Luftraumüberwachung vor Neuordnung
Österreichs Luftraumüberwachung steht möglicherweise vor einer Neuordnung. Während im Parlament der bereits zweite Eurofighter-U-Ausschuss ins Finale geht, wird im Verteidigungsministerium in diesen Tagen die Entscheidung über die Zukunft der heimischen Luftraumüberwachung getroffen.
Ob es dabei mit den Eurofightern weitergeht oder die in Österreich seit ihrer Einführung unpopulären Jets ausgemustert und durch ein anderes System wie den schwedischen Saab Gripen ersetzt werden, soll demnächst feststehen. Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) hatte die Entscheidung für Anfang Juli angekündigt.
Gebrauchte Gripen als Option
Laut Georg Mader, Österreich-Korrespondent der internationalen Militärfachzeitschrift „Jane’s Defence“, kämen seriöserweise nur der Gripen oder US-amerikanische F-16 als Eurofighter-Ersatz infrage. Allerdings seien beide Modelle derzeit kaum zu bekommen.
„Das neueste Gripen-Modell kostet kaum weniger als der Eurofighter und ist für Schweden und Brasilien ausgebucht“, so Mader im Gespräch mit der APA. Man könnte also höchstens alte Gripen kaufen oder leasen, so Mader. Alte F-16 seien in Europa derzeit gar nicht auf dem Markt. „Österreich könnte F-16 nur in den USA kaufen, von Trump.“
Der Militärluftfahrtjournalist ortet unter den heimischen Militärs aber ohnehin eine starke gripenfreundliche Fraktion. „In Teilen des Verteidigungsministeriums gibt es immer noch das Gefühl, man hätte damals den Gripen und nicht den Eurofighter kaufen sollen.“
Dringende Saab-Nachfolgefrage
Mader selbst hält wenig von einem Ausstieg aus dem Eurofighter. Der Jet sei besser als sein Ruf, und zum Teil würden einfach Unwahrheiten verbreitet, etwa dass der Eurofighter nachtfluguntauglich sei. „Sollte das Aus für die Eurofighter verkündet werden, stellt sich die Frage, womit Österreichs Luftraumüberwachung bewerkstelligt wird. Eine Nachbeschaffung dauert ja Jahre.“ Die Anschaffung eines alternativen Systems mit 14 bis 16 Stück würde 1,0 bis 1,5 Mrd. Euro kosten, glaubt Mader.
Viel dringender ist laut Mader die Entscheidung über den Ersatz für die seit 1970 eingesetzten Saab 105, die aus Altersgründen spätestens 2020 Geschichte sind. Am besten geeignet seien hier die M345 und die M346 des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo. Auf Vorgängermodellen von Leonardo würden österreichische Eurofighter-Piloten schon jetzt im italienischen Lecce Trainingsflüge absolvieren. Daneben kämen tschechische L-159 und britische Hawks infrage.