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Polizei alarmiert

Die Polizei hat Zweifel daran, ob der festgenommene Pakistaner für den Anschlag am Montagabend auf den Weihnachtsmarkt bei der Berliner Gedächtniskirche verantwortlich ist. Der als Verdächtiger festgenommene 23-jährige Flüchtling aus Pakistan sei „eventuell auch nicht der Täter“, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank am Dienstag.

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Zuvor hatte bereits der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt gesagt, es sei unsicher, dass der Festgenommene der Täter gewesen sei. Die Ermittler müssten sich „mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Festgenommene eventuell nicht der Täter war oder zur Tätergruppe gehörte“, sagte Frank. Auch sei unklar, ob es einen oder mehrere Täter gebe. Es sei möglich, dass immer noch ein bewaffneter Täter unterwegs ist. Auch die Tatwaffe sei nicht gefunden wurden. Man befinde sich im höchsten Alarmzustand.

DNA-Proben werden abgeglichen

Die Ermittlungen würden noch andauern, so der Polizeipräsident. Es würden unter anderem DNA-Proben mit Spuren in dem Sattelschlepper abgeglichen, und der Mann werde auf Schmauchspuren, also Rückstände von Schießpulver, an den Händen untersucht. Laut „Spiegel“ wurden derlei Spuren bei dem Festgenommenen nicht gefunden. Zudem werde der polnische Fahrer obduziert. Auch eine Tätergruppe im Hintergrund sei nicht auszuschließen.

Der Lkw, mit dem der Anschlag verübt wurde, beim Abtransport

Reuters/Fabrizio Bensch

Der polnische Lkw wird vom Tatort gebracht

Die Polizei hatte die Bevölkerung bereits zuvor wieder zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. „Der festgenommene Tatverdächtige streitet derzeit die Tat ab“, twitterte die Polizei. „Wir sind daher besonders wachsam. Seien Sie es bitte auch.“ Und: „Gehen Sie verdächtigen Beobachtungen zu Ihrer eigenen Sicherheit bitte nicht selbst nach - dafür sind wir da.“ Zuvor hatte die „Welt“ unter Berufung auf hochrangige Polizeikreise berichtet, dass der wahre Täter noch bewaffnet und auf freiem Fuß sei. „Wir haben den falschen Mann“, zitierte die Zeitung die Polizei.

23-Jähriger aus Pakistan festgenommen

Am Montag war gegen 20.00 Uhr ein Lkw auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern mit hoher Geschwindigkei in die Menge auf dem Weihnachtsmarkt gefahren - zwölf Menschen starben. Sieben Opfer wurden bereits identifiziert. Unmittelbar nach dem Attentat wurden 49 Menschen in Krankenhäuser gebracht. 25 Patienten befinden sich weiter in stationärer Behandlung, 14 von ihnen sind schwer verletzt.

Ein Mann, der den Lkw gefahren haben soll, wurde wenig später festgenommen. Bei ihm soll es sich um einen 23-jährigen Asylwerber aus Pakistan handeln, der am 31. Dezember 2015 nach Deutschland eingereist sei. Der Generalbundesanwalt sagte, der festgenommene Mann habe den Beschreibungen des Fahrers entsprochen. Kandt räumte nun aber ein, dass der Verdächtige vom Verlassen des Lkw bis zu seiner Festnahme „nicht lückenlos“ gesehen worden sei. „Deswegen ist diese Unsicherheit da“, sagte er.

Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt, Berliner Generalstaatsanwalt Ralf Rother, Präsident des Bundeskriminalamts Holger Münch und Generalbundesanwalt Peter Frank

APA/AFP/Clemens Bilan

Der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt, Berliner Generalstaatsanwalt Ralf Rother, BKA-Sprecher Holger Münch und Generalbundesanwalt Peter Frank (v. l. n. r.) bei der Pressekonferenz zu den Ermittlungen

Er sei zwar wegen eines sexuellen Übergriffs, aber nicht wegen Terrorverdachts aktenkundig gewesen. Der Mann bestritt laut Innenminister Thomas de Maiziere die Tat. Bisher bekannte sich nach Angaben von de Maiziere und der Generalbundesanwaltschaft keine Organisation zu dem Anschlag. Der Modus operandi lasse auf einen islamistischen Hintergrund schließen, man ermittle aber in alle Richtungen.

