Augen zu, Ohren auf
Nach dem Welterfolg von „Guardians of the Galaxy“ schickt Regisseur James Gunn die bunte Heldentruppe in die zweite Runde. Satirische Elemente gibt es wie bereits im ersten Teil zuhauf, dieses Mal allerdings funktionieren sie weniger gut. Und so bleibt die Comicverfilmung „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ ein weitgehend unspektakuläres Sequel - mit Ausnahme des ungewöhnlichen Soundtracks.
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Der Weltraumplünderer Peter Quill alias Star-Lord (Chris Pratt), die giftgrüne Attentäterin Gamora (Zoe Saldana), der stets oberkörperfreie Drax „Der Zerstörer“ (Dave Bautista), der Waschbär Rocket (mit der Stimme von Bradley Cooper) und natürlich das Baumwesen Groot (Vin Diesel) – als Babyversion – stehen schon in der Eröffnungsszene bereit, die Galaxie gegen Bedrohungen zu verteidigen.

Marvel Studios 2017
Gamora, ihre Schwester Nebula (Karen Gillan), Quill und Drax stehen allzeit zur Verteidigung des Universums bereit (v. l.)
Aufgereiht auf einer Landeplattform werden die fünf Helden von einem wurmartigen, fleischfarbenen Tentakelmonster angegriffen. Eigentlich attackieren nur vier der Guardians das Vieh, denn Baby Groot ist in der Fortsetzung nur zehn Zentimeter groß und ein unbeholfenes Kleinkind mit Kulleraugen. Er spielt lieber mit dem Verstärker und lässt „Mr. Blue Sky“ vom Electric Light Orchestra erklingen. Als die Action losgeht, verschwimmt der Kampf im Hintergrund, während der Fokus auf den kleinen Baum gelegt wird, der vergnügt zur Musik tanzt.
Nippel und Schmalz
Eine Actionszene der anderen Art, die durchaus Hoffnungen auf einen originellen Film aufkommen lässt. Die ersten Dialoge dämpfen diese Erwartungen allerdings. Als Gamora Drax fragt, warum er seinen Schutzanzug nicht trägt, antwortet dieser: „Ich habe empfindliche Nippel.“ In dieser Tonart geht es - bedauerlicherweise - auch die restlichen zwei Stunden des Films weiter.

Marvel Studios 2017
Ego ist Peter Quills leiblicher Vater und verbirgt ein großes Geheimnis
Haupthandlung ist eine eher schmalzige Vater-Sohn-Saga. Quills Geburtsvater Ego (Kurt Russell) findet seinen verlorenen Sohn wieder, was den Star-Lord in einen emotionalen Zwiespalt zwischen zwei Vaterfiguren bringt. Denn aufgezogen wurde Quill von dem blauhäutigen Yondu Udonta (Michael Rooker), einem Rebellenführer. Auch die hartherzige Gamora, die die eigene Schwester für Kopfgeld gefangen hält, muss sich mit ihrem Schwesternkomplex auseinandersetzen.
Abseits des Vater-Sohn-Dramas steht der freche Rocket im Mittelpunkt. Er stiehlt der Hohepriesterin des goldhäutigen Volkes der Sovereign aus Jux wertvolle Batterien, die sich dann auch die Ravagers unter den Nagel reißen wollen. Das garantiert spektakuläre Kampfszenen, wilde Verfolgungsjagden mit Raumschiffen und „coole“ Sprüche der Protagonistinnen und Protagonisten.
„Wham Bam Shang A Lang“
Und doch gibt es einen Lichtblick inmitten der bemühten Witze und platten Handlung: Eine Kassette mit der Beschriftung „Awesome Mix Vol. 2“. Die pointierte Musikauswahl hatte sich bereits im ersten Teil bewährt: Der von Marvel Music herausgebrachte Soundtrack war der erste, der für den Grammy nominiert wurde, obwohl er sich ausschließlich aus bereits zuvor veröffentlichten Songs zusammensetzte.
Mit dem zweiten Teil brachte Regisseur Gunn eine neue Auswahl an Songs. So ist eine Verfolgungsjagd durch das Weltall mit Silvers „Wham Bam Shang A Lang“ unterlegt, und als Quill und die anderen das erste Mal auf Egos gottähnlichem Planten landen, erklingt George Harrisons „My Sweet Lord“. Und die Zuschauer und Zuschauerinnen bekommen in einer dramatischen Szene zwischen Ego und Quill Cat Stevens „Father And Son“ vorgespielt. Denn „jeder Song passt genau zu der Szene, in der er zu hören ist“, so der Regisseur.
Durchdachtes Mixtape
Zwischen dem ersten und zweiten Teil liegen - außer in musikalischer Hinsicht - Galaxien. Während der erste Teil sich überraschenderweise als eine moderne Version von Mel Brooks‘ „Spaceballs“ erwies, wirkt „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ nur noch wie ein aufgeblasener Abklatsch einer bereits hundertmal erzählten Geschichte mit einem Humor, der schnell auf die Nerven geht.
Davon abgesehen bildet der Soundtrack ein gut durchdachtes Mixtape, bestückt mit amerikanischen Rockklassikern, Schmankerln aus der Country-Ecke, aber auch unbekannteren Songs aus den 70ern, die sowohl Rockherzen als auch Antirocker zum Mitwippen zwingen. Also, Augen zu und Ohren auf.
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Yasmin Szaraniec, für ORF.at