Absage von angrenzenden Deponien
Ungeachtet vielversprechender Ankündigungen im Wahlkampf wird es auch unter Roms neuer Bürgermeisterin Virginia Raggi keine schnelle Lösung in der derzeit erneut ausufernden Müllkrise der Stadt geben. Angesichts fehlender Deponien ist Raggi auf Unterstützung von außen angewiesen. Nach Absagen in Roms unmittelbarer Umgebung sollen nun Müllzüge unter anderem nach Österreich geschickt werden.
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Entsprechende Pläne seien Medienberichten zufolge mit dem städtischen Müllentsorgungsunternehmen AMA ausgearbeitet worden. Nach Angaben des für Umweltfragen zuständigen Regionalrates Mauro Buschini sei eine Antwort auf die neben Österreich auch nach Deutschland geschickte Anfrage nach Entsorgungshilfe noch ausständig. Erwartet werde sie innerhalb von 30 Tagen.

APA/AFP/Andreas Solaro
Überfüllte Müllkübel prägen derzeit das Bild auf Roms Straßen
500 Tonnen Müll pro Tag
Österreichische und deutsche Müllentsorger sollen täglich rund 500 Tonnen „frischen“ Müll abnehmen, berichtete der „Corriere della Sera“ am Freitag. Viermal pro Woche solle ein Zug nach Norden aufbrechen. Bereits unterschrieben sei der Zeitung zufolge das bisher „beste Angebot“. Die deutsche Firma Ekin verrechne 138 Euro pro Tonne Müll - inklusive der Kosten für Züge und Transport.

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Mit Bürgermeisterin Raggi ist seit Ende Juni die Fünf-Sterne-Bewegung in Rom an der Macht
Die Vorgangsweise ist nicht neu. Rom entsorgt rund zwei Drittel seines Mülls schon jetzt nicht selbst. Neben Deponien in den Regionen Lombardei, Emilia-Romagna und Apulien wird ein Teil von Roms Abfällen quer durch Europa gekarrt. Neben Bulgarien und Rumänien nannte der „Corriere“ auch Portugal als Abnehmerland. Auf ausländische Entsorgungshilfe setzte letztmals 2012 Neapel. Auch Österreich wäre nicht zum ersten Mal Ziel von italienischen Müllzügen.
Das italienische Forschungsinstitut ISPRA bezeichnete Österreich vor rund zwei Jahren vielmehr als jenes Land, in dem der größte Anteil des von Italien exportierten Mülls landet. Damals war von rund 71.000 Tonnen Müll pro Jahr die Rede - nicht einberechnet war ein sich damals abzeichnender Deal mit Sizilien.
„Niemand will den Müll Roms“
Raggi wollte den Abfall ursprünglich innerhalb Italiens entsorgen lassen. Ihre Pläne stießen auf vehemente Proteste der betroffenen Regionen. Heftigen Widerstand leistete etwa Umbrien. Auch Gemeinden im südlichen Lazio, wo sich Deponien und Verbrennungsanlagen befinden, wollen vom Müll der Stadt nichts wissen. Die Präsidentin der Region Umbrien, Catiuscia Marini, meinte, Roms Abfall müsse dort entsorgt werden, wo er produziert wurde. Es sei unannehmbar, dass eine Region mit 900.000 Einwohnern mit dem Müll einer Großstadt von 3,5 Millionen Menschen fertig werden müsse. Die Entsorgungsanlagen in Umbrien seien auf den lokalen Bedarf ausgelegt.
„Niemand will den Müll Roms“, kommentierten oppositionelle Kommunalpolitiker schadenfroh. Wegen der Krise sind die ersten Wochen von Raggis Amtszeit jedenfalls alles andere als entspannt. Dabei hatte sie als erste Frau in der Stadt die Bürgermeisterwahl mit dem Versprechen gewonnen, die Entsorgungsprobleme zu lösen.
Umstrittene Personalpolitik
Laut „Il Foglio“ ist der „Müllnotstand“ eines von Roms ewigen Problemen. Immer wieder sorgten Berichte über Vetternwirtschaft und mafiose Strukturen für Schlagzeilen. Umstritten ist in diesem Zusammenhang auch Raggis Personalpolitik.
Dass nun ausgerechnet Paola Muraro, eine langjährige Managerin der skandalumwitterten AMA, als zuständige Stadträtin Roms Müllproblem lösen kann, wollen laut Medien selbst engste Anhänger von Raggis Movimento 5 Stelle (Bewegung Fünf Sterne) nicht glauben. Dazu kommt ein ernüchterndes Urteil des neuen AMA-Chefs Daniele Fortini. Ungeachtet jüngster Reformen wollte er gegenüber dem Onlineportal Roma Daily News nicht ausschließen, dass AMA weiter von „Kriminellen infiltriert“ sei.
Größe Deponie 2013 geschlossen
Verschärft wurde Roms Müllkrise vor rund drei Jahren durch die von der EU bereits 2007 geforderte Schließung der Deponie Malagrotta. Die Anlage war völlig überlastet, täglich wurden dort 4.500 Tonnen Müll abgeladen. Der private Betreiber, der Abfallmonopolist Manlio Cerroni, hatte die städtischen und regionalen Politiker so in seine Netze eingesponnen, dass sie ihm eine lukrative Verlängerung nach der anderen zugestanden. Im Oktober 2013 war dann endgültig Schluss.
Nach der Malagrotta-Schließung suchte Rom bisher vergeblich nach anderen Entsorgungsmöglichkeiten, doch keine ließ sich wirklich umsetzen. Pläne für die Errichtung von Müllverbrennungsanlagen scheiterten an Anrainerprotesten. Dazu kamen noch Missmanagement und Korruption bei AMA, bei der ein Loch von 650 Millionen Euro klafft.
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