Ergebnis am späten Nachmittag
Eine so spannende Wahl hat Österreich noch kaum gesehen. Das Rennen um die Hofburg war am Sonntag nicht beendet, erst die Briefwahlstimmen entscheiden. Ob FPÖ-Kandidat Norbert Hofer oder der von den Grünen unterstützte Alexander Van der Bellen die Wahl gewinnt, ist völlig offen. Für Hofer spricht der Vorsprung im vorläufigen amtlichen Ergebnis, für Van der Bellen die Prognosen der Briefwahlstimmen.
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Bei der Urnenwahl am Sonntag konnte sich Hofer mit 51,9 Prozent knapp vor Van der Bellen mit 48,1 Prozent durchsetzen. 144.006 Stimmen beträgt der Unterschied. Bei den Wahlkartenwählern wird allerdings ein deutlicher Überhang an Stimmen für Van der Bellen erwartet. Von den 885.437 ausgestellten Wahlkarten diente ein kleiner Teil am Sonntag zur Stimmabgabe in einem „fremden“ Wahllokal, diese Stimmen sind bereits im vorläufigen Endergebnis enthalten, das Sonntagabend verlautbart wurde.

ORF.at/Innenministerium
700.000 Briefwahlstimmen entscheiden
Der Leiter der Wahlabteilung im Innenministerium, Robert Stein, ging in der ZIB2 davon aus, dass rund 740.000 Briefwahlstimmen am Montag auszuzählen sind, rund 700.000 werden wohl gültig sein. Das Institut SORA geht davon aus, dass Van der Bellen hier auf knapp 61 Prozent kommt, was den Einzug mit einem Vorsprung von nur knapp 2.900 Stimmen in die Hofburg bedeuten würde.

