75.000 Flüchtlinge an syrisch-jordanischer Grenze gestrandet

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Rund 75.000 Flüchtlinge sind nach Angaben von Amnesty International (AI) seit Wochen unter menschenunwürdigen Bedingungen an der syrisch-jordanischen Grenze gestrandet. Die Menschen im Niemandsland seien seit zwei Monaten von humanitärer Hilfe praktisch abgeschnitten. Es mangle an Nahrung, Wasser und Medizin, viele Menschen seien gestorben.

AI: Filmaufnahmen zeigen Massengräber

Filmaufnahmen zeigten, dass es in der Region um die seit Ende Juni geschlossenen Grenzstationen Rukban und Hadalat Massengräber gebe, berichtete die Menschenrechtsorganisation heute. Die Situation sei eine tragische Folge des Versagens der internationalen Gemeinschaft in der Flüchtlingskrise, klagt Amnesty.

Mit Blick auf ein UNO-Gipfeltreffen nächste Woche in New York rief Amnesty die politischen Führer auf, mehr als nur Rhetorik zu bieten. Jordanien dürfe die Grenze nicht länger blockieren und solle die Gestrandeten ins Land lassen. Andere Staaten müssten ihren „fairen Anteil an Flüchtlingen“ aufnehmen.

Ausschreitungen bei Demos gegen Flüchtlinge in Chios

Bei einer Demonstration gegen Auffanglager für Flüchtlinge kam es auf der Ostägäis-Insel Chios gestern Abend zu Zusammenstößen zwischen Inselbewohnern, Bereitschaftspolizei und Migranten. Wie das Onlineportal Politis berichtete, waren nach friedlichem Beginn der Kundgebung rund 150 Inselbewohner unangemeldet in Richtung der Lager marschiert.

Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Lage in den Griff zu bekommen. Vor dem Auffanglager Souda sei es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Flüchtlinge hätten aus dem Lager heraus Steine auf die Demonstranten geworfen und gefordert, nach Athen reisen zu dürfen.

Die Auffanglager auf den Ägäis-Inseln Chios, Lesbos, Samos und Kos sind überfüllt. Allein auf Chios werden derzeit nach Angaben des griechischen Flüchtlingskrisenstabs knapp 3.600 Flüchtlinge festgehalten, obwohl es nur 1.100 offizielle Plätze gibt. Die Situation sorgt auch bei den Bewohnern der Insel zunehmend für Unmut.

USA wollen 2017 mehr Flüchtlinge aufnehmen als zuletzt

Die USA wollen im kommenden Jahr deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen als in diesem. Das Aufnahmekontingent werde um gut 30 Prozent auf 110.000 Flüchtlinge erhöht, kündigte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, in Washington an. Rund 40.000 davon sollten aus der Region Nahost und Südasien kommen; in diesem Gebiet liegt auch das Bürgerkriegsland Syrien.

Die Aufnahme von Flüchtlingen zählt zu den heißen Themen des derzeitigen Präsidentschaftswahlkampfs. Der republikanische Kandidat Donald Trump hat wiederholt muslimische Zuwanderer als Sicherheitsrisiko bezeichnet.

„Strengere Überprüfung“ als andere

Das Weiße Haus betonte nun, dass die Flüchtlinge einer „strengeren Überprüfung unterzogen werden als alle anderen Personen, die in die USA einreisen“. Die nationale Sicherheit stehe in der Prioritätenliste ganz oben, „und das gilt ganz besonders für die Einreise von Flüchtlingen in die Vereinigten Staaten“, sagte Earnest.

In der kommenden Woche findet in New York der erste UNO-Gipfel zur Flüchtlingsproblematik statt. US-Präsident Barack Obama hat zudem zu einer Geberkonferenz für Flüchtlinge eingeladen.