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„Amerika zuerst“

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat sich seinen Landsleuten als Garant für „Recht und Ordnung“ präsentiert. Nach einem Wahlsieg im November werde er die „Sicherheit im Land wiederherstellen“, sagte der rechtspopulistische Immobilienmilliardär am Donnerstag (Ortszeit) in einer Grundsatzrede beim Parteitag der Republikaner in Cleveland.

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„Ich habe eine Botschaft an euch alle: Die Kriminalität und die Gewalt, die unsere Nation heimsuchen, werden sehr bald beendet sein.“ In der Rede nahm der 70-Jährige die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten förmlich an. „Freunde, Delegierte und amerikanische Mitbürger: Demütig und dankbar nehme ich eure Nominierung für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten an“, sagte der Immobilienmagnat, der erst vor etwas mehr als einem Jahr in die Politik eingestiegen war.

„Amerikanismus wird unser Credo sein“

Trump versprach, die Politik als Präsident konsequent am Eigeninteresse der USA auszurichten. „Amerikanismus wird unser Credo sein, nicht Globalismus“, sagte der Rechtspopulist. Andernfalls würden „andere Nationen Amerika nicht mit dem Respekt behandeln, den es verdient“. Seine Präsidentschaft wolle er unter das Motto „Amerika zuerst“ stellen.

Luftballons bei einer Rede von Donald Trump

AP/John Locher

Trump wünscht sich für sein Amerika Respekt

Amerika gilt es laut Trump zu beschützen - auch und vor allem gegen illegale Immigranten, die die Sicherheit der US-Bürger bedrohen würden. 180.000 von ihnen mit kriminellem Hintergrund „streifen heute Abend frei herum, um friedfertige Bürger zu bedrohen“, so Trump. Jahrzehnte der Immigration hätten außerdem zu sinkenden Löhnen geführt und die Arbeitslosigkeit der Bürger erhöht. „Wir werden ein Einwanderungssystem haben, das funktioniert, aber eines, das für Amerikaner funktioniert.“ Unter riesigem Jubel wiederholte Trump, dass er an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen wolle.

Scharfe Attacke gegen Clinton

Der Republikaner porträtierte die USA als Land im Niedergang. „Unsere Bürger haben nicht nur mit Katastrophen im Inland zu tun, sie haben eine internationale Demütigung nach der anderen eingesteckt“, sagte er. Trump nannte in diesem Zusammenhang die Krisen in Syrien, im Irak und in Libyen und warf einen Blick zurück in den Nahen Osten des Jahres 2009. Damals habe es die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) noch nicht gegeben. „Libyen hat kooperiert, Ägypten war friedlich, der Irak hat eine Abnahme der Gewalt erlebt. Der Iran wurde von Sanktionen gedrosselt, Syrien war unter Kontrolle.“

Rede vom Blatt gelesen

Trump gab sich bei seinem Auftritt bemüht staatstragend. Anders als gewohnt sprach er nicht frei, sondern las die sorgfältig vorbereitete Rede vom Blatt ab.

Mitschuld an den negativen Entwicklungen gab Trump auch seiner demokratischen Gegenkandidatin Hillary Clinton. Sie habe in ihrer Zeit als Außenministerin der USA versagt und sei für das Ausbreiten des IS verantwortlich. Heute liege Libyen in Trümmern, Ägypten werde gezwungenermaßen wieder vom Militär kontrolliert, der Irak sei ein Chaos. „Das ist das Vermächtnis von Hillary Clinton: Tod, Zerstörung, Terrorismus und Schwäche“, so der Präsidentschaftskandidat.

„Niemand kennt System besser als ich“

Trumps Rede war deutlich substanzieller als bisherige Auftritte. Sie kombinierte alle von Anhängern umjubelten Elemente seiner Kampagne mit Ernsthaftigkeit und Emotionalisierung. Konkrete Vorschläge ließ die etwa 75-minütige Rede gleichwohl vermissen - das Programm war gewissermaßen Trump selbst.

Gezielt wandte er sich an sozial Benachteiligte und versprach, als Präsident Millionen neuer Arbeitsplätze zu schaffen. „Ich habe die politische Arena betreten, damit die Mächtigen nicht länger auf Menschen einschlagen können, die sich nicht verteidigen können. Niemand kennt das System besser als ich, deswegen bin ich der Einzige, der es reparieren kann“, sagte Trump. Den „Vernachlässigten, Ignorierten und Aufgegebenen“ wolle er sagen: „Ich bin eure Stimme.“

Donald Trump

APA/AFP/Timothy A. Clary

Trump präsentierte sich als Reparateur des Systems mit Systemkenntnissen

Seine Gegnerin Clinton hingegen vertrete nur die Interessen der Wirtschaftstreibenden, von denen sie abhängig sei: „Sie ist ihre Marionette, und sie ziehen die Fäden“, so Trump. Nie mehr dürfe man sich auf die Eliten in Medien und Politik verlassen, die alles sagen würden, um ein zurechtgebogenes System am Leben zu erhalten. „Stattdessen müssen wir uns entscheiden, an Amerika zu glauben. Jetzt sieht uns die Geschichte zu.“

Clinton kontert auf Twitter

Eine erste Reaktion vonseiten Clintons ließ nicht lange auf sich warten. „Ja, wir werden eine Mauer bauen - zwischen dich und die Präsidentschaft, Donald Trump“, schrieb die Demokratin auf ihrem spanischen Twitter-Profil. Die Präsidentschaftskandidatin kommentierte sowohl auf ihrem spanischen als auch auf ihrem englischsprachigen Profil mit einer Vielzahl an Nachrichten die Rede ihres Konkurrenten.

Zum Beispiel versah sie seinen Satz „Ich bin mit euch“ mit einem Anmerkungssternchen und schrieb: „Nicht inbegriffen: Frauen, Afro-Amerikaner, LGBT-Leute (Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender, Anm.), Muslime, Latinos, Einwanderer ...“ Es wird erwartet, dass Clinton in der kommenden Woche auf dem Parteitag der Demokraten in Philadelphia offiziell als Präsidentschaftskandidatin nominiert wird.

Trump war bereits am Dienstag vom Parteitag mit breiter Mehrheit formell in das Rennen gegen Clinton geschickt worden. Seine Rede bildete den Höhepunkt der viertägigen Versammlung, die auch von einigen Eklats überschattet war. Zuletzt hatte der in den Vorwahlen unterlegene Senator Ted Cruz am Mittwoch in seiner Rede vor den Delegierten eine Unterstützung Trumps verweigert. In der Veranstaltungshalle war es daraufhin zu tumultartigen Szenen gekommen.

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