Offene Fragen nach Ökoveto
Das größte Infrastrukturprojekt Brasiliens, ein gigantisches Wasserkraftwerk im Amazonas-Gebiet, darf nicht verwirklicht werden. Die brasilianische Umweltbehörde IBAMA verweigert die notwendige Umweltlizenz, wie in der Nacht auf Freitag bekanntgegeben wurde. Das Projekt Sao Luiz do Tapajos hätte das Ökosystem stark beeinflusst und dem indigenen Stamm der Munduruku die Lebensgrundlage entzogen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Geplant war am Tapajos-Fluss im Teilstaat Para ein Megastaudamm über 7,6 Kilometer Länge, das Wasserkraftwerk sollte über 8.000 Megawatt Leistung haben. Das entspricht etwa der Leistung von sechs Atomkraftwerken. Es wäre das erste von geplanten 40 Kraftwerken am Tapajos gewesen und zugleich das größte: Die geplanten Aufstauungen hätten ein Gebiet von etwa der doppelten Fläche Wiens überflutet. Rund um die Welt hatten Umweltschützer gegen das von der brasilianischen Regierung geplante Projekt protestiert.
Beispielhaft für neue Regenwaldkonflikte
Die etwa 12.000 Munduruku und die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatten gemeinsam gegen das Projekt mobilgemacht. Große Gebiete des Regenwaldes wären dem Kraftwerk zum Opfer gefallen. Die Auswirkungen wären jedoch darüber hinausgegangen: „Es ist klar, dass Fische, Delfine oder Seekühe nicht über eine 53 Meter hohe Staumauer springen werden können und sich die Zusammensetzung allen Lebens im Fluss dramatisch verändern wird“, hatte Greenpeace gewarnt.

APA/AFP/Evaristo Sa
Im Fall von Belo Monte war der Protest der Munduruku vergeblich
Aus der Sicht von Greenpeace waren die Pläne beispielhaft für die neuen Konflikte über die Zukunft des Amazonas-Regenwaldes. Statt auf Wind und Sonne als Energiequelle zu setzen, baue die Regierung in einer der artenreichsten Gegenden die Wasserkraft weiter aus - der Anteil am Energiemix liege heute schon bei rund 70 Prozent, so Greenpeace. Es hatte - auch in Wien - zudem Proteste gegen den Siemens-Konzern gegeben, der die Turbinen liefern sollte.
Noch nicht das letzte Wort?
Greenpeace begrüßte die Entscheidung von IBAMA. Das letzte Wort dabei könnte allerdings noch nicht gesprochen sein. Beim noch größeren, ebenfalls umstrittenen Staudammprojekt Belo Monte zog die Regierung gegen einen ebenfalls von IBAMA ausgesprochenen Baustopp vor Gericht und erreichte die Aufhebung des behördlichen Bescheides. Seit dem Frühjahr läuft das 11.000-Megawatt-Kraftwerk, gegen das sich auch der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler starkgemacht hatte, im Probebetrieb.
Das Tapajos-Kraftwerk hätte bis zu 20 Millionen Haushalte mit Strom versorgen können, die damit weiterhin auf nicht erneuerbare Energie angewiesen sind. An Ironie grenzt zudem, dass der größte „Helfer“ im Kampf gegen den Tapajos-Staudamm das Belo-Monte-Projekt ist: Angesichts dort explodierender Baukosten könnte die Lust der brasilianischen Regierung auf das Tapajos-Projekt schwinden, wo die Kostenschätzungen ebenfalls von umgerechnet 4,3 Mrd. Euro bereits auf 7,2 Mrd. gestiegen sind.
Links: