Maßnahmen auf unbestimmte Zeit
Mitten in der Outdoor-Hochsaison haben die Behörden in Montana 183 Meilen (295 Kilometer) des Yellowstone Rivers gesperrt. Fischen, Raften und andere Freizeitaktivitäten sind fortan verboten. So soll die Ausbreitung eines tödlichen Parasiten verhindert werden.
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Neben dem Yellowstone River sind auch zahlreiche seiner Zuflüsse von der Sperre betroffen. Laut der Behörde Monatana Fish, Wildlife and Parks (FWP) könnten die Maßnahmen, falls sich die Zustände nicht verbessern, für Monate gelten. Die Sperre werde für viele Menschen „spürbare Folgen" haben, sagte FWP-Direktor Jeff Hagner. Doch sie sei notwendig, „um dieses öffentliche Gut für diese und zukünftige Generationen zu erhalten“.

APA/AFP/Yellowstone Newspaper/ D'Antuono
Tausende Fische sind dem Parasiten bereits zum Opfer gefallen
Bisher wurden der Behörde zufolge mehr als 4.000 tote Mountain Whitefish (eine nur in Nordamerika verbreitete Unterart der Lachsfische) gefunden. FWP rechnet aber damit, dass die tatsächliche Todeszahl in die Zehntausende geht. Darüber hinaus gebe es erste Berichte, wonach auch Forellen gestorben seien.
Nesseltier lässt Nieren anschwellen
Hinter dem Massensterben steht ein kleines parasitär lebendes Nesseltier mit dem lateinischen Namen Tetracapsuloides bryosalmonae. Der Parasit kann bei befallenen Fischen die Proliferative Nierenkrankheit hervorrufen. Diese führt zur Vergrößerung der Nieren (daher der Name), einer Schwellung im Bauchraum sowie der Dunkelverfärbung und dem Vortreten des Augapfels. In den meisten Fällen endet die Krankheit für die befallenen Fische tödlich. Vor allem Forellenfische, Äschen und Hechte gelten als anfällig.
Der Erreger kommt in Europa und Nordamerika vor. Seit den 1970er Jahren sind die ersten Krankheitsfälle dokumentiert. In Montana trat die Erkrankung in den vergangenen 20 Jahren nachweislich nur zweimal auf - in jüngerer Zeit gab es jedoch Ausbrüche in den weiter westlich gelegenen Bundesstaaten Washington, Oregon und Idaho. Für Menschen stellt die Proliferative Nierenkrankheit keine Gefährdung dar.
Stress durch warmes Wasser
Die Wissenschaft vermutet, dass Stress den Ausbruch der Krankheit befördern kann. Das könnte auch einer der Gründe für das - laut Behörden beispiellose - Massensterben in Montana sein. Ausbleibende Regenfälle und hohe Temperaturen sorgten im Yellowstone River und seinen Zuflüssen für niedrige Pegelständen und vergleichsweise warmes Wasser. Das machte den dortigen Fischpopulationen zu schaffen – und dürfte sie anfälliger für die Krankheit gemacht haben.

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Der Yellowstone Nationalpark blieb vorerst vom Massensterben verschont
Die nun ausgerufene Sperre beginnt an der nördlichen Grenze des Yellowstone Nationalparks, in Gardiner, und folgt dem Yellowstone River flussabwärts bis vor die Stadtgrenze von Billings. Der Nationalpark selbst - der zu großen Teilen auch nicht in Montana, sondern in Wyoming liegt - ist den Behörden zufolge derzeit weder von der Sperre noch vom Massensterben betroffen. Laut FWP kontrollieren Biologen das Flusswasser auch innerhalb des Parks, eine Ausweitung der Sperre auf das Parkgebiet sei derzeit aber nicht angedacht.
Gouverneur sieht „Zehntausende Jobs“ bedroht
Doch auch so stellen die aktuellen Maßnahmen für die Freizeitindustrie in Montana eine große Herausforderung dar. In dem betroffenen Gebiet sind zahlreiche Freizeitanbieter tätig, darunter gleich mehrere Raftingagenturen. Sie müssen sich darauf einstellen, in der eigentlich besten Zeit des Jahres ihr Geschäft für Wochen einzustellen.
Steve Bullock, der Gouverneur von Monatana, bezeichnete das Massensterben als „Bedrohung für Montanas gesamte Freizeitwirtschaft und die Zehntausenden Jobs, die diese bereitstellt“. Laut dem Gouverneur sind mehr als 64.000 Menschen im Outdoor-Bereich angestellt. Insgesamt erwirtschafte der Wirtschaftszweig jährlich mehr als sechs Mrd. Dollar.
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