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Fischer: „Der bessere Türöffner“

Eine deutliche Empfehlung für die Hofburg-Wahl haben Altbundespräsident Heinz Fischer und die ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Irmgard Griss erstmals am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien abgegeben.

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Er kenne Alexander Van der Bellen seit Jahrzehnten und sei überzeugt, dass er die menschlichen und die amtlichen Qualitäten für das Amt habe, das am Sonntag vergeben wird, so Fischer. Er sei zudem überzeugt, dass Van der Bellen die richtige Einstellung zum großen Projekt Europa habe: „Er wird der bessere Türöffner sein, der uns in den Kontakten mit anderen Ländern besser helfen kann.“

Alt-Bundespräsident Heinz Fischer und Irmgard Griss

APA/Helmut Fohringer

Fischer und Griss luden zur gemeinsamen Pressekonferenz

Sorge wegen „Ihr werdet euch wundern“

Fischer hob zudem Van der Bellens Einstellung zur Nachbarschaftspolitik als „die bessere“ hervor. Er sei „ein bißchen erstaunt und besorgt“ gewesen, als er gelesen habe, man solle die Kontakte zu „unserem wichtigsten Nachbarn Deutschland“ etwas herunterschrauben und stattdessen Kontakte zu Staaten wie Polen und zu Ungarn unter Premier Victor Orban in die Höhe heben.

Fischer und Griss werben für Van der Bellen

Vier Tage vor der Wahl melden sich Ex-Bundespräsident Heinz Fischer und Irmgard Griss, die Überraschungskandidatin des ersten Wahlgangs, zu Wort: Beide werben für Alexander Van der Bellen.

„Der Bundespräsident soll ein Stabilitätsfaktor und kein Stabilitätsrisiko sein“, so Fischer. Ankündigungen des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer wie „Ihr werdet euch wundern, was möglich ist“ würden keine Stabilität bieten. Er wolle „einen Ruck in die Nähe der Gesinnung schlagender Burschenschaften verhindern“. Diese hätten in einer Demokratie eine Existenzberechtigung, sollten aber nicht das Leitmotiv der Politik in Österreich sein.

„Wahl sollte so ausgehen wie beim letzten Mal“

Griss, die es im ersten Wahlgang nicht in die Stichwahl geschafft hatte, nannte den Namen Van der Bellens anfangs nicht, betonte aber, dass „die Wahl am Sonntag wieder so ausgehen sollte, wie sie beim letzten Mal ausgegangen ist“. Der Rechtsstaat sei ihr ein wichtiges Anliegen und der Rechtsstaat müsse es wert sein, „dass wir alle zur Wahl gehen“.

Bei der Wahl am Sonntag müsse man sich fragen, welche Aufgaben der Bundespräsident habe. „Ich glaube, der Bundespräsident ist eine moralische Instanz, eine Leitfigur, die über den Parteien steht“, so Griss. Jemand, der schon länger aus der aktiven Parteipolitik ausgeschieden sei, sei für das Amt geeigneter. Damit spielte Griss auf Van der Bellen an, ohne seinen Namen zu nennen. Auf Nachfragen sagte Griss später, viel spreche dafür, dass Van der Bellen das Amt besser ausfüllen könne.

Einfluss von Trump-Sieg „wird überschätzt“

Dass der Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl den Urnengang in Österreich beeinflussen könnte, glauben sowohl Fischer als auch Griss nicht. „Das wird kein wahlentscheidender Umstand sein“, sagte Fischer. Griss: „Ich glaube das auch nicht. Ich glaube, das wird überschätzt.“

Dass Wahlempfehlungen für einen Kandidaten diesem eher schaden könnten, glauben weder Fischer noch Griss. „Die These, dass eine Wahlempfehlung angesehener und erfahrener Persönlichkeiten schädlich ist, halte ich für total falsch“, so Fischer. Da werde versucht, aus der Not des Mangels an Unterstützern eine Tugend zu machen: Fischer spielte wohl darauf an, dass sich kaum bekannte Persönlichkeiten für Hofer deklariert hatten.

Kickl spottet über Fischer-Griss-Auftritt

Mit Spott bedachte FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl den gemeinsamen Auftritt von Fischer und Griss: „Heute haben sich wieder einmal die Groupies der Großen Koalition zu Wort gemeldet“, so der Wahlkampfleiter Hofers in einer Aussendung. Nachdem bei Fischer die „Krokodilstränen“ über den Tod von Fidel Castro endgültig getrocknet seien, betätige er sich wieder einmal als Steigbügelhalter des Systems der Großen Koalition.

Zu Griss merkte Kickl an, es sei sehr enttäuschend, wenn jemand, der am Beginn des Bundespräsidentschaftswahlkampfes aufgrund seiner Überparteilichkeit für viele Menschen in Österreich ein Hoffnungsträger gewesen sei, sich jetzt eindeutig auch „als Mitglied der etablierten Seilschaften in diesem Land gibt“.

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