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Angeblich gleiche Gruppe wie in USA

Mehrere Behörden und Institutionen in Norwegen sind laut Geheimdienstangaben Opfer von Cyberspionage geworden. Das wurde Anfang Februar 2017 bekannt. Insgesamt seien neun E-Mail-Konten Zielscheibe des Spear-Phishing gewesen, mit dem wichtige Daten abgegriffen werden sollten, sagte der Vertreter des norwegischen Inlandsgeheimdienstes (PST), Arne Christian Haugstöyl, dem Sender TV2.

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Er machte die Hackergruppe APT 29 für die Attacken verantwortlich, die auch im Verdacht steht, sich massiv in den US-Wahlkampf eingemischt zu haben. Ihr werden Verbindungen mit Moskau nachgesagt.

Opfer der Attacken waren neben dem PST selbst das Außenministerium, das norwegische Militär, die norwegische Strahlenschutzbehörde, eine Schule sowie die Fraktion der oppositionellen Arbeiterpartei. Unklar sei derzeit noch, was genau das Ziel der Ausspähversuche gewesen sei, sagte der Geheimdienstvertreter. Laut PST-Sprecher Martin Bernsen glauben die Behörden aber nicht, dass die Hacker an „vertrauliche Informationen“ gekommen seien.

Info von Verbündetem

Oslo wurde laut den PST-Vertretern von einem verbündeten Land auf die Hackeraktivitäten hingewiesen. Auch sie erklärten, die Gruppe habe „Verbindungen mit den russischen Behörden“. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern, die eine gemeinsame Landgrenze haben, sind bereits angespannt. Norwegen bestellte den russischen Botschafter ins Außenministerium ein, um sich darüber zu beschweren, dass zwei norwegischen Parlamentsabgeordneten die Visa für Russland verweigert wurden.

Moskau habe die Visa als Vergeltung für norwegische Sanktionen, die das Land nach der Annexion der Krim durch Russland gegen Moskau verhängt hatte, blockiert. Das sei ein „ungerechtfertigter“ Schritt. Abgeordnete der oppositionellen Sozialdemokraten waren zuvor laut norwegischen Angaben vom russischen Oberhaus eingeladen worden.

„Geheimdienstdruck hoch“

Zwei Tage vor der Informierung der Öffentlichkeit hatte der Inlandsgeheimdienst die sozialdemokratische Parlamentsfraktion über den versuchten Hackerangriff informiert. Dieser fand den Angaben zufolge bereits in der zweiten Jahreshälfte 2016 statt.

Im jährlichen Gefahrenbericht des Geheimdiensts wurde zudem vor gestiegener Bedrohung durch russische Geheimdienste gewarnt. „Geheimdienstdruck von anderen Staaten, insbesondere von Russland, war in den vergangenen Jahren hoch und stabil“, betonte PST-Che Marie Benedicte Bjornland laut der norwegischen Nachrichtenwebsite The Local. „Die Geheimdienstaktivitäten insbesondere Russlands haben das Potenzial, gefährlicher als früher zu sein.“

Russland sieht „Hexenjagd“

Auf ihrer Facebook-Seite sprach die russische Botschaft wörtlich von einer „Hexenjagd“, mit der die Zeit des Kalten Kriegs wieder heraufbeschworen werden solle. Im Oktober passierte eine russische Marineflotte auf dem Weg nach Syrien Norwegen und andere NATO-Staaten. Kurz darauf gab Oslo die - für Friedenszeiten völlig ungewöhnliche - vorläufige Stationierung von 300 US-Soldaten auf norwegischem Boden bekannt.

NATO warnt vor Hacks in Wahlkämpfen

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte im vergangenen Monat die Sorge über mögliche Datenmanipulationen bei Wahlkämpfen bekräftigt: Regierungen verschiedener Mitgliedsstaaten befürchteten, „dass Hacker versuchen werden, sich in nationale Wahlkämpfe einzumischen“, sagte der ehemalige norwegische Ministerpräsident der Zeitung „Die Welt“. „Damit würden sie die Demokratie unterminieren.“ In Norwegen wird am 11. September ein neues Parlament gewählt.

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