Erfahrener, moderater Politiker
Mit Tim Kaine ist Hillary Clinton bei der Wahl ihres Vizepräsidentschaftskandidaten nach Meinung von Beobachtern den sicheren Weg gegangen. Der 58-Jährige aus Virginia gilt als erfahrener, moderater Politiker und als zuverlässig. Er unterstützte die Kandidatur Clintons schon sehr früh und galt von Anfang an als dem Favoritenkreis zugehörig.
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Clinton entschied sich für einen alten Parteisoldaten - und damit gegen junge, frische Gesichter im Washingtoner Politikgetriebe. Cory Booker wäre so eines gewesen. Bis zuletzt hoch gehandelt, fiel der Senator aus New Jersey jedoch genauso durch wie Julian Castro, erst 41 Jahre alter Wohnungsminister unter Barack Obama.

AP/Manuel Balce Ceneta
Kaine geht an der Seite Clintons in den Wahlkampf
Clinton hatte für die Wahl ihres Vizes die Latte hoch gelegt. Er muss nicht nur eine gute Nummer zwei sein - im Notfall muss er einspringen können, das Oval Office übernehmen und das Land führen. Das setzt aus Sicht der früheren Chefdiplomatin Clinton vor allem außenpolitische Erfahrung voraus - die kann Kaine ohne Zweifel nachweisen.
„Ein unerschütterlicher Optimist“
Clinton gab ihre Entscheidung für den 58-jährigen Senator aus dem Bundesstaat Virginia Samstagfrüh auf Twitter bekannt. Sie hob dabei Kaines lange politische Erfahrung, seine Kompetenz in Außen- und Sicherheitsfragen sowie sein soziales Engagement hervor.
Kaine sei „ein Mann, der sein Leben dem Kampf für andere gewidmet hat“, schrieb Clinton. „Er ist ein unerschütterlicher Optimist, der kein Problem für unlösbar hält.“ Die frühere Außenministerin soll in der kommenden Woche auf einem Parteitag der Demokraten offiziell zur Präsidentschaftskandidatin ernannt werden. Dann soll auch Kaine offiziell als Vizekandidat nominiert werden. Kaine zeigte sich in einer ersten Reaktion „geehrt“ über die Nominierung. Er könne es kaum erwarten, in den Wahlkampf zu starten, schrieb er auf Twitter.
Gut vernetzter Harvard-Absolvent
Kaine spricht fließend Spanisch - in den USA ein besonderer Vorteil bei der wachsenden Wählerschaft mit hispanischem Hintergrund. Im wohl wichtigsten Swing State Florida wird der Bevölkerungsanteil ursprünglich spanischsprachiger Zuwanderer inzwischen mit über 20 Prozent angegeben.
Als gelernter Harvard-Jurist eine Zeit lang als Anwalt aktiv, ist Kaine im Politgefüge der Hauptstadt Washington wie auch in seinem Heimatstadt gut vernetzt. Privat gilt der verheiratete Vater dreier Kinder als ruhig. Vor wichtigen politischen Entscheidungen geht er gerne im Wald wandern oder spielt Bluegrass-Musik.
Er war zunächst Bürgermeister von Virginias Hauptstadt Richmond, ehe er Vizegouverneur und 2006 dann Gouverneur von Virginia wurde. Seit 2013 sitzt er für den südlichen Bundesstaat im US-Senat. Als Kommunalpolitiker blieb vor allem sein erfolgreicher Kampf gegen Schusswaffendelikte in Richmond in Erinnerung.
Berichte über Geschenkannahme
Obama, der Kaine bereits als Vizepräsidentschaftskandidat im Auge hatte, machte ihn 2009 zum Vorsitzenden der Demokratischen Partei.
Aus seiner Zeit als Gouverneur und Vizegouverneur stammen auch Medienberichte über die Annahme von Geschenken. Er selbst hatte in seinen Finanzunterlagen angegeben, Reisen, Kleidung und andere Annehmlichkeiten im Gegenwert von mehr als 160.000 US-Dollar angenommen zu haben. In Virginia ist das nicht ungesetzlich. Dennoch erwarten US-Medien, dass das republikanische Lager um Donald Trump den Fall thematisieren wird.
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