Auf der Suche nach Unterstützern
Nach dem Tod des mutmaßlichen Terroristen Anis Amri konzentrieren sich die Ermittlungen auf mögliche Helfer des Attentäters von Berlin. In Tunesien wurde eine mögliche Terrorzelle ausgehoben - verhaftet wurde auch der Neffe Amris, der Geld von diesem erhalten haben soll.
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Drei Männer wurden in Tunesien festgenommen, die mit Amri in Verbindung gestanden sein sollen. Sie seien zwischen 18 und 27 Jahre alt, teilte das tunesische Innenministerium am Samstag in Tunis mit.
Amri war in der Nacht zu Freitag in Sesto San Giovanni bei Mailand in Italien nach einem Schusswechsel mit der Polizei getötet worden. Der Tunesier war 2015 nach Deutschland gekommen. Er ist nach Überzeugung der Ermittler der Mann, der am Montagabend mit einem gestohlenen Sattelzug in einen Weihnachtsmarkt in Berlin raste. Bei dem Attentat starben zwölf Menschen, 53 wurden teilweise lebensgefährlich verletzt.
Neffen angeblich angestiftet
Der Neffe Amris soll nach Angaben tunesischer Sicherheitskräfte gestanden haben, dass er mit dem mutmaßlichen Attentäter auf einem verschlüsselten Weg über eine Nachrichten-App in Kontakt gestanden sei. Sein Onkel habe gewollt, dass er der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue schwöre.
Der Neffe sagte dem Innenministerium zufolge außerdem, dass er von Amri Geld erhalten habe, damit er nach Deutschland kommen könne, um sich dort einer Gruppe anzuschließen, die Abu Al-Walaa Battalion heißt. Amri erzählte laut Angaben seines Neffen, dass er ein Anführer dieser Gruppe sei. Der im November festgenommene Abu Walaa gilt als salafistischer Chefideologe und mutmaßlicher Unterstützer der Terrormiliz IS.
Frage nach Abschiebung
Das Ministerium in Tunis bezeichnete die drei Männer als eine Terrorzelle, die Sicherheitskräfte bereits am Freitag nahe der Stadt Kairouan ausgehoben hätten. In dieser Region lebt auch die Familie von Amri. Kairouan gilt als Salafistenhochburg.
Die Festnahmen der drei Männer werfen indes neue Fragen auf - vor allem nach Helfern in Tunesien mit Verbindungen nach Europa. Kritiker monieren zudem, dass Amri als Gefährder galt, aber zuletzt nicht mehr observiert wurde und auch nicht abgeschoben.
De Maiziere unter Zugzwang
Eine verdeckte Überwachung dürfte jedoch lediglich Hinweise geliefert haben, dass Amri als Kleindealer für Drogen tätig sein könnte. Es gab aber keine Hinweise auf den ursprünglichen Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere sagte der deutschen „Bild am Sonntag“: „Es gibt bisher juristisch keine ausreichende Möglichkeit, jeden dieser Gefährder rund um die Uhr überwachen zu lassen.“
Abschiebungen scheitern zudem oft an der Kooperation der Herkunftsländer. Bei Amri fehlten die Papiere. Tunesien bestritt auch zunächst Amris Herkunft. So trafen Ersatzpapiere erst nach dem Anschlag ein.
Protest in Tunesien
Gegen die Rückkehr von Dschihadisten in ihr Land haben am Samstag auch Hunderte Tunesier vor dem Parlament in Tunis protestiert. Mehrere Nichtregierungsorganisationen hatten zu der Demonstration aufgerufen, an der laut Veranstaltern rund 1.500 Menschen teilnahmen. Anlass waren Äußerungen von Präsident Beji Caid Essebsi, wonach die Behörden die Rückkehr von Dschihadisten nicht verhindern könnten.

AP
Proteste: Tunesier gegen die Rückkehr von Dschihadisten ins Land
Über Chambery nach Italien
Auch in Italien wird nach weiteren Hinweisen und möglichen Helfern gesucht, nachdem noch unklar ist, warum Amri in die Kleinstadt Sesto San Giovanni nahe Mailand reiste - und wie er nach dem Anschlag durch drei Länder reisen konnte. Zumindest seine Reiseroute wird langsam klarer: Amri gelangte französischen Medieninformationen zufolge mit dem Zug über Lyon und Chambery nach Italien. Am vergangenen Donnerstag habe er in Lyon das Ticket für Italien gekauft, berichtete die Wochenzeitung „Journal de Dimanche“ mit Verweis auf eine hochrangige Quelle im Pariser Innenministerium.
Amri habe einen zweiten Zugsfahrschein nach dem Umsteigen in Chambery in einem nach Mailand führenden Hochgeschwindigkeitszug in bar gelöst, ergänzte der Radiosender Europe 1. Staatspräsident Francois Hollande sei am Donnerstag ebenfalls in Chambery in der Region Savoyen gewesen, um ein Krankenhaus einzuweihen. Wegen dieses Besuches seien Kontrollen am Bahnhof nicht vorrangig gewesen, so der Sender. Ermittler werteten Aufnahmen von Überwachungskameras der Bahnhöfe Lyon Part-Dieu und Chambery aus. Wie der Terrorverdächtige nach Lyon kam, sei noch nicht bekannt.

Grafik: APA/ORF.at
Polizist aus Spital entlassen
Nach Abgaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA sind deutsche Ermittler mit ihren Kollegen in Mailand zusammengekommen. Unter anderem soll auch untersucht werden, ob die Waffe, die Amri bei seinem Tod bei sich getragen und aus der er Schüsse auf zwei italienische Polizisten abgefeuert hatte, dieselbe ist, mit der in Berlin der Fahrer des gestohlenen polnischen Lkw erschossen wurde.
Der italienische Polizist, der von Amri angeschossen wurde, konnte am Samstag das Spital in der lombardischen Stadt Monza verlassen. Der 36-Jährige aus der Provinz Udine war an der Schulter operiert worden. „Er ist wohlauf und freut sich auf das Weihnachtsfest mit seiner Familie“, teilte der Direktor des Krankenhauses, Matteo Stocco, mit.
Sicherheitsmaßnahmen erhöht
In Italien und im Vatikan wurden nun die Sicherheitsmaßnahmen zum Weihnachtsfest erhöht. Lastwagen durften nicht in die Innenstadt fahren und Anti-Terror-Einheiten der Polizei mit Maschinenpistolen errichteten Kontrollposten vor Sehenswürdigkeiten, wo sich üblicherweise große Menschenmengen versammeln. Auf den Straßen zum Vatikan waren im Abstand von rund 100 Metern Polizei- und Militärfahrzeuge positioniert. Auch in anderen Ländern Europas, wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland verstärkte die Polizei ihre Präsenz.
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