Kurs klettert in Richtung 3.000 Dollar
Vor acht Jahren wurde die Kryptowährung Bitcoin erfunden, mittlerweile ist sie viel teurer als Gold. Die Anzeichen für eine Blase mehren sich. Erklärungen für den Hype und seine möglichen Folgen sind rar, eben weil Bitcoin etwas ganz anderes ist als „echtes“ Geld, Aktien oder Edelmetall.
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Der Kurs der Cyberwährung hatte in den letzten Tagen einen Anlauf in Richtung der 3.000-Dollar-Marke genommen, es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis diese fällt. In den letzten zwei Monaten hatte sich der Wert mehr als verdoppelt, die längerfristigen Prognosen sind teils astronomisch.
Was den Kurs treibt
Gründe für den Boom gibt es mehrere. Immer wieder wird etwa der stark wachsende Bitcoin-Handel in China als Kurstreiber genannt. Dazu kommt, dass Japan im April das virtuelle Geld als offizielles Zahlungsmittel anerkannt hat. Die Cyberwährung erfreut sich als Zahlungsmittel aber auch zunehmender Popularität. Sie gilt wegen der fehlenden Kapitalmarktkontrollen schließlich auch als Ausweichwährung - aus welchen Gründen auch immer.
Jedenfalls zeigt der Trend derzeit deutliche Anzeichen einer Spekulationsblase. Der „Economist“ bezifferte den Wert der Kryptowährungen - Bitcoin ist längst nicht mehr die einzige - kürzlich mit rund 80 Mrd. Dollar (etwa 71 Mrd. Euro) und stellte die Frage, was geschieht, „wenn die Bitcoin-Blase platzt“. Schon in der Vergangenheit gab es mehrere Einbrüche, bisher stabilisierte sich der Kurs aber immer - und stieg dann weiter.
Keine Tulpen, kein Gold
Kurstrends wie der aktuelle seien „selten nachhaltig“. Es stelle sich die Frage, ob der Grund eine reine Spekulationsmanie sei oder aber die Kryptowährung eine zunehmend „substanzielle Rolle“ als Zahlungsmittel und Wertanlage spiele. „Anders gefragt: Ist Bitcoin wie eine Tulpe, Gold oder der Dollar - oder etwas ganz anderes?“
Mit der Tulpe verweist das britische Wirtschaftsmagazin auf die Tulpenmanie oder Tulpenblase in den Niederlanden im 17. Jahrhundert. Sie gilt als die erste Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte. Damals wurden Tulpenzwiebeln zu Spekulationsobjekten, die Blase platzte 1637. Das Muster des Vergleichs, den der „Economist“ zieht: eine „spekulative Hysterie“, in der steigende Preise immer mehr Käufer anziehen, egal, was das Anlageobjekt ist. Anders als Tulpen hätten Bitcoins aber einen praktischen Nutzen. Man kann mit ihnen inzwischen so gut wie alles kaufen - „von der Pizza bis zum Computer“.
Bei Weitem kein „sicherer Hafen“
Auch zum Goldhype gebe es einige Parallelen: Goldkäufer misstrauten Regierungen und deren Währungspolitik, „Bitcoinnesseurs tun das auch“, schreibt der „Economist“. Kryptowährungen unterliegen keiner Kontrolle einer Zentralbank. Aber: Sie sind hochvolatil, der Kurs kann sehr stark schwanken, viel stärker als bei Edelmetallen. Keine Rede also von einem sicheren Hafen. Dennoch dienten, etwa wegen Kapitalverkehrskontrollen während der Euro-Krise, Bitcoins als Ausweichwährung. Auch Devisenbeschränkungen in Ländern wie Indien und China werden in diesem Kontext als Kurstreiber genannt.
Viele Zentralbanken und Aufsichtsbehörden sehen die Cyberwährung skeptisch, wenn nicht als Risiko. Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, nannte Bitcoin im Vorjahr eine „extrem problematische Angelegenheit“. Erst kürzlich bekräftigte er seine Skepsis gegenüber der „Presse“ und nannte die gegenwärtige Kursentwicklung „nicht ungefährlich“, da es zum Platzen der Blase kommen könne.
Was, wenn die Blase platzt?
Obwohl Bitcoin nichts mit dem Geldsystem zu tun hat, könne es sehr wohl zu Erschütterungen kommen. Nowotny fühlt sich etwa an die genannte Tulpenblase erinnert. Bevor Zentralbanken selbst virtuelles Geld ausgeben, sind laut seiner Einschätzung nach eine Vielzahl technischer, rechtlicher und vertraglicher Fragen, Sicherheits- und Transparenzthemen, aber auch die Preisgestaltung abzuklären. Auch die US-Börsenaufsicht (SEC) ist vorsichtig. Sie lehnte den Antrag auf Zulassung des ersten börsengehandelten Indexfonds (ETF) wegen mangelnder Regulierung der Kryptowährung ab.
Der „Economist“ fühlt sich angesichts des derzeitigen Hypes am ehesten an die New Economy bzw. die Dotcom-Boom Ende der 1990er Jahre erinnert. Die Blase, in der Börsenwerte von Technologieunternehmen (Dotcoms) weit über ihren substanziellen Wert gestiegen waren, platzte im März 2000. Aber anders als damals und entgegen Nowotnys Meinung schätzt das britische Wirtschaftsmagazin die möglichen Folgen als nicht ganz so drastisch für die globale Wirtschaft ein.
Unterschiedliche Einschätzungen
„Investoren könnten ihr Hemd verlieren.“ Aber die, die Kryptowährungen kaufen, würden auch die Risiken kennen. Und weil diese „noch immer ein ziemlich in sich geschlossenes System sind“, sei eine „Ansteckung“ des Finanzsystems unwahrscheinlich. Die Aufsichtsbehörden sollten wachsam sein, empfiehlt der „Economist“, speziell was Geldwäsche und andere Strafdelikte mittels Cyberwährungen betreffe, aber nicht zu streng. Das könnte nicht nur die Blase zum Platzen bringen, sondern auch den Weg zu nützlicher Innovation verstellen.
Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt und auf Plattformen im Internet gegen klassische Währungen gehandelt. Das Bitcoin-System nutzt dabei die „Blockchain“-Technologie. Dabei handelt es sich um eine verschlüsselte Datenbank, in der alle Transaktionen gespeichert werden.
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