„Nie da gewesene Tragödie“
Nach der Kollision zweier Regionalzüge in der Nähe der Stadt Andria nahe Bari in Süditalien war die Unglücksursache Dienstagabend noch völlig unklar. Weder menschliches Versagen noch ein technischer Fehler wurden ausgeschlossen. Mindestens 27 Menschen kamen ums Leben.
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50 weitere Personen wurden verletzt. Einige davon hätten schwere Verletzungen erlitten, berichteten italienische Medien. Über die Ursache der Katastrophe gab es vorerst nur Spekulationen. Eine „Hypothese“ sei ein technischer Fehler, berichtete der „Corriere della Sera“ (Onlineausgabe) und zitierte den Generaldirektor des privaten Bahnunternehmens Ferrotramviaria, Massimo Nitti: Tatsache sei, dass ein Zug nicht auf der Strecke hätte sein dürfen. „Es ist eine noch nie da gewesene Tragödie.“

APA/AFP/Vigili del Fuoco
Trümmerteile am Unfallort verstreut
Ein Zug angeblich zu früh auf der Strecke
Möglich sei, dass es einen Fehler im Kontrollsystem gegeben hat, hieß es im „Corriere“. Der deutsche „Spiegel“ verwies auf einen Bericht im italienischen Nachrichtensender TGNorba24, wonach einer der beiden Züge abweichend vom Fahrplan zu früh losgefahren sei.

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Waggons ineinander verkeilt
„Nur ein Versagen der Bahnhofsleitung oder der Zugsführer habe zu dem Unglück führen können“, spekulierte der italienische Sender. Außerdem hätte die Strecke zweigleisig ausgebaut werden sollen, das sei aber nicht passiert und eine „permanente ‚Lücke im System‘“ gewesen.
„Als ob ein Flugzeug abgestürzt wäre“
Die beiden Garnituren mit jeweils vier Waggons waren mit etwa 100 km/h unterwegs und kollidierten in einer Kurve. Laut „Corriere“ sind auf der Pendlerstrecke täglich Dutzende Züge und Tausende Passagiere unterwegs. Der Unfall ereignete sich gegen 11.30 Uhr zwischen den Städten Corato und Andria in er Provinz Apulien.

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Die ineinander verkeilten Wracks mussten mit Hilfe eines Krans getrennt werden. „Es ist ein Desaster, als ob ein Flugzeug abgestürzt wäre“, so der Bürgermeister von Corato, Massimo Mazzilli. Dutzende Rettungsteams waren vor Ort, am Unglücksort wurde eine Art Feldlazarett errichtet, um die Verletzten versorgen zu können. In den Medien wurde zum Blutspenden aufgerufen.
Untersuchungskommission soll eingerichtet werden
Verletzt wurden bei dem schweren Frontalzusammenstoß vor allem Passagiere, die in den ersten beiden Waggons der Züge saßen. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie die beiden Züge auf offener Strecke verkeilt lagen. Einige Waggons wurden völlig zerstört. Trümmerteile lagen weit verstreut. An Bord der beiden Züge befanden sich mehrheitlich Pendler und Studenten.
Regierungschef Matteo Renzi verlangte eine rasche Klärung der Ursache des Unglücks und sprach Opfern und Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus. Er unterbrach einen Besuch in Mailand und traf am Nachmittag am Unfallort ein. Verkehrsminister Graziano Delrio sprach von einer „riesigen Tragödie“ und kündigte die Einrichtung einer Untersuchungskommission an.
Schwerstes Zugsunglück seit 2009
Auch Papst Franziskus kondolierte den Angehörigen der Todesopfer. In einem Schreiben an den Bischof der Stadt Bari habe der Papst erklärt, er bete für die Todesopfer, die Verletzten und ihre Familienangehörigen, teilte der Vatikan mit.
Der Konsumentenschutzverband Codacons wies über die Vernachlässigung des regionalen Bahnnetzes in Süditalien hin. Ende Juni 2009 waren bei einem schweren Zugsunglück in der toskanischen Küstenstadt Viareggio 26 Menschen ums Leben gekommen. Damals entgleiste ein Güterzug, ein mit Flüssiggas gefüllter Waggon explodierte. Es war das schwerste Zugsunglück in Italien seit mehr als 20 Jahren.
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