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„Dutzende und Dutzende“ gerettet

Am Tag nach den Massenmorden im Musikclub Pulse in Orlando im US-Bundesstaat Florida hat die Polizei erste Details dazu genannt, wie der Täter nach einer stundenlangen Konfrontation überwältigt werden konnte. Es dürfte aber vor allem einem namentlich vorerst nicht genannten Polizisten zu verdanken sein, dass die Tat des 29-jährigen Omar Mateen nicht noch mehr Menschenleben forderte.

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49 Menschen kamen ums Leben, als Mateen am Sonntag gegen 2.00 Uhr (Ortszeit) kurz vor der Sperrstunde in dem bestens besuchten Club, einem seit Jahren aktiven „Gay Pride“-Pionier , das Feuer eröffnete. Die offizielle Zahl von 50 Toten schließe den Täter mit ein, präzisierten die Behörden ihre Angaben am Montag. Offenbar kamen fast alle getöteten Clubbesucher in den ersten Momenten der Attacke ums Leben, als Mateen wahllos mit einem Sturmgewehr und einer Faustfeuerwaffe auf die vollbesetzte Tanzfläche feuerte.

Gegen Sprengung entschieden

Ein Polizist war im Club, als Mateen dort eindrang. Entgegen ersten Meldungen dürfte er außer Dienst gewesen sein, jedoch eine Waffe getragen haben. Der Polizist habe sofort das Feuer erwidert und Verstärkung angefordert, sagte Polizeichef John Mina am Montag. Der Täter habe sich in der Folge mit den Polizisten ein Feuergefecht geliefert, bevor er sich in den Toiletten des Clubs verschanzte, wo er Anwesende als Geiseln nahm.

Tatortskizze

APA/AFP/Getty Images/Joe Raedle

Eine Skizze des Tatorts. Der Pfeil rechts markiert die Stelle, an der Mateen das Lokal betrat.

„Das war der Moment, in dem wir Dutzende und Dutzende von Leuten retten und in Sicherheit bringen konnten und sie aus dem Club rausbringen konnten“, sagte Mina bei der Pressekonferenz. Kurz darauf sei eine Sondereinheit der Polizei eingetroffen, die den Club absicherte. Der ursprüngliche Plan sei es gewesen, sich den Weg zum Attentäter und seinen Geiseln freizusprengen, so Mina. Er selbst habe aber angeordnet, die Räumlichkeiten von außen mit einem gepanzerten Mannschaftswagen zu rammen.

Stille und Handyläuten bei Beweissicherung

Durch das Loch, das der Mannschaftswagen in die Außenmauer des Gebäudes riss, konnten laut Mina ebenfalls mehrere Dutzend Clubbesucher flüchten. Kurz darauf sei auch der Täter schießend aus dem Gebäude gestürmt und schließlich von Polizisten getötet worden. Die Tatortarbeit und Bergung der Leichen dauerte laut Mina bis in die Nacht auf Montag. 38 Menschen starben im Club, elf weitere erlagen im Spital ihren Verletzungen.

Wie es in Sozialen Medien von angeblichen Familienangehörigen der Polizisten hieß, soll die Tatortarbeit zur Beweissicherung nach dem Massaker den Beamten psychisch sehr zugesetzt haben. Beschrieben wird eine Szene, deren Stille unablässig vom Läuten der Handys der Getöteten unterbrochen wurde - Versuche von Angehörigen und Freunden, mit ihnen in Kontakt zu treten. Nach und nach wurden am Montag die Namen der Opfer veröffentlicht, jeweils nachdem Hinterbliebene erreicht werden konnten.

Angeblich auch Disneyworld als Ziel überlegt

Vieles spricht inzwischen dafür, dass Mateen die Tat sorgfältig geplant haben dürfte. Laut einem Bericht in der Onlineausgabe des US-Magazins „People“, das sich auf einen FBI-Quelle im Ertmittlerteam berief, nutzte er seit Wochen verschiedene Profile auf Sozialen Netzwerken, um mögliche Ziele virtuell auszukundschaften. Auch soll er versucht haben, sich schusssichere militärische Kampfbekleidung zu kaufen, was ihm aber in Ermangelung der nötigen Genehmigungen verweigert worden sei.

„People“ schreibt außerdem, Mateen habe im April mit seiner zweiten Frau Disneyworld in Orlando allein zum Zweck besucht, den Vergnügungspark als mögliches Anschlagsziel zu sondieren. Bewusst habe er sich dabei für den Parkteil „Disney Springs/Downtown Disney“ entschieden, da dies zum Unterschied von den anderen Attraktionen in Disneyworld der einzige ohne genaue Personenkontrollen sei.

Täter laut FBI nicht Teil eines Netzwerks

Die Tat war das tödlichste Schusswaffenattentat in der Geschichte der USA. Mateen, ein 29-jähriger gebürtiger US-Bürger afghanischer Abstammung, erklärte den Angriff in einem Anruf beim Polizeinotruf 911 während der Belagerung des Clubs als Terrorakt im Namen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Auch seitens des IS wurde Mateen als „Soldat des Kalifats“ bezeichnet. Behörden gingen aber weiterhin davon aus, dass es sich bei Mateen um einen Einzeltäter handelte.

Polizei am Tatort

APA/AFP/Getty Images/Joe Raedle

Tatortarbeit vor dem Club am Montag

FBI-Direktor James Comey zeichnete eine sehr verworrene Motivlage des Attentäters. Der Schütze habe sich während der Attacke telefonisch sowohl zum IS bekannt als auch zu den Attentätern des Boston-Marathons und zur Al-Nusra-Front. Vor einigen Jahren habe er gesagt, er sympathisiere mit der Hisbollah und mit Al-Kaida. Diese Organisationen rivalisieren, die Boston-Attentäter haben mit dem IS nichts zu tun.

Obama sieht „Selbstradikalisierung“

US-Präsident Barack Obama betonte nach einer Ansprache am Sonntag auch am Montag noch einmal, es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Tat Teil eines größeren Terrorplans oder international gesteuert gewesen sei. Es gebe aber Anzeichen, dass der Täter von verschiedenen Quellen über das Internet extremistisch inspiriert worden sei. Die Untersuchungen dauerten an, sagte Obama. Er war zuvor von Ermittlern und Anti-Terror-Spezialisten informiert worden.

Obama sagte, der Angriff zeige, dass islamistische und extremistische Onlinepropaganda genauso bekämpft werden müsse wie Terroristen im Ausland. Er sagte, die auf Orlando folgende Diskussion dürfe sich in den USA weder ausschließlich um Waffen noch ausschließlich um Terrorismus drehen, sondern müsse sehr umfassend sein. Es sei extrem schwierig, jemanden vor einem Anschlag ausfindig zu machen, der sich selbst radikalisiere, sagte Obama.

Echo auch in Europa

Auch in Europa sahen manche wie Trump die Tat als Argument für eigene politische Positionen. FIDESZ, die Partei des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban, sah die Folge einer „unkontrollierten Einwanderung“, die die USA und Europa gleichermaßen bedrohe. Die „modische linksliberale Haltung“ führe zu immer mehr Toten. Überwiegend, so auch in Österreich etwa von SPÖ, ÖVP, Grünen und der Islamischen Glaubensgemeinschaft, bezeugte Europa jedoch Solidarität und Anteilnahme mit den Opfern.

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