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Inszenierung im Netz als Ass im Ärmel

Vor wenigen Jahren ist Borut Pahor noch vor den Trümmern seiner politischen Karriere gestanden. Nun ist der heutige Präsident Sloweniens in seiner Heimat äußerst populär - nicht zuletzt wegen seiner Postings in den Sozialen Netzwerken. Die sehr persönlichen und mitunter hüllenlosen Einblicke Pahors begeistern seine Anhänger. Kritiker werfen ihm hingegen Populismus vor.

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Dem Sozialdemokraten kommt bei seinen Postings auf der Fotoplattform Instagram zugute, dass er während seiner Studienzeit als Model arbeitete, wie slowenische Medien berichteten. Auch als Staatschef kommuniziert Pahor gerne über Bilder - und gibt dabei viel preis.

Running Gag „Boruting“

Ein inzwischen sehr bekanntes Bild zeigt Pahor etwa mit nacktem Oberkörper am Strand liegend, auf seiner Schulter ein Klebetattoo in Form eines Delfins. Pahor mit Supermodel Naomi Campbell, Pahor mit U2-Frontmann Bono, Pahor beim Schwimmen, beim Fußballspielen und Laufen.

Delfinček, obliž na poškodovano ramo. #pacug #president #pahor #summer #temptattoo #slovenia

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Pahor beim Posen - eine Beschäftigung, die ihm den Spitznamen „Barbie“ einbrachte. Der Staatschef war sogar Anstoß für einen Running Gag unter den slowenischen Usern: Als er vergangenes Jahr ein Bild von sich, lehnend an einem marmornen Treppengeländer mit den Wort „Heimweh in Kairo“ postete, inspirierte er viele Slowenen dazu, die Pose zu imitieren. Unter dem Hashtag „#boruting“ posteten sie Bilder von Menschen in ähnlicher Haltung und Katzen, die auf Treppengeländern liegen.

Der slowenische Präsident Borut Pahor in Ägypten

APA/AP/Presseabteilung der slowenischen Präsidentschaft/Klemen Horvat

„Heimweh in Kairo“: Das Foto sorgte für viel Resonanz in den Sozialen Medien. Spott war ebenso wie Lob vertreten.

Mit seinen persönlichen Fotos sammelte er auf Instagram mehr als 24.000 Follower - in einem Land mit zwei Millionen Einwohnern. Nicht zuletzt deswegen errang Pahor 2012 überraschend den Wahlsieg. Seine Kampagne war stark auf seine Persönlichkeit und Wirkung zugeschnitten.

Vom Müllwagen ins Präsidentenamt

Zwei Monate lang verbrachte er jeweils einen Arbeitstag in verschiedenen Berufen, um den Wählern „nicht nur was zu erzählen, sondern von ihnen auch was zu hören“. So arbeitete er als Straßenbauer, Müllmann, Altenpfleger, Schwimmlehrer, Förster, Journalist und Friseur.

Der slowenische Präsident Borut Pahor als Müllmann

APA/AP/Presseabteilung der slowenischen Präsidentschaft/Petra Arsic

Pahor (r.) als Müllmann: Wochenlang probierte der Kandidat verschiedene Berufe medienwirksam aus

Zuvor war er als Regierungschef noch glücklos gescheitert: Die Regierungskoalition war zerfallen, auch die Minderheitsregierung stürzte. Es folgten die ersten vorgezogenen Neuwahlen in der Geschichte Sloweniens im Dezember 2011, Pahors Sozialdemokraten erlitten dabei eine Niederlage. Danach saß er als einfacher Abgeordneter im slowenischen Parlament.

Bei der Präsidentenwahl gelang Pahor aber ein Erdrutschsieg. Seit seinem politischen Comeback postet er kontinuierlich Ereignisse aus dem Berufs- und Privatleben - wohl auch im Hinblick auf die kommende Wahl Ende des Jahres. Pahor erklärte bereits, erneut antreten zu wollen.

„Populismus light“

Die Slowenen scheinen seiner Offenheit großteils zuzustimmen. Einer Umfrage zufolge, die die Nachrichtenagentur AP zitierte, haben 52 Prozent der Slowenen eine positive Meinung von Pahor, nur 16 eine negative Haltung. Kritiker halten Pahors Zurschaustellung für populistisch. Für den Politikberater Marko Rakar ist die Instagram-Aktivität harmlos und auch nicht vergleichbar mit den Twitter-Mitteilungen des US-Präsidenten Donald Trump: „Instagram ist keine Kommunikationsplattform für politische Botschaften“, so Rakar. Pahor „versucht bloß, sich als liebenswürdige Person mit vielen Aktivitäten darzustellen“. Das sei „Populismus light“.

Laut dem Magazin „Politico“ betreut Pahor seinen Instagram-Account persönlich mit. Dabei wird er von Assistenten unterstützt, jedoch nicht von einer externen PR-Firma. Der AP sagte er, das Web sei in Zeiten des Misstrauens gegen die Politik ein Weg, junge Menschen zu erreichen. Das Risiko seiner Inszenierungen, populistisch zu sein, sehe auch er. „Ich akzeptiere dieses Risiko. Aber es gibt einen Unterschied zwischen negativem und positivem Populismus“, so Pahor.

Politiker als Internetstars

Inzwischen versuchen viele Politiker weltweit über die Sozialen Netzwerke mit Wählern zu kommunizieren und sie zu binden. Schon der ehemalige US-Präsident Barack Obama hatte Erfolg mit seiner Mobilisierung im Netz. Für seinen Nachfolger Trump ist die Kurznachrichtenplattform Twitter das Mittel der Wahl. Direkte Botschaften gehen meist via Twitter an Menschen und Medien. In Kanada ist Premier Justin Trudeau der Politstar der Sozialen Netzwerke. Jugendbilder, Staatsbesuche und Wahlkampfauftritte werden mehrmals die Woche auf Instagram gepostet. Als kürzlich auf Twitter alte Fotos von Trudeau auftauchten, gingen sie um die Welt.

In Österreich wenig Politaktion auf Instagram

Auch in Österreich sind Politiker immer mehr auf Instagram aktiv. Für Aufsehen sorgte etwa nach Amtsantritt Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) mit seinem Account, auf dem Hochglanzfotos nach Vorbild Obamas erschienen. Damals sagte SPÖ-Geschäftsführer Georg Niedermühlbichler dazu gegenüber Ö1, Kern gehe es darum, Einblick in seine Arbeit zu gewähren, „seine Themen klarzumachen. Was die FPÖ macht auf ihrer Facebook-Seite ist doch mehr noch Propaganda-orientierter.“

Kerns Instagram-Profil hat inzwischen rund 9.800 Follower. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat auf der Fotoplattform keine 4.000 Abonnenten. Auf Facebook ist er mit knapp 553.000 Likes hingegen Spitzenreiter der österreichischen Politik.

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