ORF/SORA
Ergebnis am späten Nachmittag
SORA ging bei der Berechnung von 680.000 Briefwahlstimmen und damit von einer etwas kleineren Zahl aus. Die Prognose basiere auf den Daten des ersten Wahlgangs, sagte SORA-Chef Christoph Hofinger in der ZIB2. Allerdings: Dieses Modell sei eine Spur wahrscheinlicher als andere, aber genauso gut könnte Hofer gewinnen. „Hoffentlich zwischen 17.00 und 19.00 Uhr“ werde das endgültige Gesamtergebnis inklusive Briefwahl vorliegen, sagte Stein. Im ersten Wahlgang war die Briefwahl um 17.30 Uhr fertig ausgezählt.
Stein und Hofinger über den Einfluss der Wahlkarten
Im ZIB2-Studio sprechen der Leiter der Wahlbehörde im Innenministerium, Robert Stein, und ORF-Wahlhochrechner Christoph Hofinger darüber, wie die Wahlkarten das Ergebnis verändern könnten.
Falsche Grafik auf BMI-Website
Für einige Aufregung in den Sozialen Medien sorgte am Wahlabend eine Grafik auf der Website des Innenministeriums mit angeblich 544.000 ausgezählten Wahlkarten. Da sei ein Fehler passiert, so Wahlleiter Stein. Testdaten seien in den Produktionsbereich „gerutscht“, so Stein, der sich darüber „recht unglücklich“ zeigte.
Dass es bei den Wahlkarten Manipulationen gab, glaubt Stein nicht. In der Vergangenheit hab es solche gegeben, wiewohl nicht auf Bundesebene. Durch das Wahlrechtsänderungsgesetz von 2011 sei das System aber „in hinreichendem Maß wasserdicht“ gemacht worden.
Bisher keine Rechtswidrigkeiten bekannt
Dass es angesichts des sich abzeichnenden knappen Ergebnisses zu einer Anfechtung des Wahlergebnisses kommen könnte, wollte Stein nicht ausschließen. Das sei das „gute Recht“ einer wahlwerbenden Gruppe und bei dieser „arithmetischen Lage“ nicht auszuschließen. Er hoffe nur, dass es keine erfolgreichen Anfechtungen geben werde. Dem Innenministerium seien bisher aber keine Rechtswidrigkeiten gemeldet worden.
Dass wegen zu spät zugestellter Wahlkarten eine Anfechtung möglich ist, glaubt Stein nicht. „Das verspätete Einlangen von Wahlkarten ist keine Gesetzesverletzung“, so der langjährige Wahlleiter im Innenministerium Montagfrüh im Ö1-Morgenjournal.
„Präsident muss Land einen“
„Wir werden warten müssen“, kommentierte Hofer am Abend des Wahlsonntags den vorerst unklaren Ausgang der 13. Präsidentschaftswahl. „Das hat sich niemand von uns gewünscht, wir wollten beide ruhig schlafen“, so Hofer im ORF-Doppelinterview mit seinem Konkurrenten Van der Bellen.
Hofer sagte, er wolle, sollte er gewinnen, ein Präsident für alle sein, nicht nur für jene rund 50 Prozent, die ihn laut Hochrechnung gewählt haben. „Die Person, die gewinnt, wird die Aufgabe haben, Österreich zu vereinen.“ Die Wähler von Van der Bellen will Hofer für den Fall seines Sieges durch gute Arbeit in der Funktion als Bundespräsident überzeugen.
Erste Stellungnahmen der Kandidaten
Gegen 18.40 Uhr traten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen zum ersten Mal an diesem Wahlabend vor die Öffentlichkeit.
Beide dankten den Wählerinnen und Wählern. Van der Bellen zeigte Respekt gegenüber dem Konkurrenten und dessen Einsatz im Wahlkampf. Zu den internationalen Medienberichten, in denen Hofer als Rechtspopulist bezeichnet wird, sagte der Blaue, man werde im Ausland „sehr schnell erkennen, dass etwas im Raum gestanden ist, das nicht den Tatsachen entspricht“.
Van der Bellen will „Gräben zuschütten“
Bei seiner Wahlfeier im Wiener Palais Auersperg sagte Van der Bellen, es werde erneut „arschknapp“ werden. Die Lehre aus den letzten Wochen: „Es lohnt sich, nicht aufzugeben.“ Es stehe „Spitz auf Knopf.“ Daher: „Alles Gute, trinken wir noch ein Glas, und morgen wissen wir alles.“ Mit seiner Wahlbewegung zeigte sich der frühere Grünen-Chef hochzufrieden. Sie habe ihn „mit Energie erfüllt, geradezu physisch getragen“. Sollte er gewinnen, werde er sich nach der Polarisierung des Wahlkampfes bemühen, die entstandenen Gräben zuzuschütten.
Hofer kündigte bei seiner Wahlparty im Prater-Gastgarten Alpendorf an, in sechs Jahren ein weiteres Mal für die Bundespräsidentschaft kandidieren zu wollen, wenn er es diesmal nicht schafft. „Wir haben heute Geschichte geschrieben“, sagte Hofer zu den mehreren hundert FPÖ-Unterstützern. Österreich sei heute so weit, dass jeder zweite Bürger die FPÖ wähle. Entweder er sei am Montag Bundespräsident oder er unterstütze FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf dem Weg zur Kanzlerschaft, so Hofer.
Ländlicher Raum für Hofer, Städte für Van der Bellen
Die Wahlergebnisse zeigten eine deutliche Kluft zwischen Stadt und Land. In praktisch allen Städten setzte sich Van der Bellen deutlich durch. Eisenstadt ging als einzige Landeshauptstadt - vorläufig - an Hofer. Das beste Ergebnis brachte Van der Bellen Graz mit - ohne Briefwahl - 61,99 Prozent, Wien lag mit 61,16 Prozent knapp dahinter, Linz mit 60,54 Prozent auch noch über der 60-Prozent-Marke. Knapp darunter blieb Van der Bellen in Bregenz und Innsbruck - mit der Briefwahl wird er diese Marke wohl noch überschreiten. Drei Landeshauptstädte konnte Van der Bellen gegenüber dem 24. April „drehen“: Salzburg, St. Pölten und Klagenfurt wählten diesmal mehrheitlich ihn und nicht Hofer.

APA/AFP/Dieter Nagl
Van der Bellen lässt sich von Anhängern feiern
Klarer Hofer-Sieg im Burgenland
Im Burgenland siegte Hofer deutlich mit 63 Prozent. In Salzburg setzte sich der FPÖ-Kandidat mit 55,1 Prozent durch, in Kärnten mit 60,1 Prozent. In der Steiermark gewann er 58,7 Prozent. Auch Niederösterreich ging mit 54,3 Prozent an Hofer. Ohne Wahlkarten lag Hofer auch in Oberösterreich und Tirol voran, allerdings dürfte Van der Bellen in den beiden Bundesländern mit Wahlkarten noch als Erster ins Ziel gehen. In Vorarlberg setzte sich Van der Bellen mit 56,4 Prozent gegen Hofer mit 43,6 Prozent durch.

