie nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Folter gebilligt hatte. US-Medien brachten daraufhin die Äußerung einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses („Es macht nichts, er stirbt sowieso“), die für parteiübergreifende Empörung sorgte.

Memoiren als „schonungslose Abrechnung“

McCains unlängst erschienen Memoiren („The Restless Wave“) wurden als „schonungslose Abrechnung“ mit Trumps Präsidentschaft bezeichnet. Darin gab McCain bekannt, dass er das Steele-Dossier an das FBI weitergegeben habe, in dem eine Zusammenarbeit von Trumps Wahlkampagne mit russischen Stellen behauptet wird.

Das Gipfeltreffen in Helsinki im Juli zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin brandmarkte McCain als einen „Tiefpunkt in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft“ und „eine der schändlichsten Aufführungen eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken“.

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