Leiche soll obduziert werden
Die Musikwelt trauert um George Michael. Überraschend starb der Brite am Sonntag im Alter von nur 53 Jahren. Der Exzentriker, der mit der Band Wham! berühmt wurde und später auch als Solokünstler große Erfolge feierte, wurde als brillanter Musiker gewürdigt. Zur Todesursache gab es keine offiziellen Angaben - um Spekulationen vorzubeugen, soll Manager Michael Lippman von Herzversagen gesprochen haben.
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Mit dieser Angabe wurde Lippman von praktisch allen Medien in Großbritannien und darüber hinaus zitiert, nachdem er zunächst im Interesse der Angehörigen um Verständnis gebeten hatte, dass man ihre Privatsphäre „in dieser schwierigen Zeit“ respektieren solle. Gebeten wurde zudem um Verständnis, dass man „zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Kommentare geben könne“, wie es in der ersten Mitteilung in der Nacht auf Montag hieß.
Fremdverschulden ausgeschlossen
„Mit großer Trauer bestätigen wir, dass unser geliebter Sohn, Bruder und Freund George während der Weihnachtstage zu Hause friedlich entschlafen ist“, teilte Lippman zudem mit. Noch am Sonntag war die Polizei in ein Anwesen im Ort Goring-on-Thames in Oxfordshire, etwa 90 Kilometer von London entfernt, gerufen worden. Fremdverschulden wurde ausgeschlossen, eine Obduktion werde folgen, hieß es.

Daniel Leal-Olivas
Fans legten Blumen vor das Haus von Michael im Norden Londons
Michael galt mit seinem modischen Mut und innovativen Videoclips auch als Stilikone. In seiner fast 40-jährigen Karriere soll er mehr als 100 Millionen Alben verkauft haben. Zuletzt arbeitete er gemeinsam mit dem Produzenten Naughty Boy an einem neuen Album.
Durchbruch mit Wham!
Seine Karriere begann Georgios Kyriakos Panagiotou, der Sohn einer Britin und eines griechisch-zypriotischen Vaters, mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley. Sie gründeten das Duo Wham! 1981. Schon das erste - vergleichsweise funkige - Album „Fantastic“ erreichte in Großbritannien die Spitze der Charts.
1984 sollte dann das Jahr des Duos werden. Die Single „Wake Me Up Before You Go-Go“ wurde ein weltweiter Nummer-eins-Hit. Wenige Monate darauf erschien „Careless Whisper“ – allerdings als Soloprojekt Michaels. Der Song war ebenso erfolgreich wie die Single „Freedom“, wieder ein Bandprojekt. Schließlich folgten das Album „Make It Big“ und der Song „Last Christmas“ - in Großbritannien als Doppel-A-Seite mit „Everything She Wants“.

AP
Michael mit seinem Duopartner Ridgeley
Duo schrieb Musikgeschichte - und löste sich auf
Der ewige Weihnachtshit scheiterte 1984 in den Charts allerdings an übermächtiger weihnachtlicher Konkurrenz und kam über den zweiten Platz nicht hinaus. Zunächst besetzte „The Power of Love“ von Frankie Goes to Hollywood den Nummer-eins-Platz, dann setzte sich „Do They Know It’s Christmas?“ von Band Aid an die Spitze. Im Jahr danach schieben Wham! einmal mehr Musikgeschichte, als die Band als erster westlicher Popact in der damals noch isolierten Volksrepublik China auftrat. Damit konnten Wham! Bands wie die Rolling Stones und Queen ausstechen.
Wham! veröffentlichten 1986 „Music from the Edge of Heaven“ und lösten sich noch im selben Jahr mit der Best-of-Platte „The Final“ auf. Ridgeleys Soloversuch floppte. Heute genießt er mit Bananarama-Sängerin Keren Woodward das britische Landleben.
Erfolgreiche Solokarriere mit Ablaufdatum
George Michael katapultierte sich hingegen mit „Faith“ 1987 in die erste Liga britischer Popstars. Schon 1990 rechnete er im Video des Songs „Freedom“ mit der Inszenierung aus „Faith“ ab. Mit Elton John veröffentlichte er 1991 das Duett „Don’t Let the Sun Go Down on Me“.
Es war der letzte Riesenhit: Bis 1996 landete er noch einige Erfolge - er galt weiter als Superstar, die großen Superhits gab es aber kaum mehr. Zudem verwickelte er sich in einen Rechtsstreit mit seiner Plattenfirma.

Reuters/Dylan Martinez
Michael bei einem Liveauftritt im Londoner Wembley-Stadion 2007
Gleichzeitig erlebte Michael einige persönliche Schicksalsschläge - vor allem der Tod seiner Mutter und seines Lebensgefährten stürzten ihn in tiefe Krisen. Michael litt an Depressionen, Drogenprobleme folgten.
1998 wurde er in Los Angeles auf einer öffentlichen Toilette bei der Suche nach einem Sexpartner verhaftet. Als Homosexueller geoutet, versuchte Michael seine Karriere fortzusetzen – mit wechselndem Erfolg. Den Vorfall thematisierte Michael nur wenige Monate später im Song „Outside“ und dem dazugehörenden Video. Mit Humor und Offenheit sang er gegen Homophobie und Repressionen gegen Homosexuelle an.
Behandlung im Wiener AKH
Vor fast genau fünf Jahren war Michael dem Tod gerade noch entronnen. Im November 2011 musste der Superstar ein Konzert in der Wiener Stadthalle aus Krankheitsgründen absagen. Eine Lungenentzündung brachte ihn dem Tode nahe.
Im Wiener AKH lag er damals nach eigenen Angaben drei Wochen lang im Koma, erst zu Weihnachten konnte er wieder nach Hause nach London zurückkehren. Im September 2012 kam er zurück nach Österreich zu einem triumphalen Konzert in der Wiener Stadthalle und bedankte sich bei den behandelnden Ärzten und den Pflegern des AKH.

APA/AFP/Evert Elzinga
Michael bei einem Auftritt 2007 in Belgien
„Das ist einfach, wie ich bin“
Seine Erfahrungen im Krankenhaus verarbeitete er in dem Lied „White Light“, mit dem er auch bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele 2012 in London auftrat. 2013 löste ein schwerer Sturz aus seinem von einem Chauffeur gesteuerten Range Rover erneut Besorgnis aus.
In Interviews äußerte sich Michael offen über seine Probleme. Einmal sagte er dem „Guardian“, die Leute sähen ihn wegen seiner sexuellen Vorlieben und seiner Drogenprobleme gerne als „tragisch“ an; er glaube, seine Schwächen sorgten dafür, dass sie weniger neidisch auf ihn seien. „Ich selbst betrachte sie nicht mehr als Schwächen - das ist einfach, wie ich bin“, fügte er hinzu.
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