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Großer Andrang in Gerichtssaal

Der ehemalige südafrikanische Spitzensportler Oscar Pistorius ist für den Mord an seiner Lebensgefährtin Reeva Steenkamp zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, wie Richterin Thokozile Masipa am Mittwoch bekanntgab. Der Andrang im Gerichtssaal war groß. Neben den Eltern von Steenkamp fanden sich auch zahlreiche Journalisten zur Verkündung des Strafmaßen ein.

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Pistorius drohten mindestens 15 Jahre Haft. Masipa entschied jedoch, dass die „mildernden Umstände schwerer wiegen als die belastenden Faktoren“. Damit komme ein geringeres Strafmaß als die gesetzlich vorgesehenen mindestens 15 Jahre Haft in Frage, erklärte die Richterin.

Den ehemalige südafrikanische Sportstar Oscar Pistorius von Polizisten eskortiert auf dem Weg zum Gericht

Reuters/Siphiwe Sibeko

Pistorius am Donnerstag auf dem Weg ins Gericht

Richterin: „Ein gefallener Held“

Die Richterin machte mehrere mildernde Faktoren für ihre Entscheidung geltend. Der Angeklagte könne nicht mehr „in Frieden“ leben, zudem sei sie der Meinung, dass eine lange Freiheitsstrafe nicht der Gerechtigkeit diene. Pistorius sei ein „Ersttäter“, und es sei unwahrscheinlich, dass er erneut straffällig werde.

Oscar Pistorius und Reeva Steenkamp

APA/EPA/Frennie Shivambu

Reeva Steenkamp und Oscar Pistorius

Masipa betonte in ihrem Urteil, der „Heilungsprozess“ habe bereits begonnen, da die Eltern Steenkamps erklärt hätten, sie hätten dem Angeklagten verziehen. „Das Leben des Angeklagten wird nie wieder dasselbe sein. Er ist ein gefallener Held, dessen Karriere beendet ist und der finanziell ruiniert ist.“

„Nichts wird Reeva zurückbringen“

Während der im Fernsehen übertragenen Urteilsverkündung, der sowohl die Familie von Pistorius als auch Verwandte Steenkamps beiwohnten, starrte der Angeklagte regungslos vor sich hin. Danach umarmte er seine Angehörigen, bevor er aus dem Gerichtssaal geführt wurde, um seine Haft anzutreten.

Oscar Pistorius

APA/EPA/Herman Verwey

Pistorius bei dem ersten Prozess vor Gericht

Steenkamps Eltern nahmen das Urteil gefasst auf. „Wir lassen das Gesetz seinen Lauf nehmen, nichts wird Reeva zurückbringen“, sagte der Anwalt der Familie, Petrus de Bruyn, der Nachrichtenagentur AFP anschließend. Die Frauengruppe der in Südafrika regierenden ANC-Partei äußerte sich enttäuscht über das Strafmaß. Es sei von ursprünglich fünf auf nun sechs Jahre erhöht worden. „Was soll das?“, fragte Sprecherin Jacqui Mofokeng. „Das ist eine Beleidigung der Frauen in Südafrika.“

Keine Berufung

Pistorius will nicht in Berufung gehen. Das erklärten seine Verteidiger am Mittwoch in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria. „Wir respektieren die Entscheidung von Masipa (...), und Oscar wird die Strafe absitzen“, sagte Anwalt Andrew Facett vor Journalisten.

Die Verteidigung machte geltend, Pistorius sei ein „gebrochener Mann“, der für seine Tat bereits schwer bestraft worden sei. Pistorius habe „körperlich“, sozial und finanziell bezahlt, argumentierte Barry Roux aus seinem Anwaltsteam. Um die Verletzlichkeit seines Mandanten zu demonstrieren, ließ er Pistorius Mitte Juni ohne Beinprothesen durch den Gerichtssaal humpeln.

Wegen Mordes verurteilt

Im Berufungsverfahren im Dezember war Pistorius wegen Mordes verurteilt worden. Mord entspricht hier dem Totschlag im österreichischen Rechtssystem. Der Angeklagte sei „des Mordes schuldig“, da er mit „krimineller Absicht“ gehandelt habe, urteilte das Gericht in Bloemfontein im Dezember.

Die vorherige Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung sei falsch gewesen, so Richter Eric Leach. Der Angeklagte habe den Tod gleich welcher Person hinter der Tür vorhersehen müssen und habe ihn in Kauf genommen. Es handle sich um eine menschliche Tragödie größten Ausmaßes, so Leach weiter.

Durch die Badezimmertür hindurch erschossen

Der unterschenkelamputierte Pistorius hatte in der Nacht auf den Valentinstag 2013 vier Schüsse aus einer großkalibrigen Pistole durch eine geschlossene Toilettentür seiner Villa bei Pretoria abgefeuert und damit seine 29-jährige Freundin Steenkamp getötet.

Die Richterin folgte im ersten Prozess seiner unter Tränen vorgebrachten Beteuerung, er habe hinter der Tür einen Einbrecher vermutet. Sie wies die Mordanklage der Staatsanwaltschaft zurück und sprach ihn lediglich der fahrlässigen Tötung schuldig und verurteilte Pistorius zu fünf Jahren Haft.

Pistorius startete 2012 als erster beidseitig beinamputierter Sportler der Geschichte bei den Olympischen Spielen. Er wurde Achter mit der Staffel über 4 x 400 m und kam als Einzelstarter bis ins 400-m-Halbfinale. Bei den Paralympics holte er sechsmal Gold.

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