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Glock war Tatwaffe

Die Bluttat in München ist den Ermittlern zufolge auf den Amoklauf eines Einzelnen zurückzuführen. Es gebe keine Hinweise auf Verbindungen des 18-jährigen Deutsch-Iraners zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS), teilte der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä bei einer Pressekonferenz Samstagmittag mit.

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Auch Deutschlands Innenminister Thomas De Maiziere sagte später bei einer Pressekonferenz in Berlin, dass es sich nach bisherigen Informationen „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ um die Tat eines Einzeltäters gehandelt habe. Die Frage, wie es zu solchen „Explosionen von Gewalt“ kommen könne und ob die Tat absehbar war, müsse sich möglicherweise eher an das direkte Umfeld des 18-Jährigen richten als an die Sicherheitsbehörden.

De Maiziere zufolge handelte es sich bei dem Amokschützen um ein zuvor bei den Sicherheitsbehörden unbeschriebenes Blatt. „Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt“, sagte De Maiziere. Deswegen habe es auch keine staatsschutzrelevanten Informationen gegeben. „Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person.“

Staatsanwalt: „Klassischer Amoktäter“

Auch die Staatsanwaltschaft geht nicht von einer „politischen Motivation“ des Täters aus. Es handle sich um einen „klassischen Amoktäter“. Den Ermittlern zufolge habe sich der 18-Jährige und in München aufgewachsene Schüler intensiv mit Literatur und Zeitungsartikeln rund um Polizeieinsätze und Amokläufe beschäftigt. Dieses Material fanden die Ermittler bei der Durchsuchung seines Zimmers in der Wohnung seiner Eltern in München Samstagfrüh. Nun sollen die Computerdaten detailliert ausgewertet werden. Bisher wurde kein Abschiedsbrief gefunden.

Polizisten bei einer Hausdurchsuchung in München

APA/AFP/DPA/Tobias Hase

Das Zimmer des Täters in der Wohnung seiner Eltern wurde durchsucht

Der Täter soll auch eine Erkrankung „aus dem depressiven Formenkreis“ gehabt haben. Details nannte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch aber nicht. Doch schon in einem über Soziale Medien veröffentlichten Video hatte der Täter zuvor geschrien, dass er Deutscher sei und in Behandlung. Das passe in das Bild eines Amoklaufs. „Wir haben einige Hinweise dafür, dass eine nicht unerhebliche psychische Störung bei dem Täter vorliegen könnte“, sagte auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Zudem dürfte der Täter auch Probleme in der Schule gehabt haben.

300 Schuss Munition im Rucksack

Andrä verwies auch darauf, dass am Freitag auch der fünfte Jahrestag der Tat des norwegischen rechtsextremen Attentäters Anders Behring Breivik gewesen sei. Insofern liege eine „Verbindung auf der Hand“. Laut De Maiziere sei in der Wohnung des Täters Material gefunden worden, das Verbindungen zu dem Amoklauf von Winnenden 2009 und zu den Massenmorden des Norwegers Anders Behring Breivik vor genau fünf Jahren aufzeige. De Maiziere bestätigte auch Hinweise, dass der Täter gemobbt worden sein soll. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sprach zuvor auch von Problemen im Bildungsweg.

Polizei und Feuerwehr am Tatort in München

APA/AFP/DPA/Karl-Josef Hildenbrand

Am Samstag war der Tatort beim Einkaufszentrum nur mehr kleinräumig gesperrt

Bei dem Amoklauf vor einem Fast-Food-Restaurant und im Olympia-Einkaufszentrum Freitagabend in München verwendete der 18-jährige Schüler laut Ermittlern eine 9mm-Glockpistole. Diese habe er offenbar illegal besessen, denn die Seriennummer der Waffe war ausgefeilt, sagte der Präsident des bayerischen Landeskriminalamts, Robert Heimberger. Unklar ist noch, woher der Täter diese Waffe hatte.

Er soll noch 300 weitere Schuss als Reserve in einen Rucksack mitgehabt haben. Der Täter hat den Ermittlern zufolge möglicherweise einen Facebook-Account gehackt, um Menschen zum Tatort zu locken. Das müsse aber noch geklärt werden, es spreche aber vieles dafür.

Zehn Opfer noch schwer verletzt

Polizeipräsident Andrä korrigierte auch die Zahl der Verletzten auf 27 nach oben. Zehn Personen unter ihnen seien schwer verletzt - darunter auch ein 13-Jähriger. Vier erlitten Schussverletzungen. Fünf der Opfer seien minderjährig gewesen - zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige. Andere Opfer waren 17, 19, 20 und 45 Jahre alt. Ob sich die Tat gezielt gegen Jugendliche gerichtet habe, könne er „weder bestätigen noch dementieren“, sagte Andrä.

Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä

APTN

Der Münchner Polizeipräsident Andrä bei der Pressekonferenz am Samstag

Zuvor hatte es von kosovarischen Behörden geheißen, dass drei der Opfer aus dem Kosovo stammten. Die Toten stammten alle aus München und Umgebung. Es seien keine Auswärtigen oder Touristen betroffen gewesen, sagte Polizeipräsident Andrä. Doch laut dem kosovarischen Außenministerium wurde das bereits vom Konsulat in München bestätigt. Nach Angaben des türkischen Außenministeriums befanden sich unter den Toten auch drei Türken.

800 Polizisten noch im Einsatz

In der Nacht waren zeitweise 2.300 Einsatzkräfte im Zuge des Amoklaufs unterwegs. Am Samstag waren es laut Andrä noch 800. Im Einsatz standen auch 50 Cobra-Beamte aus Österreich, wie der Kommandant der Einheit Cobra-West, Harald Gonner, gegenüber dem ORF-Landesstudio Tirol sagte - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Andrä bezeichnete die massive Polizeipräsenz angesichts vieler Hinweise auf weitere Schauplätze als absolut „richtig und notwendig gewesen“, so Andrä. Sorgen wegen der Sicherheit müsse man sich in München aber jedenfalls keine machen, betonte der Polizeipräsident. Auch De Maiziere bezeichnete das Verhalten der Behörden, auf Nummer sicher zu gehen und eine Terrorgefahr anzunehmen, als „vollständig richtig und nachvollziehbar“.

Gegenstand der laufenden Ermittlungen sei es laut Herrmann nun aber auch, ob absichtliche Fehlalarme und Falschinformationen aus der Bevölkerung eingegangen waren: „Wir müssen schon auch überprüfen, inwieweit hier Leute meinten, sie würden etwas Witziges tun, indem sie solche Behauptungen ins Netz stellen oder deswegen die Polizei anrufen.“

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