Guzmans Anwälte „überrascht“
Monatelang haben die USA mit Mexiko über eine Auslieferung von Joaquin „El Chapo“ Guzman verhandelt. Am Donnerstag ging dann alles überraschend schnell: Unmittelbar nach der Abweisung neuerlicher Einsprüche Guzmans gegen die Auslieferung wurde der 59-Jährige unter schweren Sicherheitsvorkehrungen zum Flughafen gebracht und in die USA ausgeflogen.
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Gegen Guzman lagen zwei Auslieferungsersuchen vor, eines aus Kalifornien und eines aus Texas. Die Behörden in den beiden US-Bundesstaaten werfen „El Chapo“ Mord und Drogenhandel vor und wollen ihn deshalb vor Gericht stellen. Das US-Justizministerium erklärte, gegen Guzman gebe es insgesamt sechs Klagen.

AP/U.S. law enforcement
Guzman bei der Ankunft auf dem Flughafen von Long Island
Erstes Ziel für „El Chapo“ in den USA war aber der Macarthur-Flughafen von Long Island im US-Bundesstaat New York. Von dort wurde der einst zu den mächtigsten Kartellchefs der Welt zählende Guzman US-Medienberichten zufolge in das Metropolitan Correctional Center von Manhattan gebracht. In Brooklyn steht noch am Freitag der erste Termin bei einem Bundesrichter an, wie unter anderem der TV-Sender ABC berichtete.
Alle Rechtsmittel in Mexiko ausgeschöpft
Die erfolgte Auslieferung Guzmans wurde vom US-Justizminister bestätigt. In einer Erklärung dankte die Behörde der mexikanischen Regierung für die Zusammenarbeit. Das mexikanische Außenministerium hatte einer Auslieferung des Drogenbosses ins Nachbarland an sich bereits im vergangenen Mai zugestimmt. In der Erklärung des Ministeriums von Donnerstag hieß es nun, Guzman habe alle Rechtsmittel ausgeschöpft und sei deshalb an die USA überstellt worden.
Einer von Guzmans Anwälten, Andres Granados, schloss nach der Ablehnung der Einsprüche durch das oberste Gericht nicht aus, dass er nach einer Prüfung der Ablehnungsgründe den interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof anrufen werde. Anwältin Silvia Delgado sprach im Sender Milenio von einer „illegalen“ Vorgehensweise der mexikanischen Justiz, da die Prüfung der Einsprüche noch im Gange sei. Sie seien von den Ereignissen „überrascht“ worden.
Mehrmals aus Gefängnis ausgebrochen
„El Chapo“ saß in einem Gefängnis in Ciudad Juarez an der Grenze zu den USA ein. Er war nach einem Gefängnisausbruch und 13 Jahren auf der Flucht im Februar 2014 gefasst worden. Er wurde ins Hochsicherheitsgefängnis Altiplano nahe Mexiko-Stadt gesperrt - und entkam im Juli 2015 in einer filmreifen Aktion durch einen Tunnel. Im Jänner vergangenen Jahres wurde er in seinem Heimatbundesstaat Sinaloa erneut festgenommen und inhaftiert.
Mexiko hatte sich lange gegen die Auslieferung des Drogenbosses an die USA gewehrt. Staatspräsident Enrique Pena Nieto hatte stets gesagt, dass „El Chapo“ von einem mexikanischen Gericht verurteilt werden solle. Die erneute Flucht des Drogenbosses 2015, für die dieser auch Helfer in den Reihen der Sicherheitskräfte gehabt haben muss, führte aber offensichtlich zum Sinneswandel.
Geschenk für Obama?
Beobachtern zufolge ist es möglicherweise kein Zufall, dass Guzman unmittelbar vor der am Freitag anstehenden Vereidigung von Donald Trump als neuer US-Präsident ausgeliefert wurde. Eine Auslieferung unter Trump hätte angesichts der Drohgebärden des Republikaners Richtung Mexiko als Annäherungsversuch verstanden werden können, sagte etwa der mexikanische Analyst Alejandro Hope.
Andere sprachen von einem „Geschenk“ für US-Präsident Barack Obama, der am Freitag seinen letzten Amtstag hat und einer Retourkutsche für Trump, der einmal über illegal einwandernde Mexikaner sagte: „Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität mit sich. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, so vermute ich, sind gute Menschen.“
Die Rede ist aber auch von einem „Einstandsgeschenk“ für Trump. Die Auslieferung sei ein Beweis für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen beiden Nationen, sagte etwa der Chef der mexikanischen Regierungspartei PRI, Enrique Ochoa Reza. Auch der Analyst Leo Zuckermann wertet die Überstellung des Kartellbosses an die US-Behörden als Zeichen des guten Willens. „Die Botschaft ist: Mit Kooperation zwischen euch und uns können wir gute Resultate erzielen.“
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