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Zwei Welten auf Instagram

Eine Studie der Pennsylvania University hat das Nutzerverhalten auf dem Bilder-Onlinedienst Instagram untersucht. Das Ergebnis: die Art, wie User die App benutzen, lässt auf ihr Alter schließen. Aufgrund der unterschiedlichen Sozialisierung und Kommunikationsweisen stehen auf Instagram Teens, die „dazugehören“ wollen, den älteren notorischen Fotosammlern gegenüber.

Mit über 500 Millionen Nutzern tummeln sich seit 2010 sowohl junge als auch ältere Generationen auf Instagram. Modeblogger schoben sich mit der Plattform ins Rampenlicht, und Unternehmen nutzen sie, um ihre Verkaufszahlen zu steigern. Nicht nur letztere agieren strategisch, um Follower zu gewinnen.

Denn heutzutage wird grundsätzlich nicht einfach „nur“ gepostet - egal in welchem Sozialen Netzwerk. Man will auch im Bekanntenkreis auffallen: Ohne aussagekräftige oder humorvolle Textzeilen kann ein Status auf Facebook schnell einmal untergehen. Um tatkräftiges Feedback auf Instagram zu bekommen, müssen die Postings ebenfalls gut durchdacht sein.

Selbstinszenierung versus Nostalgiefaktor

So überlegen sich junge, private User sehr genau, wie sie sich auf Instagram präsentieren. „Die Welt eines Teenagers dreht sich um ihn selbst, um das Entdecken der eigenen Identität und die eigene Position in der Gruppe“, meint Judith Denkmayr, Corporate Development Manager bei Virtue und Vice Austria gegenüber ORF.at.

Die älteren hingegen lieben den Nostalgiefaktor. Instagram wird von ihnen gerne als virtuelles Fotoalbum genutzt, damit sie nachträglich durch ihre Urlaubserinnerungen scrollen können. Außerdem seien Erwachsene nicht mehr einfach aufgrund ihres Alters in eine Peergroup eingebunden, sie vernetzten sich offline und online, und zwar interessenbasiert, erklärt Denkmayr. So tausche man sich eher über Themen wie Sport, Literatur, Serien, Familie oder Politik aus.

When my nephew takes over his mother's iPhone... #emoji #emojichat

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Kommunikation unter Jugendlichen zeichne sich oft durch Mangel inhaltlicher Substanz aus: „Wer sich mal einen Whatsapp-Chat von Teenagern ansieht, wird dort wirklich auch nur sehr reduzierte Kommunikation mit Bezug auf die eigene Person, die anderen und die eigene Laune - durch Emojis und GIFs - entdecken, also wenig ,Inhaltliches‘", meint Denkmayr.

Verharren im Fotoalbumdenken

Viele aus älteren Generationen seien hingegen noch mit Analogfotografie und Dia-Vorführungen aufgewachsen. „Insofern sind sie oft mehr in dem Gedanken der Urlaubsfotoalben verhaftet.“ So gebe es auch Phasen, in denen es Erwachsene etwas übertreiben und zum „Oversharing“ neigen. Denkmayr ist dieses „zu viel“ ebenfalls aufgefallen, vor allem dann: „Wenn sie sehr neu auf den Plattformen und dementsprechend enthusiastisch sind.“

Teilweise liege es aber vielleicht daran, dass sie sich weniger Gedanken machen, ob sie „eh noch cool“ sind, wenn sie mehr posten. Die Motivation für ein Posting habe noch andere inhaltliche Prioritäten: „Wenn sie etwas teilen, dann ist es etwas, das sie als optisch ,fotografierenswert‘ erachten.“ Teenager hingegen dokumentieren ihren Tag und richten ihr Auswahlkriterium nach dem, was eben in die von ihnen ausgewählte Inszenierung passe - denn ein peinlicher oder uncooler Social-Media-Account wäre laut Denkmayr ja quasi ein soziales Desaster.

