Istanbul-Anschlag: Neue Hinweise auf Attentäter

Die drei Selbstmordattentäter vom Istanbuler Flughafen haben einem Zeitungsbericht zufolge ursprünglich auch eine Geiselnahme geplant. Wie die regierungsnahe türkische Zeitung „Sabah“ heute berichtete, wollten sie im Flughafengebäude Dutzende Geiseln nehmen, um dann ein Massaker anzurichten. Weil sie aber Verdacht erregten, seien sie schon früher zum Angriff übergegangen - andernfalls hätte es noch mehr Opfer gegeben.

Dem Bericht zufolge wurden Zivilisten und ein Polizist auf die Männer aufmerksam, weil sie trotz der Hitze Jacken trugen. Darunter verbargen sie ihre Sprengstoffwesten. Von der Polizei freigegebene Bilder der Videoüberwachungsanlage zeigen die drei mutmaßlichen Attentäter in dunklen Jacken.

Bericht über etliche Festnahmen

Die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, bei Razzien in Istanbul seien nach dem Anschlag 24 Verdächtige festgenommen worden, darunter 15 Ausländer. Neun Festnahmen gab es auch in der westlichen Küstenstadt Izmir. Es war aber nicht klar, ob sie im Zusammenhang mit der Bluttat in Istanbul standen.

Laut „Hürriyet“ hatten die Attentäter eine Wohnung im Istanbuler Stadtviertel Fatih gemietet und die Jahresmiete von 24.000 Lira (7.500 Euro) im Voraus gezahlt. Nach Angaben einer Nachbarin wurde die Wohnung nach dem Anschlag durchsucht. Sie habe die Männer zwar nie gesehen, aber gehört, sagte die Nachbarin der Zeitung. Außerdem habe sie sich bei den örtlichen Behörden über einen „sehr komischen, chemischen Geruch“ aus der Wohnung beschwert.

„Keine neuen Erkenntnisse“ zu Österreich-Spur

Unterdessen nannte nun auch ein US-Kongressabgeordneter den aus Tschetschenen stammenden mutmaßlichen IS-Terroristen Ahmed T. als möglichen Drahtzieher. Es gebe Erkenntnisse, dass T. der Drahtzieher des Attentats sei, sagte Michael McCaul, Vorsitzender des Heimatschutz-Ausschusses im Repräsentantenhaus, laut CNN.

McCaul berief sich auf türkische Geheimdienstkreise. Eine Bestätigung der US-Sicherheitsbehörden dafür gab es zunächst nicht. Zuvor hatte die „Presse“ (Freitag-Ausgabe) unter Berufung auf türkische Medienberichte von einem Verdacht berichtet, T., der in Österreich Asyl erhalten habe, zeichne für den Anschlag dreier Selbstmordattentäter verantwortlich.

Die Angaben werden vom Innenministerium weiter relativiert. „In unseren Kontakten mit türkischen Ermittlern gibt es keine neuen Erkenntnisse“, sagte Innenministeriums-Sprecher Karl-Heinz Grundböck laut APA.