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Abschied vom „europäischen Patrioten“

Mit einer letzten - mehr als zwölfstündigen - Reise von Straßburg nach Speyer hat sich Europa am Samstag vom deutschen Altkanzler Helmut Kohl verabschiedet. Ihm zu Ehren fand am Vormittag erstmals in der Geschichte im EU-Parlament ein europäischer Trauerakt statt, bevor der Sarg nach Speyer zu Requiem und Beisetzung transportiert wurde.

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„Helmut Kohl war ein deutscher Patriot, aber auch ein europäischer Patriot“, sagte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Samstag im Europarlament von Straßburg vor dem in eine blaue Europaflagge gehüllten Sarg. „Mit Helmut Kohl verlässt uns ein Nachkriegsgigant.“ Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel nannte Kohl einen großen Brückenbauer. Nun müssten die nächsten Generationen sein Vermächtnis bewahren - den engagierten, unermüdlichen Einsatz für Frieden, Freiheit und Einheit.

Trauerfeier

APA/dpa/Marijan Murat

Der erste europäische Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg

An der Zeremonie nahmen zahlreiche amtierende und frühere Staats- und Regierungschefs teil, darunter Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der frühere US-Präsident Bill Clinton, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, der russische Ministerpräsident Dimitri Medwedew sowie der israelische Premier Benjamin Netanjahu. In der ersten Reihe saß Kohls Witwe, Maike Kohl-Richter.

Per Helikopter in Geburtsstadt gebracht

Kohl war am 16. Juni mit 87 Jahren nach langer Krankheit in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben. Dorthin wurde sein Sarg am Nachmittag aus Straßburg mit dem Helikopter gebracht. Inzwischen mit einer Deutschland-Flagge bedeckt, wurde er durch die Straßen gefahren, damit auch Bürger der pfälzischen Stadt Abschied nehmen konnten. Im Zentrum von Kohls Geburtsstadt standen Menschen links und rechts der Straße und applaudierten. Danach wurde der Sarg mit dem Passagierschiff „Mainz“ einige Kilometer auf dem Rhein nach Speyer gebracht.

Trauerfeier

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Spalier für Helmut Kohls Sarg - nun mit Deutschland-Fahne bedeckt - in Speyer

Requiem im Dom zu Speyer

Im Dom zu Speyer hielt der katholische Bischof Karl-Heinz Wiesemann die Totenmesse, die live auf eine Großleinwand nach draußen übertragen wurde. Zu dem Gottesdienst kamen wie zum Trauerakt am Vormittag neben der deutschen Regierungsspitze erneut zahlreiche hochrangige Politiker sowie insgesamt 1.500 geladene Weggefährten Kohls.

Kohls Witwe saß zwischen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Auch frühere Weggefährten Kohls aus der CDU wie Heiner Geißler oder Norbert Blüm kamen nach Speyer. Rund 600 Menschen verfolgten die Übertragung auf dem Domplatz.

Bill Clinton, Maike Kohl-Richter, Jean-Claude Juncker

APA/AP/Arne Dedert

Kohls Witwe im Dom zwischen Clinton und Juncker

„Wir nehmen Abschied von einem wahrhaft großen Staatsmann“, sagte der Bischof bei dem Requiem. Er drückte der Witwe, aber auch den Söhnen und Enkeln von Kohl sein Mitgefühl aus. „Es ist der Abschied von einem Menschen, mit allem, was Menschsein in Kraft und in Schwäche bedeutet.“

Söhne blieben Trauerfeierlichkeiten fern

Die Söhne Kohls, mit denen sich der Altkanzler bis zuletzt nicht versöhnt hatte, wurden bei dem Trauergottesdienst in Speyer nicht gesehen. Vor allem Kohls älterer Sohn Walter hatte sich kritisch über die Trauerfeierlichkeiten geäußert, weil es keinen nationalen Staatsakt für seinen Vater gab und dieser nicht im Familiengrab in Ludwigshafen beigesetzt wurde.

Trauerfeier

APA/AFP/Tobias Schwarz

Das militärische Ehrenzeremoniell - und damit der öffentliche Teil der Trauerfeierlichkeiten - wurde mit der deutschen Bundeshymne beendet

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es ein militärisches Ehrenzeremoniell der deutschen Bundeswehr auf dem Domplatz. Das Musikkorps spielte vor dem aufgebahrten Sarg unter anderem einen Trauermarsch und zum Abschluss die deutsche Bundeshymne. Die Beisetzung fand schließlich im engen Freundes- und Familienkreis auf dem nahegelegenen Friedhof des Domkapitels statt.

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