Stadt wurde vom IS vermint
Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich aus Manbidsch zurückgezogen. Wochenlang hatten die Kämpfe um die nordsyrische Stadt angehalten, die den Dschihadisten lange Zeit als Nachschubroute diente. Die Bewohner Manbidschs jubelten am Samstag und zelebrierten öffentlich ihre neue Freiheit.
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Bärte werden rasiert, Gesichtsschleier verbrannt. Die Frauen rauchen öffentlich Zigaretten - eine neue Freiheit, die monatelang, unter der Herrschaft des IS, nicht möglich war. „Ich bin glücklich, es ist wie ein Traum. Ich kann es nicht glauben“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters eine Frau in Manbidsch. Fotografen der Nachrichtenagentur hielten auch fest, wie die Kämpfer der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), die gegen den IS vorgegangen waren, in der Stadt willkommen geheißen wurden.

Reuters/Rodi Said
Erleichterung bei den Bewohnern von Manbidsch
Der im irakischen Erbil stationierte Sender Kurdistan24 zeigte ebenfalls Bilder von jubelnden Zivilisten. Frauen im Nikab umarmten kurdische Kämpfer, andere warfen ihre Schleier weg und trugen lächelnd ihre Babys im Arm. Tausende Bewohner kehrten auch wieder in die Stadt zurück, nachdem sie sich in den vergangenen Monaten in Lager im Umland zurückgezogen hatten.
Verminte Stadt
Ein kurdischer Kämpfer sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Kampf sei „sehr hart“ gewesen und der IS habe die Stadt vermint. Ein SDF-Kämpfer habe am Freitag ein Haus betreten und einen Schuh auf einem Koran entdeckt - was im Islam als Beleidigung gilt. „Als er ihn heruntergenommen hat, gab es eine Explosion und er wurde getötet.“

Reuters/Rodi Said
Auch öffentliches Rauchen ist in Manbidsch wieder möglich
Die SDF, der auch die Kurdenmiliz YPG und arabische Kämpfer angehören, hatten schon Ende Mai mit Luftunterstützung der US-geführten Anti-IS-Allianz den Angriff auf die Stadt an der Grenze zur Türkei gestartet. Nun wird noch nach letzten möglicherweise verbliebenen IS-Kämpfern gesucht.
Hunderte Geiseln frei
Bevor die IS-Kämpfer sich zurückzogen, hatten sie noch rund 2.000 Zivilisten in Manbidsch entführt. Nach Angaben von Aktivisten wurden später Hunderte wieder freigelassen. Viele der Geiseln seien als menschliche Schutzschilde missbraucht worden, hieß es. Andere seien aber auch „freiwillig, aus Angst vor Repressalien“ seitens der SDF-Allianz mitgegangen. Ob nun alle 2.000 Menschen wieder frei waren, blieb zunächst unklar.

Grafi: APA/ORF.at
Steinmeier für Luftbrücke
Nun konzentrieren sich die Kämpfe in Syrien wieder auf Aleppo, das zwischen Regierungstruppen und Aufständischen geteilt ist. Bei jüngsten Angriffen kamen nach Angaben von Aktivisten mindestens 51 Zivilisten um, darunter vier Kinder. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach sich in der Zeitung „Welt am Sonntag“ für eine Luftbrücke zugunsten der dort Not leidenden Menschen aus. Die deutsche Bundesregierung sei mit der UNO, den USA und mit Russland darüber im Gespräch, wie die so dringlich benötigte humanitäre Hilfe nach Aleppo geliefert werden könne, sagte er.
Sollten beide Teile Aleppos auf dem Landweg weiterhin nur unzureichend versorgt werden können, „sollten wir auch die Möglichkeit von Hilfe aus der Luft prüfen, vor allem bei medizinischen Gütern“, sagte Steinmeier. Eine Luftbrücke ist allerdings teuer und gefährlich, weshalb das in der Vergangenheit abgelehnt wurde.
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