Polnischer Fahrer wurde erschossen

Am Dienstag wurde bekannt, dass der ursprüngliche Fahrer des Lkw in der Fahrerkabine erschossen wurde. Der Fahrer konnte vom Besitzer der Spedition, Ariel Zurawski, identifiziert werden. Er habe seinen Cousin auf einem Polizeifoto erkannt, sagte Zurawski im polnischen Fernsehen. Laut Zurawski sollen auf dem Foto auch Kampfspuren und Stichwunden sichtbar gewesen sein.

Polnischen Medien zufolge könnte der Lkw am Montagnachmittag in Berlin gestohlen worden sein. Zum Toten in dem Lastwagen sagte de Maiziere: „Ich habe Kenntnis von einer Schusswunde. Es wird natürlich ermittelt mit Hochdruck, wann diese Schusswunde zugefügt wurde.“ Eine Obduktion dauere aber. DNA-Spuren würden untersucht. „Das ist keine Frage von Stunden.“

Trauernde legen Kerzen auf den Boden nieder

Reuters/Fabrizio Bensch

Trauerbekundungen in Berlin

Der polnische Fahrer des Lkw soll mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen worden sein. Im Führerhaus des Lastwagens sei blutverschmierte Kleidung gefunden worden. Bei dem später in einiger Entfernung vom Tatort Festgenommenen sei dagegen keine blutige Kleidung gefunden worden. Womöglich habe der Täter im Lkw seine Kleidung gewechselt.

Fahndung an Grenze zu Polen

Nach dem Anschlag zeigte die Bundespolizei in der Region Berlin und Brandenburg deutlich mehr Präsenz. Die Zahl der Einsatzkräfte an Bahnhöfen sowie an den beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld sei verstärkt worden, sagte ein Sprecher am Dienstag in Berlin. Zudem wurde die Fahndung in einem 30 Kilometer breiten Streifen an der Grenze zu Polen intensiviert. Die Beamten seien teils mit Maschinenpistolen und Schutzwesten ausgerüstet und zeigten diese auch offen.

Einsatz in Flüchtlingsquartier: Keine Festnahmen

In der Früh gab es auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof, wo sich eine der größten Flüchtlingsunterkünfte Berlins befindet, eine Hausdurchsuchung - der Festgenommene soll dort gelebt haben. Vier Männer Ende 20 seien befragt worden, es habe aber keine Festnahmen gegeben, sagte Sascha Langenbach, Sprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten.

Übersichtsaufnahme über den Ort des wahrscheinlichen Anschlages beim Weiihnachtsmarkt in Berlin

APA/AFP/Odd Andersen

Ein Überblick über den Ort des Geschehens

Der Einsatz, an dem auch Kräfte der Spezialeinheit (SEK) beteiligt waren, habe um 3.00 Uhr mit bis zu 250 Beamten begonnen. Die Kräfte seien dann aber reduziert worden. Die Lage sei ruhig gewesen. Um 8.00 Uhr sei der Einsatz beendet gewesen. Ob die Polizei nach Verbindungen des Täters suchte, sagte der Sprecher nicht explizit. „Die Annahme kann man aber haben.“ Zur Herkunft der befragten Flüchtlinge gab es keine Angaben.

GPS-Daten zeigen Lkw-Bewegung

GPS-Daten des Lkw hätten gezeigt, dass der Wagen ab etwa 15.45 Uhr mehrmals gestartet worden sei, berichtete der Sender TVN24 unter Berufung auf die betroffene polnische Spedition. Dabei könnte es sich um Versuche eines mutmaßlichen Diebes gehandelt haben, den Lkw zu steuern, vermuteten polnische Medien. „Es sah aus, als wenn jemand geübt hätte, den Wagen zu fahren“, sagte auch der Speditionsbesitzer. Gegen 19.45 Uhr habe der Wagen seinen Standort in Berlin endgültig verlassen. Der Lkw habe seit etwa Montagmittag vor einer Berliner Firma geparkt.

Karte zeigt Anschlagsort in Berlin

Grafik: OSM/ORF.at; Quelle: APA/dpa

Der Lastwagen habe Stahlkonstruktionen aus Italien nach Berlin transportiert, berichtete Zurawski. Dabei war das Fahrzeug unter anderem auch über den Brenner gefahren. Wegen einer Verzögerung habe der Fahrer bis Dienstag warten müssen und den Lastwagen in Berlin geparkt. Die Berliner Polizei teilte dagegen mit, es bestehe der Verdacht, dass der Sattelschlepper in Polen von einer Baustelle gestohlen worden sei.

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