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Gesundheitsversorgung „ausgelöscht“

Die Gefechte in der heftig umkämpften syrischen Großstadt Aleppo nehmen kein Ende. In der Nacht gab es laut Korrespondenten ununterbrochen Bombenangriffe durch russische Kampfjets. Diese sollen den Weg für einen Vorstoß der Regierungstruppen geebnet haben, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien.

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Im Norden der Metropole hätten Einheiten von Präsident Baschar al-Assad weitere Geländegewinne verzeichnet, erklärte die Beobachtungsstelle am Sonntag. An der Front, die die Stadt zwischen den Regierungstruppen und den Aufständischen teilt, habe es heftige Gefechte gegeben.

Unter den Rebellen habe es „schwere“ Verluste gegeben. Die syrische Armee forderte die Aufständischen über die Staatsmedien auf, sich aus der Stadt zurückzuziehen. Ihnen würden dabei freie Passage und Hilfe garantiert. In den drei Stadtteilen Bustan al-Bascha, Sachur und Suleiman al-Halabi soll es weiter heftige Kämpfe geben.

UNO: „Leben in der Hölle“ beenden

Angesichts der anhaltenden Luftangriffe auf Aleppo setzt sich die UNO dafür ein, wenigstens Kranke und Verletzte in Sicherheit zu bringen. Die Bewohner Aleppos erlebten „ein Ausmaß der Rohheit, das kein Mensch erleiden sollte“, sagte der Chef des UNO-Büros für humanitäre Hilfe (OCHA), Stephen O’Brien, am Sonntag in Genf. Sofortiges Handeln sei nötig, um dieses „Leben in der Hölle“ zu beenden.

Bombentrichter in Aleppo

APA/AFP/Thaer Mohammed

Trümmer des Spitals, das am Samstag von Fassbomben getroffen wurde

O’Brien beklagte, mit den fortgesetzten Angriffen auf Krankenhäuser im von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt werde das Gesundheitssystem „ausgelöscht“. Er drängte die Konfliktparteien, wenigstens zuzulassen, dass Kranke und Verletzte aus Aleppo in Sicherheit gebracht werden.

Kaum Medizin, reines Wasser und Essen

Die medizinische Versorgung in der Stadt stehe vor dem Zusammenbruch. Es gebe keine Medikamente mehr, sodass Kranke und Verletzte in den medizinischen Einrichtungen selbst bei simplen Beschwerden abgewiesen werden müssten. Reines Wasser und Lebensmittel seien rar.

Erst am Samstag war erneut ein Spital von Fassbomben getroffen worden. Derzeit gibt es nur noch sechs funktionstüchtige Kliniken für die rund 250.000 Einwohner im belagerten Ostteil Aleppos. Die Aufständischen beschießen ihrerseits die von Regierungstruppen kontrollierten westlichen Stadtteile mit geschätzten 1,2 Millionen Menschen.

EU will Nothilfe für Aleppo

Die EU will nun Nothilfe für Aleppo auf den Weg bringen. Es gehe darum, Hilfsorganisationen den Einsatz zu ermöglichen und Zivilisten zu schützen, teilten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, am Sonntag in Brüssel mit. Die UNO sei ebenfalls mit im Boot.

Ein Hilfskonvoi steht nach EU-Angaben im Westen Aleppos bereit, um medizinische Güter, Wasser und Lebensmittel in den Ostteil der Stadt zu liefern. Der Konvoi könne bis zu 130.000 Menschen versorgen. Gleichzeitig sollen Kranke und Verletzte aus dem Osten Aleppos gebracht werden, insbesondere Frauen, Kinder und ältere Menschen.

Die Durchführung solle allein bei humanitären Organisationen liegen. Evakuierungen aus medizinischen Gründen auch anderer belagerter Gebiete müssten ermöglicht werden, forderten die EU-Vertreter. Die EU sei bereit, falls nötig auch eine Behandlung von Menschen in Europa zu ermöglichen. Zudem kündigten sie ein 25 Millionen Euro schweres Hilfspaket an.

80 Prozent der UNO-Hilfslieferungen blockiert

UNO-Hilfslieferungen nach Syrien kommen indes kaum an. Laut einem Bericht des „Guardian“ vom Freitag wurden mehr als 80 Prozent der UNO-Hilfskonvois für das Land in diesem Monat blockiert oder verzögert. Nur sechs von 40 Konvois erreichten ihr Ziel - bei ihnen wurden laut dem Bericht teils substanzielle Mengen an Medizin und medizinischem Zubehör konfisziert.

Bombentrichter in Aleppo

Reuters/Abdalrhman Ismail

Zerstörte Straße in Aleppo

Insgesamt hätten die 40 Konvois 24.000 Menschen mit Lebensmitteln, Wasser und Hygieneprodukten versorgen können. Die UNO hat seit dem 7. Juli keinen Zugang mehr zu Aleppo.

Diplomatie vergebens

Die syrische Armee hat am 22. September eine Offensive zur Rückeroberung Aleppos gestartet. Sie wird dabei von Russland mit Luftangriffen unterstützt. Seitdem wurden Dutzende Zivilisten getötet. Diplomatische Bemühungen um ein Ende der Angriffe auf Wohngebiete blieben erfolglos.

Die Außenminister der USA und Russlands telefonierten nach Tagen gegenseitiger Vorwürfe erneut wegen der schweren Kämpfe in Syrien miteinander. US-Außenminister John Kerry habe am Samstagabend seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow angerufen, um über die Lage in Aleppo zu sprechen. Das teilte das russische Außenministerium am Sonntag in Moskau mit.

Schlagabtausch zwischen USA und Russland

Hauptproblem in Aleppo ist nach russischer Darstellung, dass die Oppositionsmilizen sich über die von Russland und den USA vereinbarte Waffenruhe hinwegsetzen. Die gemäßigte Opposition wolle sich nicht von der Terrorgruppe Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra-Front) trennen lassen.

Kerry hatte deshalb vergangene Woche mit einem Abbruch der Kooperation mit Russland gedroht. Lawrows Sprecherin Maria Sacharowa warnte am Samstag vor fürchterlichen, erdbebenartigen Verschiebungen im Nahen Osten, falls die USA syrische Regierungstruppen angreifen sollten.

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