Hauptbahnhof wieder geöffnet
Bis in die frühen Morgenstunden hat in München Ausnahmezustand geherrscht. Gegen halb drei Uhr Früh gab die Münchner Polizei leichte Entwarnung. Der mutmaßliche Attentäter beim Olympia-Einkaufszentrum wurde tot aufgefunden. Die Schüsse im Einkaufszentrum und der folgende Polizeieinsatz hatten das Leben in München lahmgelegt. Auch Samstagfrüh sitzt der Schock noch tief.
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In München herrscht Trauerbeflaggung. Beim Einkaufszentrum wurden bereits Blumen abgelegt. Zahlreiche Festivals wurden abgesagt oder abgebrochen. Die meisten Sperren im Verkehr wurden inzwischen wieder aufgehoben. Bis ein Uhr Früh war der öffentliche Verkehr vollständig blockiert gewesen. Den Taxis wurde geraten, keine Fahrgäste zu transportieren.

Reuters/Arnd Wiegmann
Am Samstag legten viele Menschen Blumen am Tatort nieder
Auf Autobahnen Richtung München bat die Polizei die Autofahrer, Platz für Einsatzfahrzeuge frei zu machen. Ärzte und Krankenschwestern mussten in die Krankenhäuser kommen und richteten sich auf einen Notfall ein. Die Stadt München forderte die Bürger per Smartphone-Warnsystem Katwarn auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.
Betreuung von Krisenteams
Bis weit in die Nacht wurden Menschen in improvisierten Betreuungsstellen von einem Kriseninterventionsteam betreut. Einige hatten ihr Auto noch beim Olympia-Einkaufszentrum geparkt, das noch abgeriegelt war. Zahlreiche Betroffene hatten zuvor mehrere Stunden im Einkaufszentrum ausgeharrt bis sie von der Polizei befreit und aus der Sperrzone gebracht wurden. Einige von ihnen wurden gleich im Anschluss vernommen, ob sie etwas von den Schüssen mitbekommen haben. In der Früh begann die Polizei in Zehnertrupps die Gegend nach weiteren Hinweisen auf den Angriff zu durchsuchen.

APA/AFP/dpa/Andreas Gebert
Der Hauptbahnhof München ist wieder geöffnet, die regulären Zugsverbindungen sind aber noch nicht alle hergestellt
Verkehr läuft wieder an
Bereits in der Nacht wurde der öffentliche Verkehr sukzessive wieder aufgenommen. Er läuft nun wieder nahezu vollständig, meldete auch die Münchner Polizei Samstagfrüh via Twitter. Die Station Olympia-Einkaufszentrum wird nicht angefahren. Auch Buslinien werden im Bereich Olympia-Einkaufszentrum noch umgeleitet. Der Tatort war am Samstag nur noch kleinräumig abgesperrt. Offen blieb, wann das Einkaufszentrum wieder vollständig öffnen wird.
Der Hauptbahnhof wurde ebenfalls wieder geöffnet. Dieser war zum Schutz der Bevölkerung gesperrt und der Zugsverkehr eingestellt worden. Einige Menschen hatten versucht, in Panik zum Teil über die Gleise weiterzukommen. Fehlalarme hatten zusätzlich zu einer Verunsicherung der Bevölkerung geführt. Inzwischen ist auch der Zugsverkehr dort wieder planmäßig angelaufen. Von der Sperre waren etwa 300 Züge und Tausende Passagiere betroffen. Die Züge - S-Bahnen, Regional- und Fernzüge - haben laut einem Sprecher an anderen Bahnhöfen gehalten. In einigen Bahngebäuden seien auch Feldbetten aufgestellt worden. Auf dem Flughafen München gab es allerdings keine Einschränkungen.
Samstagfrüh kehrte auch am Autobahngrenzübergang Hörbranz wieder Normalität ein. Bis etwa 3.00 Uhr Früh hatte die österreichische Polizei gemeinsam mit deutschen Kollegen die Grenze durch Sichtkontrollen verstärkt überwacht. Dieser Einsatzstab wurde aufgelöst, nachdem die Tat einem Einzeltäter zugeschrieben wurde - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
Unterkunft angeboten
Durch die Warnungen und Sperren hatten viele Probleme, nach Hause zu kommen. Über den Hashtag „OffeneTuer“ wurde via Twitter Unterkunft angeboten. Private, öffentliche Einrichtungen, Moscheen und Hotels beteiligten sich an dieser Aktion und boten Schutzräume. Die Deutsche Bahn stellte Übernachtungszüge zur Verfügung. Auch in der Münchner Oper suchten einige Hundert Schutz.

Reuters/Michael Dalder
Der Ort des Geschehens am Tag danach. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren
Noch in der Nacht wurden einige Straßen schon wieder voller, nachdem die Nachricht hereinkam, dass mutmaßlich ein Täter tot sei. Fußgänger blieben weiterhin kaum zu sehen. In den frühen Morgenstunden waren auch wieder mehr Taxis zu sehen. Weiterhin konnte es auf den Straßen aber noch zu Kontrollen kommen. Augenzeugen zufolge wurden etwa bei den Autobahnzubringern Fahrzeuge kontrolliert.
Behörden in Österreich „wieder im Alltagsbetrieb“
Am Samstag meldeten auch die österreichischen Sicherheitsbehörden „wieder Alltagsbetrieb“. Man habe die verstärkten Maßnahmen zurückgefahren, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck. Das bedeute aber „immer noch, dass wir verstärkte Sicherheitsmaßnahmen haben.“
Diese seien seit dem Anschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris vor eineinhalb Jahren aufrecht. Österreich hatte die Einsatzstreifen im Grenzraum verstärkt und die Spezialeinheit Cobra in Alarmbereitschaft versetzt. Einige von ihnen wurden vorübergehend nach München verlegt, um die dortige Polizei zu unterstützen.
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