APA/Herbert Pfarrhofer
Auch Hofer am Wahlabend zufrieden
Van der Bellen dominiert in Wien
Dass Van der Bellen seine Aufholjagd nach dem ersten Wahlgang überhaupt starten konnte, hat er den Wienerinnen und Wienern zu verdanken. Derzeit werden in der Bundeshauptstadt mit Wahlkarten 63 Prozent für ihn prognostiziert. In einigen Bezirken konnte er mehr als 70 Prozent erringen, selbst der Flächenbezirk Favoriten stimmte mehrheitlich für den Ex-Chef der Grünen. Im vorläufigen Endergebnis lag Hofer nur in Simmering und in Floridsdorf voran, auch das könnte sich mit den Wahlkarten noch ändern - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
FPÖ glaubt an Sieg
„Es ist ein Tag der großen Dankbarkeit und der Freude“, sagte FPÖ-Chef Strache und bedankte sich für das „unglaubliche Vertrauen“ der Österreicher in Hofer. Dieser sei mit Untergriffen im Wahlkampf „sehr souverän umgegangen“. Hofers Sieg wäre „ein Sieg für die Demokratie“. Was ein Bundespräsident Hofer für seine eigene politische Karriere bedeuten würde, wollte Strache nicht beantworten. „Für mich persönlich ist es der bewegendste, ergreifendste und schönste Moment, den ich bis dato in meiner politischen Laufbahn erleben durfte“, sagte er.
„Wir hoffen und glauben daran, dass am Ende Norbert Hofer die Mehrheit der Österreicher auf seiner Seite haben wird“, zeigte er sich nach den ersten Hochrechnungen zuversichtlich. Strache beklagte sich über die Hochrechnung des ORF und verwies auf die Zahlen des Innenministeriums, die Hofer deutlicher voran sahen. Allerdings berücksichtigte das Innenministerium in seiner Prognose die 900.000 Wahlkarten nicht. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl nannte das Ergebnis einen „Sieg der Demokratie und der Glaubwürdigkeit“. Van der Bellen habe am Schluss auf einen „Angstwahlkampf“ gesetzt.
Auch Grüne zuversichtlich
Mit Zuversicht kommentierte Van der Bellens Wahlkampfmanager Lothar Lockl die ersten vorliegenden Hochrechnungen. „Wir sind ganz knapp dran“, sagte er vor Journalisten im Wiener Palais Auersperg. „Wir haben eine Chance, wir glauben daran, es kann sich ausgehen.“ Lockl sprach von einem Fotofinish, „das Spiel geht in die Verlängerung“.
Runde der Klubobleute
Bei ORF-Reporter Wolfgang Geier diskutierten die Klubobleute der Grünen, der FPÖ, von NEOS und des Teams Stronach. SPÖ und ÖVP blieben der Diskussion fern.
Aufgeregt und „sehr optimistisch“ zeigte sich Grünen-Chefin Eva Glawischnig. Sie sei „unglaublich gespannt“, Van der Bellen habe ein „Fotofinish“ hingelegt. Angesichts der großartigen Wahlbewegung sei sie sprachlos. All das sei ein „sehr schönes, ermutigendes Signal für Österreich“. Alles sei noch offen, klar sei nur, dass Van der Bellen eine unglaubliche Aufholjagd hingelegt habe.
Höhere Wahlbeteiligung
Schon während des Wahltages zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab: In den Städten Wien und Salzburg und auch auf dem Land - etwa in Niederösterreich - vermeldeten die jeweiligen Wahlbehörden am Vormittag durchgehend eine höhere Beteiligung als zum selben Zeitpunkt vor einem Monat. Laut SORA-Hochrechnung wird sie bei rund 72 Prozent liegen.

APA/Georg Hochmuth
So leer waren die Wahllokale meist nicht
Am ersten Wahlgang hatten 68,5 Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen - ein deutliches Plus gegenüber dem historischen Tiefststand im Jahr 2010 von 53,57 Prozent bei der Wiederwahl von Noch-Bundespräsident Heinz Fischer.
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