„Clean Feed“ mit nur einem Thema

Die These wird auch in der Untersuchung untermauert. In der Studie „Teens Engage More with Fewer Photos: Temporal and Comparative Analysis on Behaviors in Instagram” vom College für Informationswissenschaften und Technologie (IST) der Pennsylvania State University wurde das Verhalten von Jugendlichen (zwischen 13 und 19 Jahren) und Erwachsenen (zwischen 25 bis 39 Jahren) auf Instagram untersucht. Dabei wurden deutliche Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit von Postings, Themen und Inhalten sowie der Interaktion festgestellt.

Denn Teens setzen auf einen „sauberen“, aber vor allem starken Instagram-Account – also weniger Postings, dafür wollen sie möglichst viele Likes bekommen. Wenn die gewünschte „Gefällt mir“-Anzahl nicht erreicht wird, tendieren jüngere Nutzer schnell dazu, das Foto nach kurzer Zeit wieder zu entfernen. Auch Erwachsene löschen einiges aus ihrem Feed, im Gegensatz zu der jüngeren Generation aber deutlich weniger.

Finanzielle Limits ausschlaggebend

Laut der Studie liegt die Einschränkung der Teenager auf die Dokumentation des Alltags unter anderem auch daran, dass sie aufgrund finanzieller Limitierungen oft keine andere Möglichkeit haben und sich deshalb auf ihre alltäglichen Aktivitäten beschränken.

Soziale Netzwerke dienten Teenagern nicht bloß der Selbstdarstellung und sozialer Interaktion, sie hätten außerdem einen enormen Einfluss auf ihr Selbstbewusstsein und psychologisches Wohlbefinden, heißt es weiter. Deshalb sei ihr Social-Media-Konsum angetrieben von ihren Bedürfnissen, die besonders um Emotionen und Stimmungen kreisen.

„Folge mir und ich folge dir“

Das Pendant dafür könnte die Kommentarsektion sein, in der „moods“ also Gefühle, Zustimmung oder Ablehnung kommuniziert werden, sagt Denkmayr. Dabei gehe es aber nicht um einen differenzierten Dialog oder eine Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern lediglich darum, zu zeigen, wie man gerade so drauf ist.

Seinem aktuellen Gefühlszustand Ausdruck zu verleihen spiele genauso eine große Rolle wie Follower anzuwerben. Dabei kreisen in der „Bio“ (Biografie, also das Feld, in dem eine persönliche Beschreibung hinzugefügt werden kann) Sätze wie „follow me and I follow back“ („Folge mir und ich folge dir“) und in den Beschreibungen finden sich eindeutige Hashtags wie #tagsforlike, #likeforlike, #followme oder #followforfollow.

Freilich gibt es ältere Personen, die sich auf Instagram wie ein Teenie lediglich inszenieren und „Gefällt mir“-Angaben erhaschen wollen. Der „Age-Gap“ im Nutzerverhalten ist auf Instagram – im Vergleich zu anderen Plattformen - sehr deutlich. Dieser „Generationskonflikt“ könnte sich jedoch mit dem Heranwachsen der Teens bald wieder schließen.

„Analoge“ Generation letzte ihrer Art

Denn eine „neue“ Generation von Jugendlichen wird möglicherweise eine ganz neue Form der Kommunikation entwickeln. Dass die jetzigen Teenager außerdem irgendwann aus diesem Verhalten herauswachsen, sei wahrscheinlich, denn laut Denkmayr ändere sich deren Kommunikationsverhalten immer wieder - genauso wie die Plattformen, die sie verwenden. So entwickeln sich ab einer gewissen Reife persönliche Interessen und darüber hinaus ein eigenes Informationsverhalten.

Auf der anderen Seite könnten die meisten der „analogen Generation“ die letzten ihrer Art sein, die so „unschuldig“ Instagram nutzen und doch nichts weiter möchten, als ihre Urlaubserinnerungen für immer irgendwo festzuhalten und mit der Familie und Freunden zu teilen.

Yasmin Szaraniec, ORF.at

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