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Mut zum Querformat

Er ist einer der Gründer der Venezianischen Schule, deren Einsatz von Farbe und Licht die Renaissancemalerei prägte: Am Dienstag jährt sich der Todestag des Meistermalers Giovanni Bellini zum 500. Mal. Bellini schuf brillante Andachtsbilder, hob die Landschaftsmalerei auf eine neue Stufe - und wandte sich am Ende seines Lebens auch noch der Aktmalerei zu.

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Bellini starb am 29. November 1516 in Venedig im Alter von über 80 Jahren. Ein Jahr vor seinem Tod entstand die Aktdarstellung „Junge Frau bei der Toilette“, das in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums Wien (KHM) ausgestellt ist. Der Betrachter sieht eine nackte Frau, die ihr Gesicht in einem Handspiegel betrachtet.

Gemälde von Giovanni Bellini, um 1515

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„Junge Frau bei der Toilette“ (1515): Bellinis späte Annäherung an die Aktmalerei

Im Hintergrund gibt ein rechteckiges Fenster den Blick auf kleine Häuser auf einem grünen Hügel frei. Das Gemälde ist das einzige des Malers, bei dem er auf kein religiöses Motiv zurückgreift. Der Fokus liegt auf dem Menschen und der Natur - zwei zentralen Elementen der Renaissancemalerei.

Madonnen in voller Breite

Bellini kam in den 1430er Jahren als unehelicher Sohn eines Malers zur Welt. Ein genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert. Sein Vater Jacopo unterrichtete Giovanni und seinen Bruder Gentile. Während ihrer Lehrzeit absolvierten die Geschwister Arbeitsaufenthalte bei Francesco Squarcione in Padua, wo sie unter anderem den berühmten Bildhauer Donatello kennenlernten. Die paduanische Schule schlug sich auch in Bellinis Malerei nieder. Den größten Einfluss aber übte Andrea Mantegna aus, der Adoptivsohn Squarciones und Schwager der Bellini-Brüder.

Gemälde "Pietà" (1469) von Giovanni Bellini

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„Pieta“ (1469), zu sehen in der Pinacoteca di Brera, Mailand: Bellini blieb - mit einer einzigen Ausnahme - zeit seines Lebens religiösen Motiven treu

Zu Bellinis Lebzeiten war Venedig eine wohlhabende Stadtrepublik. Ihr Reichtum gründete auf regen Handelsbeziehungen, unter anderem mit den Königreichen und Staaten Nordeuropas, was in weiterer Folge zu einem künstlerischen Austausch zwischen den Regionen führte. Künstlerisch schlugen die Uhren in der Lagunenstadt anders. Während sich die Maler der Renaissance anderswo von der Antike inspirieren ließen und zunehmend auf weltliche Motive setzten, dominierten bei den Venezianern religiöse Motive.

Gemälde "Madonna di Brera" von Giovanni Bellini, um 1510

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„Madonna mit Kind“ (1510): Der heimliche Star auf diesem Tafelbild ist die Landschaft, die von Bellini besonders detailreich abgebildet wurde

Diese wurden allerdings anders als zuvor interpretiert. So rückten Bellini und seine Mitstreiter bei Heiligen- und Andachtsbildern teilweise vom Hochformat ab. Durch den Wechsel ins Querformat hatten die Maler die Möglichkeit, die Hintergründe stärker zu betonen. Dieser Kunstgriff bot Bellini etwa in seinem 1510 entstandenen Tafelbild „Madonna mit Kind“ die Möglichkeit, dem Betrachter eine liebevoll gestaltete Landschaft zu zeigen.

Da Vinci und die Farbe

Ein weiteres Merkmal der venezianischen Malerei der Renaissance ist die Betonung der Farben. Weiche Linien sowie satte und warme Töne dominieren ihre Bilder. Bellinis Zeitgenossen in Florenz - allen voran Leonardo Da Vinci - maßen der Zeichnung und der Komposition den höchsten Stellenwert bei. Zwischen den vielleicht berühmtesten Bildern von Bellini und Da Vinci lassen sich ebenfalls Parallelen ziehen. Bellinis 1501 entstandenes Porträt des venzianischen Dogen Leonardo Loredan sei die „männliche Mona Lisa“, schrieb der britische Kunstkritiker Jonathan Jones vor ein paar Jahren im „Guardian“.

Gemälde  "Die Trunkenheit Noahs" (1515) von Giovanni Bellini

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Weiche Linien, warme Farben: „Die Trunkenheit Noahs“ entstand 1515. Ein Jahr später starb Bellini.

Anders als Da Vinci war Bellini freilich kein Universalgelehrter. Dafür brillierte er als Lehrer. Wegen der hohen Nachfrage nach seinen Bildern unterhielt Bellini in Venedig eine große Werkstätte. Zu seinen bekanntesten Schülern gehörten der früh verstorbene Giorgio da Castelfranco, genannt Giorgione, und Tizian (Tiziano Vecellio), der bis heute zu den berühmtesten Künstlern der Renaissance zählt.

„Er ist der größte Maler von ihnen allen“

Über das Privatleben des Künstlers ist wenig bekannt. Auch zu seiner Persönlichkeit ist nur eine einzige Aussage überliefert. Diese stammt allerdings von niemand Geringerem als Albrecht Dürer. „Jeder erzählt mir, was für ein aufrichtiger Mensch er ist (...). Er ist sehr alt und trotzdem ist er der beste Maler von ihnen allen“, schrieb Dürer 1506 an den deutschen Humanisten Willibald Pirckheimer.

Philip Pfleger, ORF.at

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